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CD-Besprechung

cpo 777 289-2

1 CD • 53min • 2006

30.10.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der aus Izmir stammende Ahmed Adnan Saygun ist der wohl wichtigste Repräsentant der ersten türkischen Komponistengeneration. Zusammen mit Cemal Resid Rey, Ulvi Cemal Erkin, Necil Kazim Akses und Ferit Tüzün bildete er eine Gruppe, die – in Anlehnung an das in Russland wirkende „Mächtige Häuflein“ mit Mussorgsky, Borodin, Cui etc. – als die „Türkischen Fünf“ firmierte und unter diesem künstlerischen Markenzeichen in die kulturelle Landesgeschichte einging. Sayguns vielseitige Interessen, sein vielfältiges Engagement schufen die Grundlage für ein am Westen orientiertes türkisches Musikleben, freilich unter Berücksichtigung der eigenen volksmusikalischen Wurzeln, die in seinen Werken immer wieder für fruchtbare Triebe und bunte Blüten sorgen. Mit Béla Bartók begab er sich 1936 auf eine Forschungsreise in die Südtürkei, wo die beiden in der Gegend um Adana Volkslieder aus Osmaniye sammelten und diese in konventionelle Notenschrift übertrugen. Bekannt wurde Saygun im Ausland, als 1947 in Paris sein Oratorium Yunus Emre aufgeführt wurde. Seine Erfahrungen als Schüler von Vincent d’Indy und Eugène Borrel, seine Bekanntschaft mit der europäischen Spätromantik und den Arbeiten der Impressionisten boten ihm Möglichkeiten, auf ganz persönliche Weise Aspekte der türkischen Musik – vor allem irreguläre metrische Muster, die so genannten Aksak-Rhythmen – mit jenen der „westlichen“ Ästhetik zu verschmelzen.

Die hier nun – endlich! – mit der türkischen Pianistin Gülsin Onay vorgelegte Einspielung der beiden Klavierkonzerte aus den Jahren 1951–1957 bzw. 1985 erfüllt alle Ansprüche im Bereich von verantwortungsvoller, dabei nicht sklavischer, sondern mitgestaltender Textverbundenheit. Zu spüren ist auch Gülsin Onays Interesse am Leben und Schaffen des Komponisten insgesamt. Und schließlich ist es dem Dirigenten Howard Griffiths gelungen, das solide Orchester der der Bilkent Universität auf ein Höchstmaß an Genauigkeit und klanglich-dynamische Entschiedenheit einzuschwören. Bilkent – dies für weniger ortskundige Hörer – ist ein Stadtteil von Ankara und die Heimat eines hochrangigen Bildungsinstituts mit erstaunlich vielen Frauen im Lehrkörper.

Das Konzert Nr. 1 ist in den beiden ersten Sätzen reich an strömenden, auch überraschenden Ereignissen und Wendungen – kurzum ein Werk mit Wurzeln in der Heimat Sayguns und nicht weniger beheimatet in der europäischen Kunstszene wie sie weiter oben wenigstens ansatzweise beschrieben ist. Der dritte Satz, ein Rondo, zeigt – trotz munterer Vorgänge – nur kurze Lebenskraft, endet gewissermaßen voreilig nach viereinhalb Minuten und hinterlässt einen etwas schalen Eindruck. Gülsin Onay trägt im besten Sinne Mitschuld an diesem Eindruck, denn ihr gelingt es mit ungeheurem Elan und feinsten Nuancierungen, alles Vorangegangene über seinen eigentlichen Kunstwert hinaus zu veredeln. Umso ungünstiger den Interpreten und den Hörern gegenüber wirkt sich dadurch das abrupte Ende des Werkes aus, dessen Uraufführung 1958 mit Idil Biret als Solistin in Brüssel unter der Leitung des Komponisten stattfand. Etwas ungemütlicher, herber, formal hingegen ausgewogener – so lässt sich das Konzert Nr. 2 beschreiben, trotz vieler satzinterner Wechsel zwischen verhaltenen und drängenden Passagen. Hier in dieser Einspielung wird dieser türkisch-westliche Slalom brillant, reaktionsschnell, wenn nötig zögernd bis melancholisch inszeniert, ganz gleich, ob es sich um solistische Referate, ob es sich um reine Orchesterregungen oder um fusionierte Aufgaben handelt.

Peter Cossé † [30.10.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ahmed Adnan Saygun
1Konzert Nr. 1 op. 34 für Klavier und Orchester (1951/1957) 00:26:45
4Konzert Nr. 2 op. 71 für Klavier und Orchester 00:25:31

Interpreten der Einspielung

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