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CD-Besprechung

OehmsClassics OC 713

1 CD • 57min • 2007

02.09.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Nach ihrer vom Repertoire her und auch in Hinsicht der gestalterischen Maßnahmen, ja Anfeuerungen begeisternden Armenien-CD (mit Werken u.a. von Komitas, Khatchaturian und Arutiunian / Oehms 374) überzeugt die aus Eriwan (Armenien) stammende Pianistin Sona Shaboyan mit einem Chopin-Programm von höchstem technischen und musikalischen Anspruch. Wenn man sich indes die von der Oehms-Redaktion beigefügte Biographie der (wann geborenen?) Künstlerin anschaut, dann kann man sich im ersten Moment nur zögernd eine mit allen Fähigkeiten versehene Virtuosin vorstellen, die vom strahlenden C-Dur der Etüde op. 10,1 bis hin zum streunenden, wehenden und atemverseuchten Finale der b-Moll-Sonate solch eine knapp einstündige Wegstrecke zu bewältigen versteht. Denn in den Jahren 1992 und 1993 fungierte Sona Shaboyan als Pianistin an der Eurythmie-Bühne am Goetheanum im schweizerischen Dornach! Es folgten Studien in Kunstgeschichte, Sprachgestaltung und Malerei und auch weitere Meisterklassen-Besuche bei namhaften Professoren wie Vitalij Margulis, András Schiff, John Perry. Sicher prägend für sie war ihr Studium von 2001 bis 2003 bei Homero Francesch an der Musikhochschule Zürich.

Von den vielen jungen, sehr jungen und auch etwas älteren Studenten des namhaften Pianisten aus Uruguay habe ich neben einer bulgarischen Musikerin – die ich am Ende noch einmal erwähnen möchte – keinen Student und keine Studentin von solch hohem pianistischen Niveau erlebt wie hier Sona Shaboyan. Sie weiß den verschiedenen Etüden-Typen vom ersten Anschlag an eine persönliche Farbe, den unverzichtbaren sprach-musikalischen Akzent zu verleihen (bei aller Würdigung der mechanischen Ansprüche!). Sona Shaboyan offeriert geschmeidige Technik für die zweite Etüde in a-Moll, keine überhetzten Zeitmaße in den für solche Übertreibungen verlockenden Nummern 4, 5 und 8. Und später in den Schluchten, Klüften, Verdunklungen und Seligpreisungen der b-Moll-Sonate beweist sie sicheres Gespür für die Wechselfälle zwischen Agitato, akkordischer Muskulösität, gesanglicher Erholung und gelenkiger, gleichwohl kontrollierter Passion, wie sie im Scherzo, aber auch in der Durchführung des Kopfsatzes verlangt und allzu selten bestätigt werden.

Es handelt sich hiermit um eine Einspielung, um eine interpretatorische Botschaft, die im riesigen – weiter unten nur angedeuteten – LP- und CD-Katalog einen guten Platz einnimmt – weit vor der katastrophalen Gawrilow-Verunglimpfung aus dem Kloster Maulbronn, mit sicherem Abstand vor manchen historischen Bewältigungsversuchen (Brailowsky, Perlemuter).

Nun noch zu meiner Ankündigung! Eine weitere Schülerin von Homero Francesch, die bulgarische Pianistin Belina Kostadinova, schickte mir kürzlich eine privat produzierte CD zu – ebenfalls mit den Etüden op. 10, dazu mit Werken von Bartók, Haydn und Liszt (Funérailles). Vor vielen Jahren versuchte sie in Zürich beim Concours Géza Anda über die erste Runde hinaus zu kommen. Es reichte nicht! Nun aber – das sei gestattet bei dieser Gelegenheit zu vermelden und ihren ehemaligen Lehrer Homero Francesch grüßend – hat sie diese Etüden nicht weniger in denkenden, flinken und lauschenden Fingern!

(Anfragen unter: belinafagan@yahoo.com oder belina@belinakostadinova.com)

Peter Cossé † [02.09.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frédéric Chopin
112 Grandes études op. 10 00:29:22
13Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 35 00:27:19

Interpreten der Einspielung

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