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CD-Besprechung

C. Debussy Piano Music Vol. 4

BIS 1655

1 CD • 82min • 2007

02.05.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wie oft ist man in den letzten Jahrzehnten in Diskussionen verwickelt gewesen, in denen Kollegen den japanischen Studenten und Interpreten jegliche Berechtigung absprachen, die Musik des so genannten Abendlandes auch nur annähernd treffend aufführen zu können. In vielen Fällen – zumal im beruflichen Fegefeuer der internationalen Wettbewerbe – konnte man diese Einstellung als begründet erfahren. Aber – und dies ist ein erfreuliches Aber – Noriko Ogawa beweist, dass sie eine gültige, gleichwohl eigenwillige Beziehung zur Musik der alten Welt herzustellen vermag. Denn diese Debussy-Aufnahmen sind nicht nur korrekt gelesen, sondern ein Beispiel dafür, wie man auf der Basis bester Technik und aufmerksamer Intelligenz das Ferne, das Andere in sich aufzunehmen vermag.

Noriko Ogawa versteht es, die Etüden und die rätselhaft codierten Épigraphes – und im „Anhang“ die kleinen posthumen Funde – in all ihrer Vieldeutigkeit zum Leben zu erwecken und mit ihrem wendigen, klugen Spiel über die kurze Spieldauer hinweg auch am Leben zu erhalten. Eine bewundernswerte Leistung, ein bemerkenswertes Beispiel japanischer Klavierkunst im Sinne von Einfühlung und pointiertem Bestehen auf Individualität. Die zwölf Etüden gelingen Noriko Ogawa mit leichten Händen, mit Gewichtungen und Ätzungen, wenn nötig flüchtig, ohne jede Oberflächlichkeit, gleitend, wirbelnd und im nächsten Moment beharrlich, so wie es die verschiedenen Stücke erfordern. Diese würdigende Art der Beschreibung mache ich bei dieser Gelegenheit auch geltend für Ogawas japanischen Kollegen Makoto Ueno, der mit dem Debussy-Etüden nicht weniger prägend in Erscheinung getreten ist. Er errang 2005 den zweiten Preis im Moskauer Sviatoslav Richter-Wettbewerb – und er ist für mich eine der wichtigsten Entdeckungen der letzten Jahrzehnte! Noriko Ogawa sei dies keine Konkurrenz, aber – wenn es um Japan geht – dann sollten auch die wichtigsten „Mitbewerber“ beim Namen genannt werden!

Vergleichsaufnahmen: Etüden: Pollini (DG), Okamoto (Salycus Nr. 8), Ueno (Octavia Records OVCX-00027), Armengaud (Arts 47840-2), Boguet (Tudor 731/4), Thibaudet (Decca 460 247-2), E.Haase (Tacet 100), Uchida (Great Pianists Philips 456 982-2). Boffard (Harmonia mundi HMN 911733), Krüger R. (ars musici AM 13482-2), Aimard (Warner Classics 8573 83940-2)

Peter Cossé † [02.05.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Debussy
1Douze Etudes L 136 (Zwölf Etüden) 00:49:51
13Étude retrouvée 00:05:13
14Intermède (Transkription für Klavier aus dem Klaviertrio Nr. 1) 00:04:05
15Six épigraphes antiques L 131 (1900/1914) 00:19:07
21Les soirs illuminés par l'ardeur du charbon L 150 (1917) 00:02:05

Interpreten der Einspielung

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