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CD-Besprechung

Songs by Great Conductors Lieder von Hans v. Bülow, Bruno Walter & Clemens Krauss

OehmsClassics OC 808

1 CD • 58min • 2004, 2007

28.03.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Viele bedeutende Komponisten haben ihre Laufbahn am Dirigentenpult begonnen, Paradebeispiel: Richard Wagner. Trotzdem hat das Wort Kapellmeistermusik einen negativen Beiklang. Gemeint ist damit allerdings etwas Spezielles: Musik, die sozusagen nicht Fisch, nicht Fleisch ist, die nur wiedergibt, was sich durch die Praxis der Interpretation erlernen läßt, also Abgelauschtes, Aufgefangenes und nichts Eigenes. Gustav Mahler – auch er ein berühmter Kapellmeister – war zu Lebzeiten und auch lang danach diesem Vorwurf ausgesetzt.

Drei Musiker, die als Kapellmeister zu Ruhm gelangt sind und die – das muß vorausgeschickt werden – keine Kapellmeistermusik, sondern durchaus ernst zu nehmende Werke geschrieben haben, werden hier mit Lied-Kompositionen vorgestellt: Hans von Bülow, Bruno Walter, Clemens Krauss. Wobei man mit Bülow vorsichtig umgehen muß, denn er war wohl Kapellmeister, Komponist, Klaviervirtuose, Lehrer, geistvoller Schriftsteller, überhaupt einer der größten, vielseitigsten Geister seiner Epoche und daher schwer auf einzelne Sparten festzulegen. Daß seine Leistung als schöpferischer Musiker etwas in den Hintergrund geraten ist, hängt mit dem übermächtigen Bild der musikhistorischen Gestalt Bülows zusammen. Wie auch in den anderen beiden Fällen handelt es sich bei seinen Liedkompositionen um Schöpfungen aus der Jugendzeit. Bülows Lieder nach Worten von Goethe, Heine, Loën u.a. weisen auf ein frisches, agiles Talent hin, das – in diesem Fall naheliegend – dem virtuos ausgeführten Klavierpart große Aufgaben zuweist.

Bruno Walter hat mit sinfonischen und kammermusikalischen Werken versucht, im zeitgenössischen Musikleben Fuß zu fassen, erkannte aber schließlich, daß seine Begabung auf dem Feld der Wiedergabe lag. Seine Lieder nach Gedichten von Eichendorff und Heine lassen eine vornehme, empfindsame Künstlernatur erkennen. Ein berührendes Beispiel ist die – auch von Mendelssohn Bartholdy vertonte – dreiteilige Tragödie (Heine).

In den Rilke-Liedern von Clemens Krauss (erschienen 1920) begegnet man einem Tonschöpfer, der sich ganz nahe am musikalischen Animo des Zeitalters befindet, denn die Ähnlichkeit mit Alban Bergs Frühen Liedern ist ganz offenkundig. Krauss, als ehemaliger Wiener Sängerknabe mit dem Singen auf beste Weise vertraut, hat in diesem achtteiligen Liederkreis der Gesangstimme viele schöne Möglichkeiten geschenkt.

Es wäre zu wünschen, daß einiges aus diesem Musikprogramm Eingang in die – ohnehin ziemlich uniforme – Konzertpraxis unsrer derzeitigen Liedersänger Aufnahme fände. Mit dem Pianisten Adrian Baianu wurde ein vortrefflicher, anteilhaft musizierender Begleiter auserwählt, der den äußerst anspruchsvollen Part souverän bewältigt. Michael Volle stellt sich neuerlich als exzellenter Liedersänger vor: seine Baritonstimme klingt markant, klar, ausdrucksvoll, auch ist bei ihm jedes Wort zu verstehen. Leider treffen diese Vorzüge auf seine Partnerin Petra Lang nicht zu. Die ehemalige Mezzosopranistin, die einen Wechsel ins Sopranfach vorgenommen hat, scheint ihren gesanglichen „Boden“ noch nicht gefunden zu haben, ihre Stimme klingt steif und eingezwängt. Außerdem ist die Aussprache durch die Verfärbung der Vokale und die Vernachlässigung der Konsonanten (das fehlende „r“ im dreimaligen „warum“, track 8) fast unverständlich. Der Beitrag der Sängerin wirft einen Schatten auf die sonst hervorragend gelungene, interessante Neuerscheinung.

Clemens Höslinger [28.03.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hans Bülow
1Fünf Lieder op. 5 00:11:31
6Drei Lieder op. 30 00:06:58
Bruno Walter
7Drei Lieder nach Joseph von Eichendorff 00:07:01
12Drei Lieder nach Heinrich Heine op. 12 00:08:08
Clemens Krauss
15Acht Gesänge nach Gedichten von Rainer Maria Rilke 00:24:30

Interpreten der Einspielung

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