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CD-Besprechung

Nonesuch 7559-79959-8

1 CD • 43min • 2007

22.04.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Eigentlich gibt es keine „amerikanische Musik“ – salopp gesagt, und, wie es vielleicht ein Hindu sagen würde, ein amerikanischer Musiker ist entweder ein wiedergeborener Europäer (vielleicht Leonard Bernstein), Afrikaner (vielleicht Miles Davies) oder Asiat (vielleicht John Cage oder eben etwa Terry Riley). Tatsache ist, dass amerikanische Musik immer im Einfluss dieser drei anderen Kontinente steht – und auch für den Wiedergeburt-Zweifler ist offensichtlich, dass Terry Riley zu den „Indern“ unter Amerikas Musikern zählt, ohne selbst einer zu sein (Columbus hatte vielleicht doch Recht!!). War schon der Minimalismus, zu dessen Erfindern Riley gehört, ohne das Grundprinzip indischer Musik (das Addieren von Pulseineinheiten) undenkbar, so hat sich Riley im Gegensatz zu den anderen Minimalisten selbst nach Indien begeben und die diffizileren Aspekte dieser Musik studiert. In dem Maße, in dem sich Riley im Bereich der Skalen, der Mikrotonalität und der Klanglichkeit auf eine eher indische Basis stellte, in dem Maße reduzierten sich allerdings die eher europäischen Anteil seiner Stilistik auf klassizistisch-neoklassizistische Spieltypen – was man vergleichsweise von Steve Reich oder Phil Glass nicht sagen kann. Auch das hier vorliegende Werk steht nicht immer nur vorteilhaft in diesem Spannungsfeld: der rituelle und spirituelle Geist der Musik, die oft sehr zeichenhafte Schlichtheit der Gesten und der architektonische Bogen überzeugen, auch wenn der magisch-rote Faden des Werkkonzepts nicht immer stringent erkennbar ist, wenn man nicht die „Gebrauchsanweisung“ detailliert liest. Wu Man, die berühmte Virtuosin der Pipa, der chinesischen Laute, gibt in Farbe und Drive der Musik teilweise erfrischend präzise, plastische und originelle Konturen, etwa im zweiten Satz Buddha’s Bedroom. Wenn sie hier zusammen mit den Kronos-Musikern ein polyrhythmisch aufgefächertes Filigran zaubert, so klingt das elegant und überzeugend, aber wenn das Kronos-Quartett selbst Ton und Gestus angibt, dann kommt es doch recht leicht zu einem etwas spielformelhaften Beigeschmack, etwa im vierten Satz Royal Wedding. Die stilistischen Aspekte der einzelnen Ebenen verbinden sich noch nicht wirklich, und es scheint, das rhythmische Plus, das der Minimalismus dem Klassizismus gegenüber zweifellos hat, gehe plötzlich verloren. Dennoch teilt sich die Wärme und die positive Ausstrahlung dieses Werkes mit, das sich Riley quasi selbst zu seinem 70.Geburtstag (24.6.2005) geschrieben hat und das trotz oder gerade wegen seiner massiven New Age-Aspekte für das oft intellektuell-verspannte Streichquartett-Bewusstsein des Europäers heilsam sein dürfte!

Hans-Christian v. Dadelsen [22.04.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Terry Riley
1The Cusp of Magic 00:42:48

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