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CD-Besprechung

Clavier 2

1 CD • 64min • 2007

17.03.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Auf einem Hammerflügel der „Firma“ Nanette Streicher und Sohn aus dem Jahr 1829 spielt, genauer: widmet sich der Pianist Gerrit Zitterbart der letzten Schubert-Sonate (D 960) und einer Auswahl aus dem reichen tänzerischen Repertoire des Komponisten. Es handelt sich um ein sehr eigenwillig klingendes, die Schweizer würden sagen: „tönendes“ Instrument mit liebenswerten, aber auch scheckigen Farben – ganz im Gegensatz zu den vertrauten, sozusagen gelifteten Klangfarben moderner (in Wahrheit auch schon altertümlicher) Konzertflügel à la Steinway, Bösendorfer, Bechstein oder Blüthner. Dieses Klangaroma rückt besonders die Schubertschen Gebrauchstänze, jene gewissermaßen aus dem Ärmel gebeutelten Walzer, „Deutsche“, Ecossaisen und nicht zuletzt die zwei beschwingt, ätzenden, hinter- und untergründigen zwei Scherzi in ein Klima historischer Wahrhaftigkeit. Damit ziele ich nicht auf aufführungspraktische Rechtmäßigkeit, denn diese werden wir Nach- und Spätgeborenen nie und nimmer rekonstruieren können. Aber Zitterbart gelingt es in diesen Vorführungen, die Welt des Privaten, dieses Klima der musikantischen Geborgenheit, der Intimität im Schutz des Freundeskreises nahe zu bringen. Seit Paolo Bordonis schlanken, dezent gefühlvollen EMI-Einspielungen der Tänze, seit Michael Endres’ gekonnter, wissender, im Lebhaften wie im Melancholischen verantwortungsvoll bebender Capriccio-Gesamtaufnahme ist mir diese gelegentlich sogar bitterzart anmutende Zitterbart-Bemühung eine der wichtigsten im Umfeld dieser kostbaren Miniaturen.

Was die B-Dur-Sonate anbelangt, so mag ich dem Interpreten gerne zustimmen im Verlangen nach ausgleichenden Zeitmaßen und Detailverfügungen ohne jedes Anzeichen von nachschöpferischer Extravaganz – ich denke hier an ebenso wegweisende wie irritierende Aufnahmen von Valery Afanassiev (ECM, Denon) oder Sviatoslav Richter (Melodia/Eurodic, bzw. BMG). Mithin: eine reichlich erfreuliche Schubert-Stunde, die auch Zweifler an konservativer Hammerflügel-Behandlung aus der Reserve locken sollte.

Vergleichsaufnahmen: Endres (Capriccio 49242); D 593: Bordoni (Divox CDX 25251-2), D.Blumenthal (CYP 1621), Leonskaja (MDG 343 1194-2); D 820 und D 844: Zacharias (MDG 940 1440-6); D 820: Imamine (Divox CDX-25211-2)

Peter Cossé † [17.03.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Klaviersonate B-Dur op. posth. D 960 00:39:37
5Scherzo B-Dur D 593/1 00:04:50
6Scherzo Des-Dur D 593/2 00:05:26
7Ecossaise D-Dur D 816/1 00:00:28
8Ecossaise D-Dur D 816/2 00:00:28
9Ecossaise B-Dur D 816/3 00:00:33
106 Deutsche Tänze D 820 00:07:00
11Deutsche Tänze F-Dur D 841/1 00:00:59
12Deutsche Tänze G-Dur D 841/2 00:00:46
13Walzer G-Dur D 844 00:00:55
14Walzer Nr. 15 B-Dur D 146/15 00:00:49
15Walzer Nr. 17 B-Dur D 146/17 00:00:51
16Walzer Nr. 18 B-Dur D 146/18 00:00:57

Interpreten der Einspielung

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