
Carus 83.427
1 CD • 57min • 2007
21.02.2008
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Man muss diese Rosengart-Entdeckungen als „world premiere recording“ uneingeschränkt als positiv (und kurios) einstufen, ohne ihre Schwächen zu verschweigen. Was der außerhalb Schwabens völlig in Vergessenheit geratene Zeitgenosse Mozarts, Pater Æmilian Rosengart aus Ochsenhausen (1757-1810), unter den klösterlichen Komponisten an Stil und Klang zu bieten hat, ist unverfälschte Rokokomusik. Kurios ist die hier geradezu radikale Übertragung dieser profanen Stilrichtung auf die liturgische Funktion der Stundengebete. Künstlerische Vorbilder scheinen Singspiel-artige Schäferidylle wie Le Devin du Village von Rousseau oder Mozarts Bastien und Bastienne gewesen zu sein. Für die heutigen Geschmäcker klingt alles merkwürdig ungeistlich, unterhaltsam tändelnd, in vielen Passagen tänzerisch heiter und freundlich, dennoch absolut passend zu der malerisch ausgestalteten Kirchenarchitektur mit wertvoller Gabler-Barockorgel in der auch als Aufnahmeraum dienenden Ochsenhauser Klosterkirche St. Georg.
Nicht zuletzt charakterisiert sich der Schöpfer dieser geistlichen Chorwerke als ein ausgesprochen fröhlicher Seelenhirte und Glaubensverkünder in einer von mühsamer Alltagsarbeit und Armut beschwerten ländlichen Umgebung am Vorabend der französischen Revolution. Klingende Lichtblicke voller paradiesischer Hoffnungsfreude bieten da anhand altehrwürdiger Textvorlagen u.a. die Vertonungen des Pfingsthymnus Veni Sancte Spiritus, ein ungewohnt jubelndes Ave Maria, Cantate Domino oder Te Deum, wie man sie unter Musikhistorikern kaum je wahrgenommen hat. Selbst Fachlexika kennen keinen Pater Rosengart.
Zu den letztlich simplen, jedoch mit reichen Koloraturen und Figurenwerk ausgeschmückten, rokoko-beflügelten Licht- und Leichtwerke passt kaum der moderne wissenschaftliche Ernst, diese Stücke mit allen Erkenntnissen der barock-historischen Aufführungspraxis zu befrachten. Nichts gegen das hohe Leistungsniveau und das Können der Interpreten mit ihrem steif wirkenden Non-Vibrato-Spiel, mit ihren häufig von virtuoser Hektik angetriebenen Tempovorgaben trotz sorgfältig einstudierter, präziser, textlich aber kaum nachvollziehbarer Vokaltechnik. Auch die beschwingte Fröhlichkeit der im lichten Kirchenraum als Deckenfresken und auf dem Orgelprospekt herumschwärmenden Amouretten animieren die jungen Aktivisten für alte Musik offensichtlich nur wenig zu einem „Ochsenhauser Klang“.
Dr. Gerhard Pätzig [21.02.2008]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Aemilian Rosengart | ||
1 | Veni Sancte Spiritus | 00:02:08 |
2 | Tristes erant apostoli | 00:02:44 |
3 | Magnificat V | 00:03:27 |
4 | Veni Creator Spiritus | 00:03:24 |
5 | Ave Maria | 00:02:07 |
6 | Hostis Herodes | 00:01:41 |
7 | Rorate coeli | 00:03:25 |
8 | Iste confessor Domini | 00:03:33 |
9 | Christe, redemptor omnium | 00:03:22 |
10 | Cantate Domino | 00:03:08 |
11 | Tenebrae factae sunt | 00:04:07 |
12 | Lauda Sion | 00:05:31 |
13 | Qua vocat me | 00:05:56 |
14 | Ave maris stella | 00:02:57 |
15 | Te Deum laudamus | 00:07:32 |
Interpreten der Einspielung
- Orpheus Vokalensemble (Chor)
- Ars Antiqua Austria (Ensemble)
- Jürgen Essl (Orgel, Leitung)