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CD-Besprechung

F. Mittler

cpo 1 CD 777 329-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 06.03.08

cpo 777 329-2

1 CD • 56min • 2007

Einen gefährlich-hypnotischen Strom wohlgesetzter Worte ergießt der Begleittext dieser CD über den Leser und Hörer, unverkennbar darauf berechnet, von der multiplen Größe des Korngold-Zeitgenossen Franz Mittler (1893-1970) überzeugen zu wollen. Ein Großer sei er gewesen wegen seiner Schüttelreime, ein Großer auch wegen der Menge der Werke und der chamäleonartigen Fähigkeit, im amerikanischen Exil, wohin es ihn 1938 zwangsläufig verschlagen hatte, sich – ähnlich wie Kurt Weill – in unterschiedlichsten Genres und Idiomen umzutun. Ein Großer schließlich auch, weil er für (den in der Tat unerreichten) Groucho Marx eine Einfinger-Polka geschrieben habe.

Es ist dies eine inzwischen beliebte, allerdings auch durchschaubare Methode, musikalische „Talentmikroben“ (Felix Weingartner über Siegfried Wagner) zu Paradiesvögeln aufzurüsten und so lange auf uns einzureden, bis wir’s einfach glauben und das Geschäft gemacht ist. Allein, es bleibt ja die Möglichkeit, sich die Musik anzuhören, und was diese dann zeigt, bringt uns schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. So auch hier. Das Streichquartett Nr. 1 F-Dur, das Franz Mittler mit sechzehn Jahren komponierte, ist unbestritten eine hübsche, um nicht zu sagen sehr hübsche Talentprobe, die sich stark an den damaligen Meistern des Faches orientiert und ein beachtliches Nachahmungsvermögen erkennen läßt. Demgegenüber läuft das dritte Streichquartett mit dem Untertitel Aus der Wanderzeit (1915-1918) dann allerdings – je länger je lieber – aus dem eloquenten Ruder. Die musikalischen Eindrücke aus Wolhynien, Serbien und der Steiermark mögen noch angehen, doch die Reise durch Ungarn nimmt und nimmt kein Ende – fast so, als habe der Verfasser vorhergesehen, daß man Musik eines Tages nach Sendedauer honorieren wird ...

Die Ausführenden müssen sich den sehr zwiespältigen Gesamteindruck gewiß nicht ankreiden lassen. Sie spielen beide Werke mit Verve und Vergnügen und können dort, wo es möglich ist, in jedem Falle begeistern. Ärgerlich und der Sache im höchsten Maße undienlich sind ganz einfach die flankierenden Übertreibungen: „Wenn sie auch die Absicht hat, den Freunden wohlzutun, so fühlt man Absicht und man ist verstimmt,” sollte, wer noch seinen Tasso im Schrank hat, der Verfasserin vielleicht ins Stammbuch schreiben. Nach dem Eindruck der beiden hier vorliegenden Stücke bleibt – jedenfalls vorläufig – nur das Fazit: daß dieser Musiker wohl doch kein Großer war, sondern eben ein Mittler(er).

Rasmus van Rijn [06.03.2008]

Bechsteinkonzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Mittler Streichquartett Nr. 1 F-Dur 00:22:56
5 Streichquartett Nr. 3 d-Moll (Aus der Wanderzeit) 00:37:38

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Hugo Wolf Quartett Ensemble
 
777 329-2;0761203732920

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