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CD-Besprechung

The Wonders of the World A 17th Century English Masque

Werke von Morley, Dowland, Playford, Brade, Locke

I. Prologue - II. What Women Want - III. Entry Dance - IV. At the Market: Nutmegs and Ginger - V. Main Dance - VI. Virginity or Leading Apes in Hell? - VII Revels - VIII Live and Let Die - IX Final Dance - X Banquet - XI Epilogue

The Wonders of the World<br />A 17th Century English Masque

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 31.03.08

Accent ACC 24185

1 CD • 68min • 2006

Die Masque erlebte ihre Blüte im England des 16. und 17. Jahrhunderts als höfische Unterhaltung; die Wurzeln dieser aufwändig inszenierten Theaterspektakel liegen in prachtvollen Festumzügen und höfischen Schaustellungen, wie sie beispielsweise im spätmittelalterlichen Burgund gefeiert wurden, im französischen ballet de cour. Auch Maskenbälle und das Volkstheater (das Spiel der Handwerker von Pyramus und Thisbe in Shakespears Sommernachtstraum kann hier als zeitgenössisches Beispiel dienen) sind Inspirationsquellen für diese spezifisch englische Form des Musiktheaters. Jenseits der höfischen Szene entstanden seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts so genannte Antimasques, die durch Berufsschauspieler öffentlich aufgeführt und in denen die Darstellungsmittel der höfischen Masques parodistisch-grotesk, oft auch öbszön, auf die Spitze getrieben wurden.

Als das puritanische Cromwell-Regime 1642 alle Theater schloss, wurden Masques zwar nicht ausdrücklich verboten, doch fehlte jetzt ihr Aufführungsort. Nach dem Ende der Schreckensherrschaft der religiösen Fanatiker kehrten die Masques zwar mit dem Wiederbeginn des Theaterlebens auf die Bühne zurück, doch mussten sie mehr und mehr der Oper weichen, die vom europäischen Kontinent her die britische Insel eroberte. Im Opernschaffen englischer Komponisten haben die Masques jedoch deutliche Spuren hinterlassen.

Die musikalische Gestalt dieser barocken „Bühnenshows“ war vielfältig und vereinte oft Stücke, die bereits in anderen Zusammenhängen zu Hits geworden waren. Das half beim unmittelbaren Publikumserfolg, doch war die Masque dadurch konzeptionell der Konkurrentin Oper unterlegen, die ihre intellektuellen Wurzeln in der Rückbesinnung der Renaissance auf die antiken Formen des Theaters hatte.

Eine vollständige Partitur einer Masque ist nicht überliefert, und so hat das Ensemble Echo du Danube aus verschiedenen Liedern und Tänzen eine eigene Masque mit dem Titel The Wonders of the World zusammengestellt: „Die einzelnen Lied- und Tanzblöcke entwerfen kleine Szenen, die von Liebe, Leben und Tod erzählen, den eigentlichen Wundern der Welt“, schreibt Ensemblemitglied Johanna Seitz in ihrem Begleittext. Vom Hexentanz, mit dem das Spektakel à la Antimasque beginnt bis hin zum stimmungsvollen instrumentalen Abschluss mit Harfe, Salterio und Streichern öffnet sich eine Weltbühne, über die in Liedern, Tänzen und gesprochenen Texten (zum Teil von Shakespeare) das weite Spektrum menschlicher Emotionen von Rausch und Liebe bis zu Leid und Trauer Revue passiert. So bietet diese Wiederbelebung einer einst bei König und Untertan gleich populären Form der Unterhaltung – gerade so wie ihre Vorbilder vor 500 Jahren – über den bloßen Zeitvertreib hinaus gleichzeitig Gelegenheit zur Besinnung, ohne sich als moralische Lehranstalt zu gerieren. Führt man sich dieses Programm zu Gemüte, ist das wahrhaft keine schlecht angewandte Stunde, sondern ein klingendes Antidepressivum.

Detmar Huchting [31.03.2008]

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Miriam Allan Sopran
Echo du Danube Ensemble
 
ACC 24185;4015023241855

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