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CD-Besprechung

The Sibelius Edition
Chamber Music I

The Sibelius Edition<br />Chamber Music I

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 28.09.07

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BIS 1903/05

6 CD • 7h 18min • 2002-2005

Zum 50.Todestag von Jean Sibelius startet das schwedische Label BIS die auf 13 Alben angelegte erste CD-Gesamtausgabe aller Werke des finnischen Komponisten. Die insgesamt etwa 65 CDs umfassende Edition, die sowohl Neuaufnahmen als auch bereits früher veröffentlichte Einspielungen enthält, soll bis zum Frühjahr 2010 abgeschlossen sein. Jede Box ist großzügig mit Begleitmaterial in Form von Fotos, Werkanalysen und biographischem Text aus der Feder des Sibelius-Kenners Andrew Barnett ausgestattet.

Volume 2 der Edition, die erste Folge der Kammermusik, enthält auf sechs CDs sämtliche Kompositionen für Streichquartett, Klaviertrio und Klavierquartett – jeweils in chronologischer Reihenfolge. Sie gestattet einen faszinierenden Einblick in die Entwicklung des jungen Komponisten, denn die hier versammelten Werke entstanden bis auf zwei Ausnahmen in Sibelius’ Studienzeit, bevor er sich in den 1890er Jahren weitgehend von der Kammermusik ab- und dem orchestralen Schaffen zuwandte. Gleichwohl finden wir hier schon eine Reihe von bedeutenden, großformatigen Werken, die ebenso durch frische Melodik wie durch formale Experimentierfreude aufhorchen lassen und bei aller Orientierung an großen Vorbildern bereits die Eigenständigkeit des jungen Sibelius belegen.

Da sind in erster Linie die drei großen Klaviertrios aus den Jahren 1886-88 zu nennen, komponiert jeweils in den Sommermonaten und nach den Orten ihrer Entstehung – Hafträsk, Korpo und Lovisa – benannt. Das erste ist ein kraftvolles Werk in klassischer Viersätzigkeit von fast Beethovenschem Zugriff. Das zweite bringt im Kopfsatz statt der Durchführung ein Fugato und verbindet im „Fantasia“ überschriebenen Mittelsatz in interessanter Weise einen rhapsodischen langsamen Satz mit einem Scherzo nebst Trio, um schließlich in eine ausgedehnte improvisatorische Überleitung zum Schlussrondo zu münden. Das knappe C-Dur-Trio, dessen eindringlicher langsamer Satz von zwei temperamentvolle Allegros umrahmt wird, gehört zu Sibelius’ bekanntesten Kammermusikwerken. Außerdem gibt es das Trio „in G-Dur“ für zwei Violinen und Klavier von 1883, das zu seinen frühesten erhaltenen Kompositionen zählt, sowie ein Trio in a-Moll aus dem Folgejahr, dem allerdings der Schlusssatz fehlt – Sibelius verarbeitete das Material wenige Monate später im Finale seines Klavierquartetts, einem ambitionierten Werk, das mit einem weit ausschwingenden Adagio aufwartet und Anklänge an Schubert und Mendelssohn aufweist.

Ebenfalls für eine Quartettbesetzung – allerdings bestehend aus Violine, Violoncello und Klavier vierhändig(!) – schrieb Sibelius 1885 eine „Oper“, von der weder das Libretto noch eine Singstimme erhalten ist. So wird Ljunga Wirginia (auch der Titel ist rätselhaft) hier als reine Instrumentalmusik präsentiert. Aus dem gleichen Jahr stammt das erste vollständige Streichquartett von Sibelius, in dem der neunzehnjährige Komponist unverkennbar auf den Spuren Haydns wandelt. Dagegen weist das a-Moll-Quartett von 1889, Sibelius’ Abschlussarbeit am Musikinstitut Helsinki, schon deutlich auf die Werke der Reifezeit hin. Im Vollbesitz seiner kompositorischen Souveränität zeigt sich Sibelius im 1889/90 entstandenen B-Dur-Quartett, dessen virtuoses Presto-Scherzo auch in einer Fassung für Streichorchester existiert.

Eine Klasse für sich bildet das Quartett op.56 Voces intimae von 1909, neben dem in der Fassung für Streichorchester bekannt gewordenen Andante festivo aus dem Jahr 1922 das einzige Werk für Streichquartett des reifen Sibelius. Die fünfsätzige Komposition entstand in der Nachbarschaft zur vierten Sinfonie und verbindet ein breites emotionales Spektrum mit einer meisterhaft durchorganisierten Anlage. Die Einspielung bietet zusätzlich zur endgültigen Fassung auch den ursprünglichen Schluss des Finalsatzes.

Neben den großangelegten Werken enthält die Box eine Reihe von Einzelsätzen von nicht minderer Qualität sowie unter dem Titel „Souvenirs“ etliche kurze Gelegenheitswerke – manches davon nur fragmentarisch überliefert und von Kalevi Aho oder dem Geiger Jaakko Kuusisto vervollständigt. Und schließlich ist da noch – dem Anspruch der Edition auf absolute Vollständigkeit gehorchend – eine Anzahl von Studienübungen, Entwürfen und thematischen Skizzen, oft aus nur wenigen Takten bestehend und nicht einmal eine halbe Minute lang. Es entbehrt nicht der Ironie, dass ausgerechnet von dem selbstkritischen Sibelius, der um 1945 den größten Teil seiner Produktion der letzten zwanzig Jahre (darunter vermutlich eine komplette achte Sinfonie) verbrannte, weil er sie der Veröffentlichung nicht für würdig befand, nun alle irgendwie verfügbaren Schnipsel aus Jugendtagen auf CD verewigt werden – eine späte Revanche der Öffentlichkeit gegenüber dem „Schweigen von Järvenpää“. Zwar bedauert man, dass Sibelius diese in der Mehrzahl sehr ansprechenden Skizzen nicht weiter ausgearbeitet oder in einen Zusammenhang gestellt hat, doch wirkt das Abhören von über dreißig solcher Schnipsel hintereinander weg etwas enervierend.

Dass die Ausführenden, allen voran das Trio Kuusisto-Ylönen-Gräsbeck und das Tempera Quartett, die Jugend- und Gelegenheitswerke mit dem gleichen Ernst und der gleichen Sorgfalt behandeln wie die reifen Meisterwerke, trägt wesentlich zum außerordentlichen Rang dieser Veröffentlichung bei. Das Lob, das den Aufnahmen bei ihrem ersten Erscheinen überwiegend gezollt wurde, gilt noch heute unvermindert. Der Klang des Flügels in den Trios dürfte allerdings Geschmackssache sein. Dass die Werktitel auf den einzelnen CDs nicht angegeben sind und dadurch immer wieder lästiges Nachschlagen im Booklet erforderlich wird, ist ein (leider immer häufiger anzutreffender) Schönheitsfehler einer sonst sehr ansprechenden Produktion. So stellt diese Box einen gelungenen Start dar für ein großartiges, spannendes Unternehmen, das sicher noch einige Entdeckungen bereit hält und erstmals eine umfassende Schau auf das Werk des großen Finnen ermöglichen wird.

Sixtus König † [28.09.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Sibelius Molto moderato - Scherzo JS 134 00:04:15
2 Scherzo h-Moll (vervollständigt von Kalevi Aho) 00:00:43
3 Streichquartett Es-Dur JS 184 00:17:41
4 (Four Themes) 00:01:52
11 Drei kurze Stücke 00:03:23
14 Allegretto D-Dur JS 20 00:02:12
15 Andantino C-Dur JS 39 00:03:06
16 Theme and Variations cis-Moll JS 195 00:06:20
17 33 small pieces 00:18:08
50 (Allegro) g-Moll 00:00:32
51 Andante - Allegro molto D-Dur JS 32 00:06:17
52 Andante molto sostenuto h-Moll JS 37 00:07:40
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Moderato – Allegro appassionato cis-Moll JS 131 00:10:53
2 DreiStücke 00:16:35
5 Allegretto B-Dur 00:01:00
6 Fuga för Martin Wegelius JS 85 00:05:28
7 Streichquartett a-Moll JS 183 00:34:20
CD 3
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Adagio d-Moll JS 12 00:12:15
2 Streichquartett B-Dur op. 4 00:29:42
6 Streichquartett d-Moll op. 56 für 2 Violinen, Viola und Violoncello (Voces Intimae) 00:29:48
12 Andante festivo JS 34a 00:05:11
CD 4
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Klaviertrio G-Dur JS 205 00:10:05
4 Menuetto d-Moll 00:01:07
5 Menuetto JS 126 00:02:07
6 (Andante) - Adagio - Allegro maestoso 00:03:53
7 Klaviertrio a-Moll JS 206 00:20:59
10 (Moderato) a-Moll 00:03:09
11 (Allegro) C-Dur 00:01:40
12 Allegro D-Dur JS 27 00:03:16
13 (Andantino) A-Dur 00:02:18
14 Klaviertrio a-Moll JS 207 (Hafträsk) 00:21:59
CD 5
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Klaviertrio D-Dur JS 209 (Korpo) 00:35:51
4 Andantino g-Moll JS 43 00:01:40
5 Allegretto As-Dur 00:00:46
6 Klaviertrio C-Dur JS 208 (Lovisa) 00:15:47
9 Allegro d-Moll (vervollständigt von Kalevi Aho) 00:06:09
10 Allegretto Es-Dur (vervollständigt von Jaakko Kuusisto) 00:01:39
11 La pompeuse Marche d'Asis JS 116 00:03:21
CD 6
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Klavierquartet d-Moll JS 157 00:32:45
5 Ljunga Wirginia 00:15:49
11 Scherzo e-Moll JS 165 (vervollständigt von Kalevi Aho) 00:04:40
12 Andante cantabile Es-Dur JS 30b 00:04:12
13 Quartett g-Moll JS 158 für Violine, Violoncello, Klavier und Harmonium 00:08:47
14 Quartett c-Moll JS 156 für 2 Violinen, Violoncello und Klavier 00:08:23

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Tempera Quartet Ensemble
Jaakko Kuusisto Violine
Satu Vänskä Violine
Marko Ylönen Violoncello
Folke Gräsbeck Klavier
Taneli Turunen Violoncello
Peter Lönnquist Klavier
Harri Viitanen Harmonium
 
1903/05;7318591903055

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