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CD-Besprechung

Roger Norrington

Mahler

Roger Norrington

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 3

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Besprechung: 28.08.07

SWRmusic 93.166

1 CD/SACD • 78min • 2006

Roger Norringtons neuerlicher Versuch einer Annäherung an Gustav Mahler ist eine Summe von Missverständnissen. Sie bietet ein trauriges Beispiel dafür, wie das Kleben am Buchstaben die Erfassung des Sinngehalts hindern und die Fixierung auf Details den Blick auf das Ganze verstellen kann. Der englische Originalklang-Apostel beschränkt sich darauf, das umzusetzen, was er liest – ohne es in einen zwingenden Zusammenhang zu stellen. Nirgends wird Norringtons mangelnder Sinn für Kontinuität so gnadenlos deutlich wie hier: Mahlers Vortragsbezeichnungen werden als Einzelereignisse realisiert, ohne Vorbereitung und ohne Nachwirkung. Da ist „Pesante“ gleich Anlass zu einer Vollbremsung, „etwas vorwärts“ Freibrief für eine wilde Hetzjagd. Auch das von Iris Vermillion ausnehmend schön gesungene Urlicht zerfällt aufgrund übertriebener Tempokontraste. Selbst wo Mahler „unmerklich“ vorschreibt (und das ist nicht selten), spürt man die grobe Hand des Machers, der einen anderen Gang einlegt. Ähnliches gilt für Artikulation und Akzentuierung, die schematisch ausgeführt werden, ohne nach ihrem Stellenwert in Bezug auf den jeweiligen Grundcharakter zu fragen. Klanglich herrscht ein eklatantes Missverhältnis zwischen Blechbläsern und Streichern. Bei allem vordergründigen Lärm besitzt der von Norrington gepflegte trockene, vibratolose Klang nicht die Substanz und Tragfähigkeit, die für Mahlers Musik unerlässlich ist, so dass sich trotz flotter Tempi mitunter das Gefühl einer durch Ausdrucksarmut bedingten Langeweile einstellt.

Mitunter drängt sich der Gedanke auf, dass Mahler bereits an Dirigenten vom Schlag eines Norrington dachte, wenn er in seiner Partitur immer wieder „nicht eilen“ vermerkte – was der hektische Engländer natürlich geflissentlich ignoriert. Das Andante moderato hat bei ihm durchaus Allegretto-Charakter und entbehrt der durch die Bezeichnung „sehr gemächlich“ geforderten Behaglichkeit, die den Ausgangspunkt für das doppelbödige Spiel bildet. Kein an einer sinnvollen Darstellung interessierter Sänger wird die Fischpredigt des Heiligen Antonius in dem Tempo singen können, das Norrington bei den auf diesem Lied basierenden dritten Satz („In ruhig fließender Bewegung“) vorlegt.

Auch die erfreulichen Leistungen der Sopranistin Sibylla Rubens und des MDR-Chores sowie einige schöne Holzbläser-Soli vermögen das grundlegende Defizit nicht auszugleichen: Von Mahlers metaphysischer Vision aus Totenfeier, Apokalypse und Auferstehungs-Apotheose bleibt in dieser nüchtern-technokratischen Stuttgarter Live-Aufführung nichts übrig. Statt einer umfassenden Perspektive vermittelt sie den Eindruck von kurzsichtigem Flickwerk. Im Booklet streift Norringtons Selbstbeweihräucherung die Grenze zur Peinlichkeit. Für den Verlag sollte sich die Frage nach der Notwendigkeit stellen, die Reihe bis zum bitteren Ende fortzusetzen. An ernstzunehmenden Mahler-Einspielungen herrscht bekanntlich kein Mangel – und die Mahler-Dirigenten von Bruno Walter bis Claudio Abbado waren keineswegs allesamt solche Ignoranten und Stümper, wie Norrington glauben machen will…

Sixtus König † [28.08.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Mahler Sinfonie Nr. 2 c-Moll (Auferstehungssinfonie) 01:18:18

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sibylla Rubens Sopran
Iris Vermillion Mezzosopran
MDR Rundfunkchor Chor
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR Orchester
Sir Roger Norrington Dirigent
 
93.166;4010276019824

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