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CD-Besprechung

Georg Philipp Telemann: Der Tod Jesu TWV 5:6 (Passionskantate)

Etcetera 1 CD KTC 1289

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 13.06.07

Etcetera KTC 1289

1 CD • 70min • 1995

Als Georg Philipp Telemann 1740 – fast sechzigjährig – die Druckplatten seiner Werke zum Verkauf anbot, hätte man meinen können, der Hamburger Meister würde fortan nun seinen verdienten Lebensabend genießen und sich seiner Passion, der „Bluhmen-Liebe“ widmen. Wer konnte ahnen, dass fünfzehn Jahre später das großartige Spätwerk des greisen Komponisten einsetzen sollte. Viele seiner bedeutendsten Schöpfungen sind in diesen letzten zwölf Jahren seines (für die damalige Zeit ungewöhnlich langen) Lebens entstanden. Und Telemann beharrte nicht auf Überkommenem, nein, er blieb am Puls der Zeit – auch mit der Wahl seiner Librettisten.

1754 vollendete der noch nicht dreißigjährige Berliner Philosoph und Dichter Karl Wilhelm Ramler seine „Geistliche Cantate“ Der Tod Jesu. Bis heute ist dieses Werk vor allem in der Vertonung Carl Heinrich Grauns bekannt. Telemann und Graun standen zu dieser Zeit in regem, freundschaftlichen Briefwechsel (vor allem über musikästhetische Fragen), und so ist anzunehmen, dass Telemann den Text durch Graun selbst oder zumindest durch dessen Vermittlung erhalten hatte. Beide Komponisten müssen zur gleichen Zeit an der Vertonung gearbeitet haben, Telemanns Werk wurde jedoch zuerst aufgeführt. Auch später noch hat Telemann mit dem jungen Dichter zusammengearbeitet: Ramler lieferte die Vorlagen zu so bedeutenden Werken wie Die Hirten an der Krippe zu Bethlehem, Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, und – allen voran – zur Kantate Ino des 84-jährigen, die schon ganz den Geist einer neuen Epoche atmet.

Die 1755 entstandene Passionskantate Der Tod Jesu steht also zu Beginn dieses überraschenden letzten Schaffensschubes, der noch eine ganze Dekade währen sollte. Das Werk zeichnet sich durch dankbare Arien voll motivischer und instrumentatorischer Überraschungen, evokative Accompagnati und – für Telemann ungewöhnlich sorgfältig gearbeitete – Chorsätze aus: Ergreifend etwa „Unsre Seele ist gebeuget“ mit kühnen harmonischen Fortschreitungen und Chromatizismen, strahlend bildhaft die Tenor-Arie „So stehet ein Berg Gottes“ mit obligatem Solohorn oder das fast schon an Haydn gemahnende Accompagnato „Es steigen Seraphin“, ein musikalisches Juwel!

Florian Heyerick ist mit seinem Ensemble – mit kleinen Einschränkungen – eine maßstabsetzende Aufnahme gelungen. Schon der Beginn lässt Außergewöhnliches ahnen: Selten habe ich einen Choral so konsequent „sprechend“ gesungen und musiziert gehört! Überhaupt überzeugt das Vocal Ensemble Ex Tempore durch seine vorbildliche Diktion und Ausdruckskraft. Schade, dass der Eindruck etwas unter der Aufnahmetechnik leidet, die das Vokalensemble nicht präsent genug eingefangen hat.

Leider bewegt sich die Riege der Solisten nicht auf dem gleichen hohen Niveau. Es mag kleinkariert anmuten, aber bereits ein deutlich vernehmbarer (niederländischer) Akzent (von Sopran und Tenor) wirkt störend. Greetje Anthonis Sopran mangelt es darüber hinaus an Strahlkraft, ihre Stimme klingt allzu eng, gedeckt und ohne Fülle. Gestalterisch bleiben ihre Rezitative oft an der Oberfläche und nutzen keineswegs das poetische Potential der Vorlage (etwa in Nr. 18, Erzählton versus direkte Rede). Yves Saelens wirkt zuweilen unsicher in der Intonation und seine tenorale Höhe klingt angestrengt. Am ehesten noch überzeugt Stefan Geyer: Zwar fehlt ihm das gewisse Quentchen an heldenhafter Virtuosität (gerade, wenn der Text von Donner und Held kündet), dafür scheinen die lyrischeren Passagen (Aria: „Ihr weich geschaffnen Seelen“) für sein baritonales Timbre wie geschaffen.

Trotz dieser kleinen Einschränkungen möchte ich die Aufnahme wärmstens empfehlen, denn sie bemüht sich leidenschaftlich und mit musikalischer Intelligenz um Telemanns zu Unrecht vernachlässigtes Opus, zu dem und über dessen Autor man nur sagen kann: Was für eine Musik! Was für ein wacher Geist!

Heinz Braun [13.06.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.Ph. Telemann Der Tod Jesu TWV 5:6 (Passionskantate) 01:09:46

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Greetje Anthoni Sopran
Yves Saelens Tenor
Stefan Geyer Bariton
Vocal Ensemble Ex Tempore Chor
Baroque Orchestra Le Mercure Galant Orchester
Florian Heyerick Dirigent
 
KTC 1289;8711801101064

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