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CD-Besprechung

HK Gruber

Chandos 1 CD CHAN 10404

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 15.05.07

Chandos CHAN 10404

1 CD • 71min • 2005, 2006

Der 1943 in Wien geborene Komponist, Dirigent, Kontrabassist und Chansonier HK Gruber ist die wohl schillerndste Gestalt der zeitgenössischen österreichischen Musikszene. Oftmals als „neo-romantisch“, „neo-expressionistisch“ oder „neo-wienerisch“ bezeichnet, gibt sich sein Kompositionsstil doch eher erfrischend vorbildlos, undogmatisch und ironisch gebrochen. Es ist eine Musik, die in ihrer Unvorhersehbarkeit säuselt, faucht, keucht und stöhnt und in Grubers populärstem Werk Frankenstein!! dem Hörer ein wahrhaft höllisches Vergnügen bereitet. Die Ursprünge dieses musikalischen Gruselkabinetts liegen in der Frankenstein-Suite von 1971. Erstmals auf CD liegt nun die aus dem Jahr 1977 stammende Umarbeitung zum großen Orchesterwerk in der englischsprachigen Fassung vor (das CD-Booklet verweist auf die chandos-Website, die die deutsche Originalversion mit den gleichen Interpreten zum Download anbietet). 1978 erlebte Frankenstein!! seine Uraufführung mit dem Liverpool Philharmonic Orchestra unter Simon Rattle, auf dessen Anregung HK Gruber sein Konzertstück für großes Orchester Dancing in the Dark schuf – als Weltersteinspielung ebenfalls auf dieser CD vertreten.

Frankenstein!! basiert auf Gedichten aus H.C. Artmanns Gedichtband „allerleirausch, neue schöne kinderreime“. Hinter den auf den ersten Blick harmlosen Texten des Wiener Dichters verbergen sich laut Artmann „verschlüsselte politische Statements“, die schwarzhumorige Darstellung von Monstern des öffentlichen Lebens, die nie ihr wahres Gesicht zeigen. Vampire, Fräulein Frankenstein, kleine Monster oder Batman und Robin treiben dabei ihr Unwesen in einem durch zahlreiche Spielzeuginstrumente verfremdeten Orchesterklang. Auch die eingestreuten populären musikalischen Idiome wie etwa ein wiegender Tango oder eine kleine Zigeunerweise rauben einem schon hin und wieder den Atem, so lustvoll, durchsichtig und klangsatt werden sie vom BBC Philharmonic unter der Leitung des Komponisten ausgebreitet. Man hört förmlich, wie viel Spaß diesem Orchester das Ausloten fremder Klangwelten macht. Und zwischendrin der Chansonier HK Gruber als flüsternder, knurrender, keifender und schreiender Hexenmeister, der als beeindruckender stimmlicher Verwandlungskünstler einfach die Idealbesetzung für dieses schaurig-schöne Spektakel ist.

Auch das von Simon Rattle als „kleine Geschichte der Wiener Musik“ bezeichnete Dancing in the Dark benutzt die Technik der Verfremdung. Das Orchesterkonzert mit großer sinfonischer Anlage geht zurück auf den gleichnamigen Astaire-Song, imitiert im Finale das Steppen von Fred Astaire, bemüht sowohl die erste als auch zweite „Wiener Schule“, deutet dazu noch das Wien des Walzerkönigs an und klingt mit seinen vorzüglich sich präsentierenden Instrumentengruppen laut dem übrigens exzellenten CD-Booklet zeitweise tatsächlich wie ein Streifzug durch die deutsch-österreichische Romantik eines Wagner und Mahler. In Charivari. An Austrian Journal for Orchestra wird der Wiener Gemütlichkeit und der Harmlosigkeit an sich dann endgültig der Garaus gemacht. Dieses brillant-ironische, klanglich warm bis messerscharfe orchestrale Bravourstück basiert auf der ebenfalls auf der CD zu hörenden Strauß-Polka Perpetuum mobile. Mit dem unbekümmerten Charakter des Originals ist es allerdings schnell vorbei. Die Musik von Charivari wird zusehends ungemütlicher, aggressiver, chaotischer und zitiert noch einen holpernden Wiener Blut-Walzer, bevor die gute alte Zeit schließlich taumelnd in sich zusammenfällt. Ein wenig Wiener Blut floss bei der Aufnahme wohl auch durch die Adern des BBC Philharmonic Orchestra, dessen Klangsensibilität zumindest in der Wiedergabe von Charivari als durchaus wienerisch bezeichnet werden könnte.

Insgesamt bietet die CD ein prickelndes Hörerlebnis, bei dem sich dieses Klasse-Orchester als überaus kompetenter Klangkörper in Sachen zeitgenössischer Musik erweist.

Christof Jetzschke [15.05.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 HK Gruber Frankenstein!! (Ein Pandämonium für Chansonnier und Ensemble nach Kinderreimen von H.C. Artmann) 00:31:51
20 Perpetuum mobile op. 257 (by Johann Strauss II, 1825-1899) 00:02:50
21 Charivari - An Austrian Journal for Orchestra (An Austrian Journal for Orchestra) 00:10:54
22 Dancing in the Dark für großes Orchester (Konzertstück) 00:24:47

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
BBC Philharmonic Orchestra Orchester
HK Gruber Chansonnier, Leitung
 
CHAN 10404;0095115140420

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