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CD-Besprechung

cpo 777 125-2

1 CD • 80min • 2004, 2005

13.04.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Was wissen wir von bulgarischer (Kunst-)Musik? Sie gilt immer noch weitgehend als unbekanntes Terrain in der europäischen Musikszene. Das Label cpo steuert gegen und sucht mit einer zweiten Veröffentlichung der Musik von Pancho Vladigerov die tönende Pforte zum Balkanland zu öffnen. Vorangegangen war vor einigen Jahren eine CD mit Stücken für Klavierduo unter dem Titel Bulgarische Impressionen. Jetzt also drei Orchesterschöpfungen, die diesen wohl bedeutendsten Komponisten des Landes im Spagat zwischen seiner Herkunft in Bulgarien und seiner Ausbildung wie seiner frühen Karriere in Deutschland zeigen.

Pancho Vladigerov wurde zwar 1899 in Zürich geboren, zog aber mit seiner Familie schon früh in die Nähe von Sofia. Seine Lehrzeit durchlief er mitten im Ersten Weltkrieg in Berlin, nicht zuletzt als Eleve des Russlandschweizers Paul Juon. Nach einer kurzen Rückkehr in die Heimat wirkte er von 1920 bis 1932 wieder in der deutschen Hauptstadt. Das war anscheinend seine kreativste Phase – jedenfalls stammen alle Werke unserer CD aus dieser Zeit. Es ist keine Avantgarde, der spätromantische Nachklang bleibt unverkennbar. Offenbar ist Vladigerov selbst später stilistisch nie über diesen Punkt hinausgelangt. Immerhin lebte er noch fast ein halbes Jahrhundert bis zu seinem Tod 1978 in Bulgarien, hochangesehen, eine nationale Ikone.

Die bulgarische Rhapsodie Vardar (benannt nach einem makedonischen Fluss) war einst ein Hit, ähnlich den Rumänischen Rhapsodien von Enescu. Vladigerov spielt, eingehüllt in ein effektvolles Orchestergewand, mit (echten und gefälschten) Elementen der einheimischen Volksmusik. Das Original ist für Violine und Klavier gesetzt und wurde 1921 in Berlin durch die Brüder Vladigerov uraufgeführt. Das Zehn-Minuten-Stück ist in der Folge in verschiedene Fassungen, so eben auch für Orchester, umgegossen worden. Ein ähnlich freimütiges Spiel treibt der Komponist in den Bulgarischen Tänzen op. 23. Wenn man allerdings die entsprechenden Werke Bartoks dagegen hält, ermisst man den Unterschied zwischen eigenständiger Umsetzung und unbekümmerter Aneignung von Folklore. Kaum zufällig schreibt Eckhardt van den Hoogen in seiner ausladenden Einführung ironisch vom „fehlenden Bindeglied zwischen Gershwin und Khatschaturian“.

Das dritte Stück schliesslich zeugt von Vladigerovs Hauptbeschäftigung in den „goldenen“ Berliner Jahren. Er war Hauskomponist an Max Reinhardts Deutschem Theater und hat dort eine Fülle von Schauspielmusiken verfasst. Die Suite aus der Partitur zu Strindbergs Ein Traumspiel zeigt ihn – obwohl auch hier nicht alles Gold ist, was glänzt – von seiner besten Seite. Immer wieder gelingt dem Komponisten eine faszinierend poetische Verdichtung, die das Irisierende der dichterischen Vorlage aufzugreifen vermag. Bravourös gibt sich die Orchesterbehandlung, und nicht nur hier denkt man an einen ebenfalls in Berlin lebenden Zeitgenossen Vladigerovs, an Franz Schreker.

Pikanterweise kommt unsere einfühlsam musizierte, hie und da mit einigem (domestiziertem) Temperament aufwartende Aufnahme nicht aus Bulgarien, sondern aus Deutschland. Geführt wird das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin zudem von einem Rumänen, dem vorab in Bukarest wirkenden Horia Andreescu, einem anerkannten Spezialisten für die Musik George Enescus. Wenn schon die Grenzen geöffnet werden: bei aller Anerkennung für Vladigerov – eine Potenz wie dieser sein rumänischer Kollege war er nicht.

[13.04.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Pancho Vladigerov
1Vardar op. 16 (Bulgarian Rhapsody)
2Traumspielsuite
3Danses bulgares op. 23

Interpreten der Einspielung

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