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CD-Besprechung

J. Brahms • J. Sibelius

Berlin Classics 1 CD 0016102BC

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 16.02.07

Berlin Classics 0016102BC

1 CD • 70min • 2006

Anfangs gewöhnungsbedürftig, am Ende empfehlenswert: Das sind die Eckpunkte dieser beiden Konzertaufnahmen mit dem Kammerorchester Berlin (Brahms) und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berliner (Sibelius). Gewöhnungsbedürftig in den ersten Minuten der Brahmsischen Exposition, weil Tempo und Agogik uns einen jener bierbäuchig-behäbigen Pörtschacher Sommer verheißen, die eigentlich längst der Geschichte angehören sollten. Doch darf man sich von den ausgekosteten Atmern und Seufzern nicht irritieren lassen: Mit dem Einsatz der Solistin nämlich ändert sich das Szenario rasch, und nach wenigen Augenblicken hat man auch schon begriffen, daß die vermeintlich so überzeichnete Idylle tatsächlich so etwas darstellen soll wie die Naturschönheit an sich, die das schöpferische Individuum in Augenschein nimmt, reflektiert und bricht – ganz so, wie wir uns gelegentlich noch immer dabei ertappen mögen, daß wir in einem Sonnenuntergang mehr sehen als die bloße Anhäufung von Glut und Asche und Dunst. Nur, daß bei Brahms halt alles viel schöner, natürlicher, künstlicher ist – und in der vorliegenden Einspielung mit jenem Quantum Naivität und Schlichtheit (nicht des Gemüts) erklingt, die uns, wenn wir ganz ehrlich sind, heutzutage doch abgeht: Die Auffassung der exzellenten Solistin und die Ansichten des Dirigenten ergänzen zu einer Gesamtdarstellung, die ich ohne jeden Vorbehalt einem „Ersthörer” empfehlen könnte, denn er bekommt hier einen Brahms, der sich direkt mitteilt, vorzüglich ausgespielt wird und auf jeden psychologisierenden oder gar hysterischen Schnickschnack verzichtet.

Dasselbe gilt für das nordische Naturereignis, das sich anschließt. Was nun nicht bedeutet, daß das Duo Scholz-Sanderling dieses Wunderwerk ähnlich klassizistisch angingen wie den eben gehörten Brahms, der hier eher eine konzertante Sinfonie als ein sinfonisches Konzert genannt werden darf. Doch wieder gibt es zu Beginn ein musikalisches Pokerface, wenn Katrin Scholz so tut, als ob sie „nichts auf der Hand” hätte – will sagen, daß der schmale, geradezu dünne Ton (mit einem „ü”, wie’s Ulrich Roski auszusprechen pflegte) ihres Einsatzes alles wäre. Weit gefehlt! Sie steigert sich wohldisponiert, gräbt sich immer tiefer in die Untergründe dieser Musik, erzeugt namentlich im Mittelsatz (und doch nicht nur dort) ganz exquisite flautandi und stürzt sich am Ende gemeinsam mit dem Orchester in einen nächtlichen Ritt, daß die Haare sausen, der stürmenden Rosse feuriger Atem gespenstische Szenarien auf verwilderten Friedhöfen und in spukhaften Wäldern beleuchtet ...

Es tut einfach wohl, diese beiden nicht gerade unbekannten oder selten aufgeführten Werke wieder einmal ohne jenes verzweifelte Streben nach Originalität hören zu können, das hinter jedem Seufzer gleich einen ganzen Roman wittert. Weshalb ich diese Produktion also, wie eingangs angekündigt, nur empfehlen kann.

Rasmus van Rijn [16.02.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Brahms Konzert D-Dur op. 77 für Violine und Orchester
2 J. Sibelius Konzert d-Moll op. 47 für Violine und Orchester

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Katrin Scholz Violine
Kammerorchester Berlin Orchester
Rundfunk Sinfonieorchester Berlin Orchester
Michael Sanderling Dirigent
 
0016102BC;0782124161026

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