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CD-Besprechung

Puer Nobis Nascitur

Christmas Carols

Challenge Records CC72234

1 CD • 73min • 2006

07.12.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Warum ist Weihnachtsmusik so populär, und warum gibt es keine gleichwertige Oster- oder Pfingstmusik? Die Antwort findet sich indirekt auf der vorliegenden CD, auf welcher der über jeden Zweifel hinsichtlich vordergründigen Weihnachtsgedudels erhabene Ton Koopman weihnachtliche Orgelmusik aus dem 16., 17. und 18 Jahrhundert interpretiert.

Es erklingen mehrstimmig gesetzte und variierte Volkslieder neben Choralvariationen und Pastoralen aus Europa (Deutschland, Holland, Frankreich, Italien, Spanien und England) sowie Argentinien. Die in der St. Martinuskirche in Haringe im flandernschen Teil Belgiens stehende Orgel, laut Booklet das am besten erhaltene Instrument des Rokoko, das nie umgebaut oder erweitert wurde, beeindruckt neben den zahlreichen Klangfarben vor allem durch die außergewöhnlich feinen Obertöne in hohen Lagen, was ihr ein feines, mildes Klangbild verleiht.

Durch die sehr breit gestreute zeitliche wie örtliche Entstehung sind die insgesamt 19 Stücke hinsichtlich ihrer Struktur und ihres Anspruchs sehr verschieden, schaffen durch die einheitliche Programmatik aber dennoch eine rundes, ausgewogenes Bild der weihnachtlichen Orgelmusik dieser Epochen. Der Bogen spannt sich dabei von kindlich-naiv anmutender Melodik mit teilweise tänzerischer Rhythmik (Daquin, Dandrieu) über pastorale Naturstimmungen (Zipoli) bis hin zu komplexen Suiten und Choralbearbeitungen (Buxtehude, Bach).

Koopman spielt und improvisiert die einzelnen Werke mit viel Engagement. Die rhythmische Gestaltung erscheint vor allem in den Werken von Daquin (1694-1772) und Dandrieu (1682-1738) kernig und stellenweise fast derb, wodurch die Musik ein holzschnittartig plastisches Gesicht erhält. Doch welch ein Unterschied zu der spielerischen Eleganz, mit der Koopman John Bull (1563-1628) intoniert, zur zarten Schlichtheit bei Sweelinck (1562-1738) oder zu den leisen, fast flüchtigen Naturklängen in Domenico Zipolis (1680-1726) Pastorale. Die Stimmung, die Koopman hier zaubert, erweckt wirklich ebenso feierliche wie stille Andacht.

Der Höhepunkt dieser CD ist sicherlich die Pastorale BWV 590 von Bach. In milder Registrierung arbeitet Koopman präzise die einzelnen Stimmen heraus, ohne die Struktur der Musik über deren Ausdrucksgehalt zu stellen. Als Abschluss wählt Koopman eine feierlich breite Interpretation der Choralbearbeitung In dulci jubilo BWV 729.

Die Aufnahme bildet das breite Klangspektrum der Van Peteghem-Orgel sehr genau und ausgewogen ab, nicht uninteressant sind auch die leisen Nebengeräusche, wie sie etwa in Buxtehudes Nun komm der Heiden Heiland erscheinen. Etwas unpraktisch ist hingegen, dass sich die Track-Nummern nicht auf der Hüllenrückseite, sondern lediglich im für die Hülle zudem fast zu dicken Booklet finden.

Robert Spoula [07.12.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Louis-Claude Daquin
1Noël Suisse (Noël XIII)
2Quand Jésus naquit à Noël (Noël X)
3Adam fut un pauvre homme (Noël VI)
John Bull
4Een kindeken is ons geboren (Carol)
Jan Pieterszoon Sweelinck
5Ons is gheboren een kindekijn (Puer nascitur nobis)
Jean-François Dandrieu
6Noël de Saintogne
7Noël Poitevin
8Si c'est pour ôter la vie
9Adam fut un pauvre homme (Noël)
Domenico Zipoli
10Pastorale
Pablo Bruna
11Tiento sobra la letania de la Virgen
Dietrich Buxtehude
12Wie schön leuchtet der Morgenstern BuxWV 223
13Nun komm, der Heiden Heiland BuxWV 211
14In dulci jubilo BuxWV 197
Nicolas Lebègue
15Une vierge Pucelle (Noël)
16À la venue de Noël (Dialogue)
17Noël pour l'amour de Marie
Johann Sebastian Bach
18Pastorella F-Dur BWV 590
19In dulci jubilo BWV 729

Interpreten der Einspielung

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