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CD-Besprechung

Ludwig van Beethoven Sämtliche Klaviersonaten Vol. 2

Ludwig van Beethoven<br />Sämtliche Klaviersonaten Vol. 2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 06.07.06

hänssler CLASSIC 98.202

1 CD • 72min • 2005

Häufig tendiert die Schallplattenkritik dazu, Aufnahmen viel gespielter und eingespielter Werke als überflüssig zu bezeichnen, wenn sie diesen keine bislang ungehörten oder vielleicht sogar aufregend neuen Facetten hinzufügen. Dabei vergißt man jedoch, daß jede Einspielung die Momentaufnahme einer oder mehrerer künstlerischer Personen ist und somit ein per se wertvolles Dokument; dazu kommt der Aussagewert über den Interpretations-Stand einer gewissen Epoche, eine Perspektive, die freilich häufig erst aus der Distanz geschätzt werden kann.

Dies gilt es im Hinterkopf zu behalten, wenn für Gerhard Oppitz’ Beginn einer Gesamtaufnahme der Klaviersonaten Beethovens konstatiert wird, daß dieser Beginn keine spektakulären Überraschungen aufweist (die erste Folge mit den Sonaten Nr. 5 bis 8 ist bereits erschienen). Auch eine eindeutige Tendenz, etwa im Sinne eines eindeutigen Konzeptes, ist nicht zu erkennen: Weder stehen der grimmige Humor im Vordergrund wie einst bei Alfred Brendel, noch das luxuriöse Legato-Spiel wie bei Daniel Barenboim; geschweige denn, daß sich Oppitz von etwaigen Hammerflügel-Erfahrungen zur kurzatmigen Rhetorik der Original-Klängler hinreißen ließe. Oppitz’ Zugriff zumindest auf die ersten drei Sonaten op. 2 ist vielmehr ein gemäßigter, ja, ein gediegener. Gerade das dunkle Feuer der ersten Sonate f-Moll glüht eher verhalten; das Tempo wird nie wirklich hochgeheizt, die Staccato-Akkorde werden nicht wirklich hart angepackt, die dynamischen Kontraste sind nie so harsch, wie sie sich der frühe Beethoven wahrscheinlich vorgestellt hatte. Oppitz scheint die ersten Sonate schon ab dem Kopfsatz primär von den verhaltenen, leisen Melodiepassagen her zu verstehen, und ihn auch auf diese Satzebene hin zu entwickeln.

Es scheint sich hierbei aber um eine spezifische Vorstellung zu handeln, die vor allem die erste Sonate betrifft; denn einige der übermütigen Stellen des Kopfsatzes der zweiten Sonate A-Dur spielt Gerhard Oppitz spielt durchaus raffend, sehr lebendig, wobei seine perfekte Technik unaufdringlich hervortritt; aber wiederum interessieren ihn auch in diesem Satz die leisen, abgründigen Stellen besonders. Er hält sein vornehmes Legato auch im prächtigen und grandiosen Kopfsatz der C-Dur-Sonate Nr. 3 durch; durch diese hintergründige Haltung gelingen auch das Scherzo und das elfenhafte Finale besonders gut, weil der Witz hier eben auch ein hintergründiger ist – vor allem, wenn die Satzcoda des Finales mit ihren hohen, irisierend verschwimmenden Trillern in dieser versunkenen Spielweise schon eine frappierende Vorahnung auf die transzendenten Augenblicke der letzten Klaviersonate eröffnet.

Freilich hat die Vornehmheit von Gerhard Oppitz auch ihre Grenzen. Im Largo appassionato der zweiten Sonate etwa führt sie zu einer Nivellierung. Vergleicht man diesen Satz mit Daniel Barenboims Gesamtaufnahme aus den späten 1960er Jahren (EMI 5 72912 2), kann man sich des Gefühls nicht erwehren, daß Barenboim ein eindrucksvolleres Stück erstehen läßt. Während Oppitz den Satz durchlüftet, etwa die Figurationen leichter, verspielter, nimmt, gibt Barenboim viel mehr an Legato zu, und entwickelt aus dieser natürlichen Schwere eine geradezu überlebensgroße Statuarik; die fehlt bei Oppitz, weil er zu direkt auf die Höhepunkte zusteuert. Auch die massive Moll-Episode gerät weniger eindrucksvoll als bei Barenboim, weil Oppitz nur halbherzig die Akkorde in die Tastatur stanzt. Das Moment des Kultivierten und Gediegenen erweist sich also nicht für alle Sätze als gleich wertvoll. Zudem wollen die Tontechniker vielleicht über eine etwas direktere Aufnahme des Flügels nachdenken: Der Klang ist nie wirklich intim, sondern eher hallig und indirekt, so entfernt, wie er vielleicht in einem Konzert von einem mittleren Platz zu hören wäre.

Trotz der kritischen Anmerkungen handelt es sich in ihrer Natürlichkeit und Frische um eine bemerkenswerte Aufnahme und damit eine vielversprechende Fortführung der Totale. Und was ist ihr eingangs angesprochener dokumentarischer Wert? Die Einspielung hält das Beethoven-Bild eines wichtigen Pianisten unserer Tage fest, eines Musikers, den Beethoven von Beginn seiner frühen Laufbahn an begleitet hat.

Dr. Michael B. Weiß [06.07.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Klaviersonate Nr. 1 f-Moll op. 2 Nr. 1
2 Klaviersonate Nr. 2 A-Dur op. 2 Nr. 2
3 Klaviersonate Nr. 3 C-Dur op. 2 Nr. 3

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gerhard Oppitz Klavier
 
98.202;4010276017127

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