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CD-Besprechung

The Gulda Mozart Tapes 10 Sonatas and a Fantasia

The Gulda Mozart Tapes<br />10 Sonatas and a Fantasia

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 13.03.06

Klassik Heute
Empfehlung

DG 477 613-0

3 CD • 3h 32min • 1980

Im künstlerisch-menschlichen Umfeld des Pianisten Friedrich Gulda gab es zeitlebens Anlaß, am Wahrhaftigen zu zweifeln – und dem verschmitzt Verlogenen einen hohen Verläßlichkeitswert beizumessen (oder auch umgekehrt). Ich erinnere nur an seine selbst lancierte Ablebensmeldung via Neue Zürcher Zeitung…! Nun erreichen uns Klavierenthusiasten – pünktlich zum Mozartjahr 2006! – neue Nachrichten aus der Gulda-Werkstatt Anfang der 80er Jahre. Warum diese Aufnahmen von immerhin zehn Mozart-Sonaten und der c-Moll-Fantasie bis jetzt nicht herausgegeben worden sind, bleibt ein schönes Geheimnis. Vielleicht hat sich Gulda mit dem damals ins hörende Auge gefassten Produzenten zerstritten. Das soll ja in der verwegenen Vita des großen Unberechenbaren vorgekommen sein. Gleichwohl: einer der Söhne – nämlich der Pianist und Künstleragent Rico – zeichnet für diese späte Publikation verantwortlich.

Ich möchte ihn zu dieser Edition beglückwünschen, denn sie bestätigt alle Erinnerungen an Guldas im Dramatischen rauhes, ja rücksichtsloses, mit steifen, geilen Jazz-Tönen zugespitztes Mozart-Gebaren. Und am anderen Ende der Ausdrucksskala gewinnt dieser im Innersten so verletzliche Musik- und Selbstdarsteller eine Höhe (und Tiefe) der lyrischen Empfindlichkeit, wie sie nur jenen Interpreten gegeben ist, die sich im Zustand hellsten Wachseins zugleich versenken, in Trance zu versetzen vermögen.

Rasche, auch extrem beschleunigte Zeitmaße (Finalsatz KV 332), unendlich gelöste, dabei nie weichlich angefasste Binnensätze, klare, kompromisslos harte Akkordschläge, aufführungspraktisch lässige, aber stets im Zusammenhang unabwendbar erscheinende Verzierungen – dies alles und vieles mehr prägen diese aufnahmetechnisch ungeschönten Einspielungen als eine Synthese von Ungemütlichkeit und Himmelsnähe. Bedauerlich nur, dass die übrigen Sonaten seinerzeit nicht aufgenommen wurden. (Wer weiß jedoch, ob sie bei nächster oder übernächster Gelegenheit nicht noch auftauchen werden…)

Vergleichsaufnahmen: Pletnev (DG 00289 4775788), Seemann (DG 00289 477 5856)

Peter Cossé [13.03.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Klaviersonate Nr. 10 C-Dur KV 330 KV 300h
2 Klaviersonate Nr. 12 F-Dur KV 332 KV 300k
3 Klaviersonate Nr. 13 B-Dur KV 333 KV 315c
4 Klaviersonate Nr. 1 C-Dur KV 279 KV 189d
5 Klaviersonate Nr. 2 F-Dur KV 280 KV 189e
6 Klaviersonate Nr. 3 B-Dur KV 281 KV 189f
7 Klaviersonate Nr. 4 Es-Dur KV 282 KV 189g
8 Klaviersonate Nr. 5 G-Dur KV 283 KV 189h
9 Fantasie c-Moll KV 475 für Klavier
10 Klaviersonate Nr. 16 C-Dur KV 545 (Facile)
11 Klaviersonate Nr. 8 D-Dur KV 311 (KV 284c)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Friedrich Gulda Klavier
 
477 613-0;0028947761303

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