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CD-Besprechung

Georg Friedrich Händel: The Messiah HWV 56 (Oratorium in drei Teilen)

deutsche harmonia mundi 2 SACD stereo/surround 82876 64070 2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Besprechung: 22.12.05

deutsche harmonia mundi 82876 64070 2

2 SACD stereo/surround • 2h 21min • 2004

Nikolaus Harnoncourt hat schon Anfang der 1980er Jahre den Messias von Händel aufgenommen; „unerhört, so eruptiv aufwühlend“, „kühn und vital“ findet er heute dieses Werk (laut PR-Text auf der Rückseite der neuen CD). Die hohen Erwartungen, die man gegenüber jeder neuen Aufnahme von Nikolaus Harnoncourt immer immer hat, erfüllen sich jedoch bei dieser neu erschienenen Live-Aufnahme nicht.

Gewiß bietet die Aufführung ein makelloses spiel- und gesangstechnisches Niveau, auch wenn in der Textartikulation der Chorsätze gelegentlich kleine Abstriche zu machen sind. Aber in den musikalischen Charakteren wie auch in den Tempi neigt Harnoncourt zu allzu sehr zugespitzten Effekten, das heißt: er übertreibt seine eigenen musikalischen Ansichten. Dramatik verwandelt sich mal in sanguinische Ausbrüche, insbesondere beim Solotenor, aber auch etwa im Chorsatz He trusted in God, mal in opernhaft-inbrünstig dröhnende Abschnitte (Accompagnato Thy rebuke hath broken, CD 1, Track 6), mal in gewaltiges Poltern (Baß-Arie Why do the nations); generell irritieren überzogene Tempi. Andererseits erklingen die lyrischen Abschnitte in geradezu schwelgerischer Gemütlichkeit voller ohnmächtiger Andacht – etwa das Duett He shall feed His flock) –; das ist Harnoncourts „Entdeckung der Langsamkeit“, die aber in lähmende Langeweile mündet. Und das ist nun wirklich das letzte, was man bei einer Harnoncourt-Aufnahme erwartet.

Auch die editorische Ausstattung weckt sehr gemischte Gefühle. Neben einer handschriftlichen Skizze und einer äußerst knappen Erklärung Harnoncourts liest man als „Begleittext“ einen belanglosen Erguß über Händels Psyche, seine Handschrift usw. mit der populistischen Grundüberlegung: „Wer zum Teufel ist eigentlich Georg Friedrich Händel?“ Die Antwort darauf liefert diese Aufnahme nur bedingt, sie erscheint eher wie das Zelebrieren eines Dirigenten, der heute automatisch als „unanfechtbar“ gilt.

Dr. Éva Pintér [22.12.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.F. Händel The Messiah HWV 56 (Oratorium in drei Teilen)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Christine Schäfer Sopran
Anna Larsson Alt
Michael Schade Tenor
Gerald Finley Bass
Arnold Schönberg Chor Chor
Concentus Musicus Wien Orchester
Nikolaus Harnoncourt Dirigent
 
82876 64070 2;0828766407020

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