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CD-Besprechung

F. Busoni

Sony Classical 1 CD SK94497

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 28.11.05

Sony Classical SK94497

1 CD • 54min • [P] 2005

Daß es sich bei der vorliegenden Aufnahme um die „definitive Einspielung” des Violinkonzerts von Ferruccio Busoni handelt, wie jemand unlängst behauptete, ist leider nicht wahr. Und das, obwohl sich mit Frank Peter Zimmermann ein absoluter Trauminterpret um diese musikalische Kostbarkeit bemüht, die noch immer – wie so vieles des großen Komponisten – weit unter Wert gehandelt wird und de facto zu den schönsten Werken der Gattung schlechthin gehört.

Der Grund für die nötigen Punktabzüge ist natürlich nicht bei Frank Peter Zimmermann zu suchen: Er nimmt den Solopart vom ersten Augenblick an mit jener in die Tiefe gehenden, leicht angerauhten Sinnlichkeit, die ich an seinem Spiel seit jeher so über die Maßen schätze, löst in den Momenten lyrischer Verklärung seinen Ton in einer beinahe jenseitigen Schönheit auf und weiß auch dort, wo ein kräftiger Schritt geboten ist, mit herzhaftem Strich den akzentuierten Ton anzugeben.

Doch was Zimmermann über seine Rolle in dem Spiel weiß, will nicht recht zu den Ansichten des Orchesterleiters und zu dem Gesamtresultat der Aufnahme passen – was ganz unverkennbar daran liegt, daß man sich durchweg auf zu schleppende Tempi verständigt hat. Wo immer die Musik vorwärtsdrängen will (in dem alla marcia des Kopfsatzes zum Beispiel), wird sie merklich am Zügel gehalten, als solle sie zur Bedeutung gezwungen werden. Besonders spürt man das am Ende des Schlußsatzes, den Busoni gewiß nicht ohne Grund mit Allegro impetuoso überschrieben hat: Das Feuerwerk, das hier gezündet wird, klingt eher so, als habe man erst im letzten Moment die Streichhölzer gefunden, gewiß aber nicht wie ein von langer Hand organisch vorbereiteter Jubel.

Zwingender ist die nachgereichte zweite Violinsonate, wiederum eines der ganz großen Werke des Komponisten, mit dem er seinen „Göttern” Bach und Beethoven ein äußerst persönliches Denkmal errichtete, indem er von diesem das formale Modell der Klaviersonate op. 109 und von jenem den Choral „Wie wohl ist mir, O Freund der Seele” als Thema der Schlußvariationen nahm. Dabei entstand ein facettenreiches, über weite Strecken ernstes Stück, dem es freilich an heiterer Italianità nicht fehlt – in gewissen berceuse-barkaroligen Stimmungen und einem merklichen Trend zur Tarantella. Gerade hier, wo es pianistisch ein wenig „zur Sache” geht, kann auch Enrico Pace seine Stärken entfalten: Was ihm an letzter Subtilität (noch?) fehlt, kompensiert er überall dort, wo es auf präzise, straffe, rhythmisch gespannte Begleitung ankommt. Dergestalt entsteht ein über weiteste Strecken faszinierender Dialog, der mitunter an jene Grenze rührt, die nach Busonis eigenen Worten die Tonkunst von der Musik scheidet.

Rasmus van Rijn [28.11.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Busoni Konzert D-Dur op. 35a für Violine und Orchester (1896/1897)
2 Sonate Nr. 2 e-Moll op. 36 für Violine und Klavier (nach dem Lied "Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen BWV 515 von Johann Sebastian Bach)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Frank Peter Zimmermann Violine
Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI Orchester
John Størgårds Dirigent
Enrico Pace Klavier
 
SK94497;5099709449727

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