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CD-Besprechung

J. Sibelius

BIS 1 CD 1365

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 25.08.05

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BIS 1365

1 CD • 74min • 2004

Es ehrt Andrew Barnett, den Verfasser des Einführungstextes, daß er gar nicht erst versucht, die auf dieser CD gekoppelten Raritäten in die Schublade der „zu Unrecht vergessenen Werke” hineinzumogeln: Mit Ausnahme der Kantate Die gefangene Königin op. 48, die Sibelius zu den Hundertjahrfeiern für den finnischen Staatsmann und Philosophen Johan Vilhelm Snellman (1806-1881) beisteuerte und die tatsächlich das faszinierend kantige Profil des großen Finnen verrät – mit Ausnahme also dieses Werkes, das sich eindeutig über den Anlaß seines Entstehens erhebt, enthält das Programm nichts als kreative Randerscheinungen, die selbst dem geschworenen Sibelius-Apologeten ein gerüttelt Maß an Wohlwollen abnötigen. Die Zwei Choräle sind Übungen, die 1889 für den Berliner Lehrer Albert Becker erledigt wurden (anders kann man’s beim besten Willen nicht sagen); der Pfadfindermarsch von 1918 zeigt Sibelius „allzeit bereit”, eine gute Tat zu vollbringen (und sei’s unter Heranziehung bereits vorhandenen Materials); die Promotionskantate von 1894 für die Abschlußfeierlichkeiten der Universität war eine von insgesamt drei Stücken dieser Art, die Sibelius komponierte, weil man das von ihm erwartete; Jordens sång op. 93 zur Einweihung der neuen Universität von Turku verdankt seine Existenz nach der Aussage des Meisters nur den 6000 Mark, die es dafür gab (was man der Musik denn aber doch nicht anhört); und das wenig später entstandene Maan virsi op. 95 kam nur aufs Papier, weil Sibelius ein Versprechen gegeben hatte, das er anschließend schwer bereute und nur widerwillig zu erfüllen bereit war.

Das ist nun ganz schlicht der Preis der Enzyklopädie: Wer einen Komponisten wirklich von allen Seiten, mit all seinen Marginalien, seinem Recycling und seinen Brotarbeiten beleuchten will, der darf nun mal nicht den Schleier der Schamhaftigkeit ausbreiten oder schönreden, was selbst bei dritter und vierter Inspektion nicht besser werden will. Groß ist da bekanntermaßen die Gefahr, daß man das aufgegebene Pensum uninspiriert und lustlos heruntersäbelt (warum mehr tun als der Komponist investiert hat?), sein Honorar einstreicht und den Rest der Firma überläßt, die die Sachen ja schließlich hat haben wollen.

In der vorliegenden Produktion ist davon nichts zu spüren. Wo immer auch nur ein Quentchen echter Sibelius zu finden ist – besonders in den beiden „Erdgesängen” (op. 93 und 95) –, da bekommen wir ihn auch mit allem Engagement zu hören; wo sich aber – wie in den Chorälen – beim besten Willen nichts Individuelles entdecken läßt, da wird immerhin so anständig musiziert, daß man sich über die klanglich-technische Seite nicht wird beschweren können. Und das wiederum ehrt Osmo Vänskä, die Solisten, den Chor Dominante und das Sinfonieorchester aus Lahti, deren inzwischen ehrfurchtgebietende und wahrhaft gründliche Diskographie mit der neuen Produktion, wenn schon nicht um ein Schmuckstück, so doch um eine Facette reicher ist, die in der klingenden Sibelius-Biographie letztlich nicht fehlen darf.

Rasmus van Rijn [25.08.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Sibelius Lied der Erde op. 93
2 Die gefangene Königin op. 48 (1906)
3 Zwei Choräle
4 Kantate zur Promotionsfeier der Univ. Helsinki 1894 JS 105
5 Pfadfindermarsch op. 91b
6 Hymnus an die Erde op. 95
7 Salem op. 113 Nr. 6

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Helena Juntunen Sopran
Juha Hostikka Bariton
Dominante Choir Chor
Lahti Symphony Orchestra Orchester
Osmo Vänskä Dirigent
 
1365;7318590013656

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