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CD-Besprechung

Béla Bartók: Herzog Blaubarts Burg op. 11 Sz 48

Warner Classics 1 CD 2564 61953-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 22.07.05

Warner Classics 2564 61953-2

1 CD • 60min • 2004

Jedesmal, wenn ich Béla Bartóks A kékszakállú herceg vára (wörtlich: dem blaubärtigen Herzog seine Burg) höre, bin ich fasziniert von der rhythmischen Kraft und melodischen Schönheit des gesprochenen Prologs, in dem uns der Textdichter darauf hinweist, daß sich das nachfolgende Geschehen gar nicht auf der Textbühne, sondern in unserem Innern abspielen könnte. In der vorliegenden Aufführung von den letztjährigen Londoner BBC Proms vollzieht sich dieser Übergang besonders suggestiv – wie eine Mischung aus „Wo war es einmal?“ und „Wo wird es sein?“ führt uns die Stimme eines offensichtlich älteren Herrn (der langjährige BBC-Mitarbeiter Mátyás Sárközi gehörte zu den Flüchtlingen von 1956) in das Seelendrama, dessen Erleben tatsächlich der Bühne entbehren kann, wenn die einstündige „Handlung“ derart vokal-sinfonisch ausgeführt wird wie in dieser Interpretation.

Jukka-Pekka Saraste muß das Publikum in der Royal Albert Hall mit Bartóks einziger und einzigartiger Oper fürwahr im Griff gehabt haben: Nirgends reißt der weite Spannungsbogen, nicht ein Luftloch ist bei den Übergängen von einem zum nächsten Zimmer zu bemerken – alles steuert auf den kolossalen, orgeldurchtränkten Höhepunkt der fünften Tür (Blaubarts Ländereien) zu, und unter der gesamten Entwicklung, selbst in dieser überwältigenden Klimax, spüren wir den Hauch des Todes, den blutigen Schatten, den auch die größte Pracht nicht übertünchen kann.

In diesem Moment kommt dann allerdings für die Tontechnik der Moment der Wahrheit. Während die räumliche Klanggestaltung bis dahin und auch später wieder für ein Live-Dokument sehr annehmbar ist, gerät John Tomlinsons überzeugender, ansonsten durchaus präsenter Blaubart hier vorübergehend unter die akustischen Räder. Gegen diesen instrumentalen Ausbruch ist er machtlos, und niemand vermag das Defizit zu verhindern.

Ist dies bloß ein kleiner und letztlich vernachlässigenswerter Einwand, so fällt schwerer ins Gewicht, daß Jeanne-Michèle Charbonnet mit ihrer Judit von Anfang bis Ende ein wenig im mikrophonischen Abseits steht. Dieses wenige aber reicht, ihre überzeugende, keineswegs schüchtern-fragile Gestaltung der Partie zumindest so weit aus dem Raum herauszurücken, daß die an sich vorzügliche Darbietung nicht vollends beglücken kann: Sie agiert eben nicht auf der „innern Bühne“, wo wir sie nach den Worten des Prologs unbedingt hätten erwarten sollen und auch gern gehört hätten.

Rasmus van Rijn [22.07.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 B. Bartók Herzog Blaubarts Burg op. 11 Sz 48

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
John Tomlinson Herzog Blaubart - Bariton
Jeanne-Michèle Charbonnet Judith - Mezzosopran
BBC Symphony Orchestra Orchester
Jukka-Pekka Saraste Dirigent
 
2564 61953-2;0825646195329

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