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CD-Besprechung

Johann Sebastian Bach Geistliche Solokantaten

Naxos 8.557621D

1 CD • 63min • 2004

22.07.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Einerseits wird man Bachs Solokantaten als Teilstrecke von CD-Gesamtaufnahmen mehrerer namhafter Firmen zu vergleichen haben – es handelt sich dabei um rund sechs Konkurrenzfassungen zum vorliegenden Programm –, andererseits sind sie als ein autonom für sich werbendes Einzelobjekt in der Form eines Künstlerporträts hervorzuheben. Letzteres trifft hier zu, und zwar in einer äußerst ansprechenden Form und Qualität. Die alles tragende und bestimmende Interpretin heißt Marianne Beate Kielland, begabt mit einer verlockend schönen Altstimme, in Norwegen geboren und im Jahre 2000 mit ihren Spitzenqualitäten von der Musikakademie in Oslo in die internationale Musikwelt entlassen. Dazu gehört neben der Beherrschung des klassisch-romantischen Repertoires bei Opern-, Liederabend- und Festival-Engagements auch ihr souveräner Umgang als Oratoriensängerin mit historischen Musikstilen. Denn natürlich bedarf Bachs Vokalschaffen in besonderer Weise eines intensivierten Umganges mit den figurativen und koloristischen Ansprüchen an den Sinn- und Textgehalten vor dem Hintergrund einer auch intellektuell zu steuernden Aufführungspraxis. Dies alles fügt sich angesichts der vorliegenden Werkauswahl bestens, auch im Werkkommentar des Beiheftes, ergänzt durch den vollständigen Abdruck aller gesungenen Texte.

Es versteht sich von selbst, daß zu einer solchen Symbiose der speziell in den Solokantaten Bachs mit ihren kammermusikalischen Filigranbesetzungen herausfordernden religiösen, melodischen, harmonischen und kontrapunktischen Parametern jeder einzelne instrumentale „Begleiter“ als Mitgestalter der Gesamtwirkung dazugehört. Auch dieser Maxime stellt sich das Kölner Kammerorchester unter der Leitung von Helmut Müller-Brühl in bewährter Weise. Natürlich ist der von Bach geschaffene Werk-Kosmos von derart vielen feingliedrigen und feingeistigen Fäden durchzogen, daß der Hang zu einer gewissen Formelhaftigkeit historisierender Vortragstechniken hier und da aufblitzt. Dies gilt vor allem für die opulent dynamisierten Orchester-Schwelltöne, selbst wenn der eine oder andere lange (verführerische) Halteton als Ruhe-, gar als Todessymbol nichts von derart aufblühender Belebung wissen will (Track 19, Stirb in mir). Auch ein aufrüttelnd zu rezitierendes „Ungemach“ der Sängerin in der Kantate Widerstehe doch der Sünde verliert mit allzu barmherziger Vergebungsgeste seine erforderliche Schärfe. Vergleichbares gilt für ein kräftig und lutherisch-überzeugend zu deklamierendes Doppel-TT beim Singen des häufig auftretenden Wortes "GOTT" anstelle eines andächtig weichen "Go(d)". Doch das sind kritische Marginalien, die durch eine überzeugende Gesamtwirkung mehr als aufgewogen werden. Vor allem gebührt dem Organisten Harald Hoeren mit seinen virtuos-konzertanten Orgelpartien auf einer Mebald-Truhenorgel (Baujahr 1995) bei der Wiedergabe der Kantate BWV 169, dem Hauptbeitrag der vorliegenden Kantatenauswahl, ein Sonderapplaus. Überhaupt machen auch der Ton und Klang der Aufnahmetechnik hier die Musik. Der Sammelbegriff der Naxos-Serie „Das Meisterwerk“ ist im vorliegenden Falle nicht aus der Luft gegriffen.

Dr. Gerhard Pätzig [22.07.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust BWV 170 (Kantate)
2Widerstehe doch der Sünde BWV 54 (Kantate)
3Gott soll allein mein Herze haben BWV 169 (Kantate)
4Bekennen will ich seinen Namen BWV 200 (Kantate)
5Schlage doch gewünschte Stunde BWV 53

Interpreten der Einspielung

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