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DVD-Video-Besprechung

Ondine ODV 4002

1 DVD-Video • 3h 00min • 2003

04.07.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Eine dämonische, ambivalente Titelfigur, schwankend zwischen Wunderheiler und Scharlatan, mit höchst dubiosen moralischen Prinzipien und einem drastisch-spektakulären Ende, angesiedelt in einem Zeit- und Lokalkolorit von weltgeschichtlichen Dimensionen (der russischen Oktoberrevolution von 1917), inmitten einer prallen dramaturgischen Konstellation, in die sich von der Intimität individueller Schicksale bis zum Panoramablick auf einen tiefgreifenden sozial-politischen Umbruch alles hineinpacken lässt – also ein Stoff, wie geschaffen für die Opernbühne? Vielleicht ist im Fall Rasputins die überbordende Realität zu inkommensurabel um von der sonst jeglicher Art von Phantastik gewachsenen Kunstform Oper absorbiert zu werden. Der finnische Komponist Einojuhani Rautavaara (Jg. 1928) versucht in seiner zehnten Oper, den Übermenschen Rasputin durch einen Rekurs auf die historische Grand Opéra in den Griff zu bekommen: monumentale Chor- und Ballett-Tableaus mischt er mit intimen Soloszenen, für die immerhin 25 Sänger aufgeboten werden, die Evokation russischen Lokalkolorits gelingt ihm authentisch, musikalisch grüßen Korngold, Rimsky-Korssakoff und Schostakowitsch. Alles ist mit sicherem Theaterinstinkt gefertigt, effektvoll instrumentiert, für die Sänger dankbar komponiert – und wirkt doch seltsam antiquiert und blutarm, wie eine Oper des 19. Jahrhunderts, in die die musikalischen Erfahrungen des 20. eingegangen sind.

Entstanden ist Rasputin als Auftragswerk der Finnischen Nationaloper für den großen finnischen Bass Matti Salminen. Er spielt und singt den Titelhelden mit rahmensprengender Statur und ebensolchem Stimmeinsatz. Allerdings, vergegenwärtigt man sich historische Fotos des echten Rasputin, dann erkennt man: auch hier wäre weniger mehr. Denn wer immer Rasputin gewesen sein mag, ein Heiliger oder eine Inkarnation des Bösen, sein Faszinosum speiste sich nicht aus einer kolossalen physischen Präsenz, nicht aus Kraft und äußerlicher Energie, sondern entstand aus einer schillernden Mixtur von Dämonie und Geheimnis, aus Undurchschaubarkeit und einer abstoßenden, ja ekelerregenden Ausstrahlung. Dagegen wirkt Salminens Verkörperung viel zu menschlich und gesund, zu normal und psychologisch durchschaubar. Die beiden anderen Hauptfiguren, Zar Nicholas und Zarin Alexandra, sind mit Jorma Hynninens virilem Bariton und Lilli Paasikivis pastosem Mezzosopran stimmlich exzellent und darstellerisch eindrucksvoll besetzt. Profilstarke Charakterstudien des Mörderpaars Felix Yusupov und Dimitri Pavlovich zeichnen Jyrki Anttila und Gabriel Suovanen. Mikko Franck am Pult holt aus der Musik heraus, was in ihr steckt, dirigiert präzis und opulent, aber auf einer glatten Oberfläche lassen sich nun einmal keine Abgründe entdecken. Auch der Regie Vilppu Kiljunens kann man optische Attraktivität nicht absprechen, er bietet aber auch nicht mehr als gut arrangierte Personenführung vor der hoch aufragenden, aus kargen, grauen Wänden und wenigen Accessoires bestehenden Szenerie von Hannu Lindholm. Die Bildaufzeichnung der wenige Wochen nach der Uraufführung am 19. September 2003 entstandenen Produktion beschränkt sich auf eine konventionelle En-face-Abbildung des Bühnengeschehens aus der Zuschauerperspektive.

Kurt Malisch † [04.07.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Einojuhani Rautavaara
1Rasputin

Interpreten der Einspielung

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