Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Haydn Joseph: Stabat Mater Hob. XX:bis

Decca eloquence 1 CD 4762441

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 27.04.05

Decca eloquence 4762441

1 CD • 67min • 1979

Die merkwürdige Tatsache, daß Haydns Stabat Mater in der Repertoirepflege sehr vernachlässigt worden ist, verleiht der hier vorliegenden Wiederveröffentlichung einer mehr als 26 Jahre zurückliegenden Produktion einen besonderen Wert. Neben der nur wenig jüngeren Vergleichsfassung im Rahmen der Archiv-Produktion (Deutsche Grammophon) mit dem Ensemble The English Concert unter der Leitung von Trevor Pinnock und der Teldec-Einspielung mit Nikolaus Harnoncourt und seinem Concentus Musicus Wien ist mit dem nun vorliegenden Dreigestirn Haydns Stabat-Mater-Diskographie bereits erschöpft. Dies vorausgesetzt, muß man die spartanische Sparsamkeit bei der jetzt nur noch kurzgefaßten, englischen Textausstattung der "alten", nun wieder zugänglichen Argo (Decca)-Aufnahme bedauern.

Die künstlerische Qualität hätte zumindest einige erinnernde Information über das Solistenquartett verdient. Allen voran erfreuen wiederum die großartige Sopranistin Arleen Augér und der auch bei der Archiv-Produktion mitwirkende Tenor Anthony Rolfe Johnson, nicht zuletzt der einer „ungarischen“ Esterháza-Haydn-Pflege nahestehende Landsmann László Heltay als Dirigent. Sämtliche Mitwirkenden geben ihr Bestes, wobei den weniger umfangreichen, aber nicht minder wichtigen Choraufgaben von der Klangregie her eine stärkere Textpräsenz zu gönnen gewesen wäre.

Um so weniger ist aus inhaltlichen Gründen auf eine Lesehilfe in der Form eines gedruckten Stabat-Mater-Textes mit Übersetzungshilfe zu verzichten. Findige Erwerber dieser Haydn-CD werden sich mit dem in Chormusikführern oft enthaltenen Wortlaut liturgischer Standardtexte zu behelfen wissen. Das ist wichtig, weil sich nur so Haydns musikalische Orientierung am bildhaft-inhaltlichen Geschehen einer bewegenden Klage Mariens in der mittelalterlich strengen Form der 20 dreizeiligen Strophen mit dem Reimschema aab-ccb anteilnehmend erschließt (so etwa Track 9 als Textbeispiel in deutscher Übersetzung):

Laß mit dir mich herzlich weinen,
Ganz mit Jesu Leid vereinen,

Solang hier mein Leben währt.

Unterm Kreuz mit dir zu stehen,

Dort zu teilen deine Wehen

Ist es, was mein Herz begehrt.

Erstaunlich ist, wie sich in jeder Textzeile der dreizehn Werkabschnitte dieser 1767 entstandenen, relativ „frühen“ geistlichen Komposition des damals 35jährigen Haydn, „in seiner Schreibweise die empfindsame Leidenschaftlichkeit des Sturm und Drang vorbereitet. Chromatische Gänge, Seufzer und Synkopenbildungen erzeugen im Verein mit jähen dynamischen Kontrasten eine Atmosphäre unruhigen Leidens, die mit der Stimmung der Dichtung völlig übereinstimmt“ (Karl Geiringer, Joseph Haydn – Der schöpferische Werdegang eines Meisters der Klassik). Die Umsetzung solcher Inhalte und Stilmittel bestimmen die vorliegende Interpretation und prägen die Inhalte dank eines kultivierten Schönheitsideals vokaler Stimmbildung: Nicht zu überhören ist allerdings die Glättung aller "harten", zischenden und rollenden Textkonsonanten bis hin zu einer phonetisch mißverständlichen Wortverständlichkeit. So klingt in der zweiten Strophe „pertransivit gladius“ (Schwert) eher nach „animus“ (Geist) oder „alius“ (ein anderer) und entzieht damit akustisch dem Lateiner und Nur-Zuhörer den Sinngehalt der Aussage (Track 1). Daher sei die Empfehlung zum Mitlesen einer Textbeilage wiederholt, zumal die Reize des hingebungsvollen Musizierens den Zuhörer schnell in den Bann von Haydns Klangwelt ziehen.

Dr. Gerhard Pätzig [27.04.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Haydn Stabat Mater Hob. XX:bis

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Arleen Augér Sopran
Alfreda Hodgson Alt
Anthony Rolfe Johnson Tenor
Gwynne Howell Bass
The London Chamber Choir Chor
The Argo Chamber Orchestra Orchester
László Heltay Dirigent
 
4762441;00284947624417

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

Entschleunigte Feinfühligkeit, forsche Damenpranke

Edition Stefan Askenase

Noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts konzertierte der aus dem galizischen Lemberg stammende Pianist Stefan Askenase reglemäßig in den europäischen Konzertsälen. Das ältere Publikum hatte den Chopin-Interpreten gleichsam abonniert, bei den Jüngeren und im abgehobenen Kreis des deutschsprachigen Kritikernachwuchses galt der zierliche belgisch-polnische Theodor Pollak- und Emil von Sauer Schüler als Vertreter einer konservativen Handhabe, als ein leibhaftiges Fossil vergangener Chopin-Stilistik.

→ weiter...

Neue CD-Besprechungen

"Inspiration"
Giacomo Puccini
François Campion
Felix Mendelssohn Bartholdy
Colors

Interpreten heute

  • Andreas Groethuysen
  • Yaara Tal

Neue CD-Veröffentlichungen

A Lute by Sictus Rauwolf
Visions
Christoph Graupner
De Meglio 1826

CD der Woche

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Aus dunkler Tiefe steigen schwärzeste Bass-Töne auf, formen eine Tonskala und vereinigen sich mit einer weiteren Stimme zur strengen Fuge. Die ewige ...

Heute im Label-Fokus

Tacet

The Koroliov Series Vol. XIX
Domenico Scarlatti
Wilhelm Furtwängler
Mieczysław Wajnberg

→ Infos und Highlights

Thema Klavier Solo

Giovanni Battista Pergolesi
100 Transcendtal Studies
Charles Koechlin - "... des jardins enchantes..."<br />Klavierwerke Vol. 1
Max Reger
Luisa Imorde • Zirkustänze
Beethoven

 

Weitere 51 Themen

Klassik Heute Zahl des Tages

Bei Klassik Heute finden Sie

443

Opern mit Besetzungsangaben

→ mehr Zahlen und Infos

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc