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CD-Besprechung

J.C. Kerll • A. Steffani

OehmsClassics 1 CD OC 358

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 27.01.05

OehmsClassics OC 358

1 CD • 74min • 2004

Es ist die Blütezeit der geistlichen Vokalkonzerte des Barock, die hier mit Ersteinspielungen die stil- und schulprägende Kraft der Musik von Heinrich Schütz unterstreicht. Tragende Pfeiler des Programms sind die Missa Nigra von Johann Kaspar Kerll (1627-1693), die ihren Beinamen den vielen "schwarzen" (also kleinen) Notenwerten verdankt, und daneben die mit ihren jubelnden Girlanden und virtuosen Schnörkeln an Monteverdis venezianische Opernkunst erinnernde Motette Laudate Pueri von Agostino Steffani (1654-1728). Beiden gemeinsam ist die Generalbaß-gestützte Deklamationsrhythmik, die sich als tragendes Element der Wortvertonung erweist. Dies gilt auch für die Werkauswahl aus Kerlls Motettensammlung Delectus Sacrarum Cantionum 1669. Eine mittelalterlich mystische Umdeutung vermittelt der hier erstmals überlieferte Text einer Halleluja-Motette Age plaude auf die kaum bekannte, ähnlich wie der heilige Sebastian grausam mit Pfeilen hingerichteten Märtyrerin Kyrilla: „O glorreiche Heilige, du bist von den Liebespfeilen Christi durchbohrt, du freust dich, vom Purpur des Blutes geschmückt zu werden“ (aus dem Lateinischen übersetzt).

Mit sicherem Form-, Klang- und Stilgefühl hat Gerd Guglhör als Gründer (1982) und bewährter Leiter des orpheus chores münchen die dargebotenen Sätze durch die Aufteilung in solistisch und chorisch besetzte Partien in ihrer dramatischen Wirkung und Aussagekraft erhöht. Zeitgenössische Quellen, die solche Aufführungspraxis nahelegen, mögen dabei Pate gestanden haben. Alles in allem handelt es sich um legitime, den Hörreiz plastisch steigernde Eingriffe, die auch dem konzertierenden Musiziergeist der Neuen Hofkapelle München entsprechen. Mit ihrem Namen und ihrem "Originalklang" – dank eines authentischen Instrumentariums – knüpft sie an die einst glorreiche Orlando-di-Lasso-Tradition des ausgehenden 16. Jahrhunderts an. Auch die vollständige lateinische Textbeigabe mit deutscher Übersetzungshilfe rundet die Leistung und Wirkung der künstlerisch hochkarätigen Wiedergabe dieser CD ab. Nicht zuletzt stand dem Vorhaben ein dafür mustergültig geeignetes Solisten-Ensemble schöner Stimmen zur Verfügung, dessen männlicher Altus Alan Dornak eine besondere Hervorhebung verdient. Lediglich die an besonders exponierten forte-Stellen voll ausgereizte Speichertechnik erreicht bei Silberscheibe ihre Kapazitätsgrenzen. Das kann dann schon manche schlichtere Lautsprechergarnitur in eine beängstigende Nähe zu gefährlichen Frequenzspitzen geraten lassen.

Dr. Gerhard Pätzig [27.01.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.C. Kerll Missa nigra
2 A. Steffani Delectus Sacrarum Cantionum

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
orpheus chor münchen Chor
Gerlinde Sämann Sopran
Constanze Backes Sopran
Alan Dornak Altus
Robert Sellier Tenor
Hermann Oswald Tenor
Thomas Hamberger Baßbariton
Neue Hofkapelle München Orchester
Gerd Guglhör Dirigent
 
OC 358;4260034863583

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