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CD-Besprechung

cpo 999 943-2

1 CD • 68min • 2004

19.01.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Mit 17 Vokalwerken, 14 Orgelwerken und einer Sinfonia ist das (überlieferte) Œuvre Franz Tunders zwar nicht besonders umfangreich. Indes gehört der Lübecker zu den bedeutendsten deutschen Komponisten des 17. Jahrhunderts, weil er gerade in der Vokalmusik dem italienischen Stil die Tore Norddeutschlands geöffnet hat. Zugleich war Tunder auf jenem Gebiet recht umtriebig und erfolgreich, welches man heute „Konzertmanagement“ nennt: Die traditionellen kurzen Orgelmusiken zur Marktzeit gestaltete er zu aufwendigeren Abendmusiken um, womit er die vielleicht älteste öffentliche Konzertreihe in Deutschland schuf, die übrigens unter Tunders Nachfolger und Schwiegersohn Dietrich Buxtehude weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus hohe Geltung erlangte. Die Lübecker dankten es ihrem Stadtorganisten großzügig: Von Tunders Gehalt und Sonderzuwendungen könnte heute mancher A-Kirchenmusiker nur träumen.

Zehn der siebzehn Vokalwerke sind nun auf der vorliegenden CD vereint. Im expressiven Einsatz von Chromatik (Salve, coelestis pater) und Repetitionen (O, o, Jesu, Jesu, dulcissime) sind italienische Einflüsse besonders auffällig (in der Bibliothek der Lübecker Marienkirche befanden sich zahlreiche Werke von Grandi, Rovetta und anderen Zeitgenossen); an anderen Stellen (Herr, nun lässest du deinen Diener) ist eine ähnliche Geisteshaltung zu erkennen wie bei Herinrich Schütz, dessen Werke Tunder vermutlich in Gottorf kennengelernt hatte; und in den Choralkonzerten (Ein feste Burg; Helft mir Gott’s Güte preisen; Wend’ ab deinen Zorn) greift der Komponisten schließlich Tendenzen der speziell lutherischen Kirchenmusik auf, die in direkter Linie zu Bach führen.

Eine repräsentative Auswahl also, die von Hermann Max, den sieben Vokalsolisten der Rheinischen Kantorei und dem Kleinen Konzert technisch einwandfrei und musikalisch routiniert vorgeführt wird. Das Klangbild ist klar und transparent, die Tongebung weich und geschmeidig, das Tempo stets organisch, der Gesamteindruck zunächst stimmig. Indes arbeitet Hermann Max das Spezifische dieser Musik nicht deutlich genug heraus. Das beginnt damit, daß er keinen Wert auf eine korrekte Aussprache des Lateinischen legt. Einige Konsonanten läßt er mit italienischem Akzent singen (wofür es in der norddeutschen Tradition keinen historischen Beleg gibt), andere mit deutschem Zungenschlag, und bei den Vokalen geht es drunter und drüber. Das führt zu der Frage, wie ernst der Text überhaupt genommen wird. Einzelne markante Wörter („Zorn“, „Gnad“) läßt Max zwar deutlich hervorheben, doch insgesamt fehlt seiner Interpretation der protestantische Predigtcharakter, der weniger auf Dramatik als auf Verinnerlichung zielt. So bleibt nach knapp siebzig Minuten ein „schöner“ Eindruck zurück. Gewiß wollten sich die Lübecker Bürger von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges mit schöner, möglichst italienischer Musik erholen. Doch Tunders Musik spricht eine andere Sprache: Sie ruft die Sünden der Vergangenheit und die Vergänglichkeit der Gegenwart ins Gedächtnis. Das müßte bei Hermann Max deutlicher werden.

Aus dem Beiheft dieser CD geht nicht hervor, welche Sopranistin und welcher Bassist die Soli singen. Der fundierte Einführungstext von Thomas Synofzik wertet den Gesamteindruck etwas auf.

Dr. Matthias Hengelbrock [19.01.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Tunder
1Nisi Dominus aedificaverit
2Helft mir Gott's Güte preisen
3Da mihi Domine (Solokantate)
4Wend' ab deinen Zorn, lieber Herr, mit Gnaden
5Herr, nun lässest du deinen Diener
6An Wasserflüssen Babylons
7O Jesu dulcissime
8Ein' feste Burg ist unser Gott
9Salve coelestis pater

Interpreten der Einspielung

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