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CD-Besprechung

Hungaroton HCD 32291

1 CD • 60min • 2004

02.02.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die Globalisierung macht auch vor der Musik nicht halt, der weltweit ziemlich ähnlich klingende Einheitspop zeigt es uns täglich. Es gibt jedoch auch positive Aspekte an unserer immer kleiner werden Musikwelt zu entdecken, ein sehr schönes Beispiel ist die aktuelle Aufnahme des Tokyo-Budapest Ensemble, das Schuberts Oktett eingespielt hat. Und wie Joseph Haydn einmal gesagt haben soll, daß man seine Musik auf der ganzen Welt verstehe, so ist auch die Klangsprache Schuberts eine globale geworden. So erklärt es sich, daß sich das aus sechs Ungarn und zwei Japanern bestehende Ensemble trotz der sehr unterschiedlichen Herkunftskulturen seiner Mitglieder ganz selbstverständlich als klanglich homogener und interpretatorisch stimmiger Klangkörper präsentiert.

Die sechs Sätze dieses musikgeschichtlich einmaligen Werkes werden mit ebensolcher Leichtigkeit wie Tiefe präsentiert. Am beeindruckendsten ist aber die Selbstverständlichkeit, mit der hier die einzelnen Sätze je nach ihrer Façon beleuchtet werden. Das Zusammenspiel ist homogen und in allen Parametern wie Agogik, Dynamik oder Klangfarbe hochpräzise.

Die acht Instrumente bilden insgesamt ein sehr rundes und volles Klangbild, in dem sich die Einzelstimmen dennoch gut vom Gesamtklang abheben. Dem Panorama fehlt es ein wenig an Raum, dennoch besitzen die Instrumente Luft und Plastizität.

Die Einleitung des Kopfsatzes zeigt uns ein sehr weiches, fast orchestrales Klangbild. Die Musik lässt sich viel Zeit und verströmt einen langsamen und ruhigen Atem. Gestützt auf dieses Luftholen setzt das kommende Allegro ein, dessen Beginn durch die kraftvolle organische Spielweise an den Start eines Langstreckenlaufwettbewerbes erinnert. Ohne sich zu hetzten, durchwandert die Musik ihre Takte, wobei sie sich genug Zeit lässt, um die vielen klanglichen Schönheiten auf ihrem Weg zu betrachten.

Der langsame zweite Satz mit seinem singenden Klarinettensolo zu Beginn – gespielt von Kálmán Berkes, dem Leiter des Ensembles – greift das orchestrale und in sich ruhende Klangbild der Einleitung wieder auf. Wie im Kopfsatz zeigt sich die Musik in verschiedensten Farbschattierungen und spannt so einen tönenden Regenbogen über die Zeit ihres Daseins.

Das kommende Scherzo spart nicht mit kräftig-tänzerischem Elan. Der Optimismus dieser Musik ist nicht zuletzt durch die große Dynamik auch körperlich spürbar.

Wien (oder Budapest), wie es auf alten Postkarten oder Bildern existiert, öffnet sich im vierten Satz. Hier wird der Charakter dieses Opus als im besten Sinne Unterhaltungsmusik am deutlichsten. Daß die einzelnen Variationen trotz ihrer kompositorischen und instrumentalen Raffinesse diesen volksmusikantischen Zug nie ganz aufgeben, gehört zu den schönsten Seiten dieser Aufnahme.

Das Menuetto ist ein ganz in sich ruhender Zwischensatz. Die gedämpft melancholische Stimmung, gepaart mit der Dynamik des Leisen und des Zarten, formen ihn zu einem Intermezzo, in dem die Musik vorsichtig Rückschau zu halten scheint – als ob die zuvor sprühende Leichtigkeit Momente der Dunkelheit hätte verdecken können.

Und diese dunklen Flecken treten beim Beginn des Finales dann umso unverhüllter hervor. Auch hier ist es die Feinheit der Dynamik, welche der Musik ihre Glaubwürdigkeit verleiht. Dem kraftvollen Anfang dieses Satzes stehen Streichertremoli entgegen, die in ihrem pianissimo umso so bedrohlicher wirken. Was folgt, ist zwar eine Musik voller Ausgelassenheit, sie wirkt jedoch nicht mehr so natürlich wie zuvor, sondern „nur“ mehr kunstvoll hervorgebracht. Wie sehr sich die Musiker diesen Charakter aneignen, wird durch die Detailarbeit, etwa bei 3:15 deutlich, wo die einzelnen Instrumentalstimmen plötzlich den Gesamtklang verlassen wollen, so als ob sie spürten, dass eine solche unmittelbar positiv gestimmten Musik 1824 eigentlich schon dem Tode geweiht war.

„Gibt es eine fröhliche Musik? Ich weiß von keiner.“, soll Schubert einmal gesagt haben. In dieser Interpretation wird diese Äußerung gleichsam sinnlich erfahrbar.

Robert Spoula [02.02.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Oktett F-Dur op. 166 D 803

Interpreten der Einspielung

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