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CD-Besprechung

Franz Schubert: Der Graf von Gleichen

OehmsClassics 2 CD OC 903

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 21.12.04

OehmsClassics OC 903

2 CD • 1h 47min • 2004

Unvollendet gebliebene Werke hochrangiger Komponisten reizen zur „Vollendung“. Beispiele dafür sind Mozarts Requiem, das von Franz Xaver Süßmayr vervollständigt wurde, Alban Bergs Lulu, die Friedrich Cerha um einen dritten Akt erweiterte oder Puccinis Turandot, die nach Franco Alfano ein zweitesmal Luciano Berio komplettiert hat. Gleiches widerfahren ist nun Schuberts Opernfragment Der Graf von Gleichen, an dem der Komponist bis zu seinem Tode arbeitete. Nun hat der österreichische Komponist Richard Dünser (Jg. 1959) aus dem Torso – zu 26 Nummern gibt es Skizzen in unterschiedlichem Ausführungsstadium, manches ist völlig unleserlich, das Finale fehlt ganz – ein vollständiges Werk zu rekonstruieren versucht. Wobei die Bezeichnung „Rekonstruktion“ nicht ganz korrekt ist, denn Dünser hat absichtlich nicht „schubertisch“ instrumentiert, sondern so, wie er es mit eigener Musik für ein heutiges Orchester tun würde. Das Hauptproblem war das nicht existierende Finale. Hier entschied sich der musikalische Restaurator gegen die Extreme: weder reines Schubert-Imitat noch pure eigene Musik. Vielmehr lässt er Schuberts musikalisches Idiom noch anklingen und stellt es im Zuge der sich zuspitzenden, immer seltsamer werdenden Handlung heutiger Musik gegenüber und überlagert sie. Am Schluss steht ein „gebrochenes“ Zitat aus der Winterreise. Auch Schubert selbst hat aus dem Zyklus Musik für seine Oper (Die Nebensonnen im Duett Graf-Gräfin, 2. Akt) entlehnt und mit neuem Material verwoben und verlängert. Das Libretto von Schuberts Freund Eduard von Bauernfeld basiert auf einem Stoff aus Johann August Musäus’ Volksmärchen der Deutschen. Erzählt wird die Geschichte des verheirateten Grafen von Gleichen, der auf einem Kreuzzug in Kairo in Gefangenschaft gerät und dort die Prinzessin Suleika kennen und lieben lernt. Freigelassen, nimmt er sie in die Heimat mit und überzeugt nicht nur seine Frau, seine Liebe mit Suleika zu teilen, sondern erwirkt auch noch die päpstliche Erlaubnis, die zum Christentum übergetretene Suleika als zweite Frau zu nehmen. Trotz ihrer kruden Züge inspirierte diese Handlung den Komponisten zu einer großartigen Musik, die das künstlerische Niveau seiner späten Werke teilt. Die im Schubert-Jahr 1997 während der Grazer „Styriarte“ konzertant uraufgeführte Rekonstruktion, die 2003 im Bregenzer Festspielhaus in einer Neufassung gegeben wurde, lebt vom durchgängig frischen, jugendlichen Klang der eingesetzten Stimmen und vom unbekümmerten interpretatorischen Zugriff des Dirigenten. Das engagierte, lebendige Spiel des Symphonieorchesters Vorarlberg tut ein übriges, um diese musikhistorische Rettungstat auch künstlerisch zu legitimieren.

Kurt Malisch † [21.12.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schubert Der Graf von Gleichen

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Florian Boesch Graf - Bariton, Sultan - Bariton
Cornelia Horak Suleika - Sopran
Letizia Scherrer Gräfin - Sopran, Fatime - Sopran
KornmarktChor Bregenz Chor
Symphonieorchester Vorarlberg Orchester
Christoph Eberle Dirigent
 
OC 903;4260034869035

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