
Naxos 8.559135
1 CD • 52min • 2000, 2002, 2003
09.12.2004
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Der Wert dieser sechsten und letzten Folge aller Orchesterwerke Samuel Barbers (leider ohne die großen Werke für Chor und Orchester wie Prayers of Kierkegaard) liegt nicht zuletzt in der Fülle unbekannter Kostbarkeiten. Endlich können Musikfreunde diese Werke, die zuvor nur in schwer erhältlichen Einspielungen vorlagen, in einer insgesamt gut gelungenen Edition leicht erhalten.
Eine Anmerkung hinsichtlich der Zusammenstellung der Produktion: Die Mutations from Bach über den Choral Christe du Lamm Gottes hätte man direkt mit dem Capricorn Concerto verbinden können, das ja unmittelbar auf Bachs zweites Brandenburgisches Konzert anspielt. Statt dessen ist zwischen diese beiden Werken die zehnminütige Kurzoper A Hand of Bridge eingeschoben, deren vier Gesangssolisten unhöflicherweise nirgends namentlich erwähnt sind. Auch dramaturgisch ist es nicht sehr kurzweilig, mit den Mutations, dem Intermezzo aus der Oper Vanessa, der Canzonetta aus dem nicht mehr vollendeten Oboenkonzert sowie dem beeindruckenden Fadograph nach Finnegan’s Wake von James Joyce vier langsame Sätze in Folge zu hören. Wer Barbers Musik nicht kennt, mag hier leicht wegdriften.
Das Spiel des Royal Scottish National Orchestra lässt manchmal zu wünschen übrig, manches klingt insbesondere in den Streichern ungeprobt (vergl. etwa die unhomogenen Violin-Passagen in Tr. 8). Es stellt sich der Eindruck eines routinierten Musizierens ein – sieht man einmal von der zu Herzen gehenden Canzonetta ab, was auf das Konto des vorzüglichen Oboensolisten Stéphane Rancourt geht. Mit Capricorn hat Barber eine ungemein bockige eigene Sinfonia Domestica geschrieben, denn er parodiert darin sowohl barocke Concerti Grossi wie auch Richard Strauss, und der Titel spielt auf den Namen des Hauses an, in dem Barber mit seinem Lebensgefährten Gian Carlo Menotti und einem gemeinsamen Adoptivsohn lebte. Leider bleibt von der Ironie des Werkes in dieser Einspielung nicht viel übrig, zumal sich die wie ein Concerto geführten drei Solisten räumlich nicht genug vom Streicher-Ripieno abheben. Wer eine wirklich mitreißende Aufführung dieses Werkes hören möchte, sei verwiesen auf die historische Einspielung mit Solisten und Streichern der Berliner Philharmoniker unter Sergiu Celibidache aus dem Jahr 1950 (z. B. auf IMC/Audiophile Classics APL 101.523).
Dr. Benjamin G. Cohrs [09.12.2004]
Anzeige
Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Samuel Barber | ||
1 | Capricorn Concerto op. 21 | |
2 | A Hand of Bridge | |
3 | Mutation from Bach »Christe, Du Lamm Gottes« | |
4 | Intermezzo (aus: Vanessa) | |
5 | Canzonetta für Oboe und Streicher | |
6 | Fadograph of a Yestern Scene |
Interpreten der Einspielung
- Stéphane Rancourt (Oboe)
- John Gracie (Trompete)
- Karen Jones (Flöte)
- Royal Scottish National Orchestra (Orchester)
- Marin Alsop (Dirigent)