Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-Dur

Supraphon 1 CD SU 3693-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 11.11.04

Supraphon SU 3693-2

1 CD • 79min • 1966

Karel Ancerl und der Tschechischen Philharmonie gelang 1966 eine der intensivsten, zugleich „böhmischsten“ Einspielungen von Mahlers neunter Sinfonie. Sie ähnelt in Klangeindruck, Akkuratesse, Eleganz und Schlankheit der Phrasierung den legendären historischen Einspielungen unter Bruno Walter und Mitropoulos, übertrifft diese aber noch an emotionaler Intensität, auch wenn Ancerl dem finalen Adagio nicht den letzten Tropfen abringen mochte wie Leonard Bernstein in dem legendären Live-Mitschnitt mit den Berliner Philharmonikern. Zudem fehlt der grotesken Burleske (Tr. 3) hier – anders als bei Bernstein – das letzte bisschen Rücksichtslosigkeit. Und schließlich finde ich es bedauerlich, daß Ancerl auf die traditionelle antiphonale Teilung der Violinen verzichtet hatte, zu der sich immerhin sogar James Levine in seinem jüngst bei Oehms vorgelegten Live-Mitschnitt mit den Münchner Philharmonikern bekannt hat. In der Neunten ist dies besonders wichtig, weil Mahler diese Aufteilung zur Verdeutlichung einer Dramaturgie nutzt: Die ersten drei Sätze beginnen die Melodie in den zweiten Violinen, während erst im Anfangsthema des Finale beide Geigengruppen unisono zusammengeführt werden – ein Symbol für verkehrte Welt und Utopie.

Andererseits gelang es Ancerl jedoch auf einzigartige Weise, die Bedrohlichkeit der jenseitigen Welt herauszustellen. Man höre, wie im Kopfsatz das Unheil in die Welt bricht (Tr. 1, ca. 6’11). Die Pauken klingen mit ihrem Thema wie ein Negativ-Image der Gralsglocken; die Streicher spielen die Seufzer „tot“ ohne Vibrato; die Posaunen kommen mit tödlichem Nachdruck (6’52); die Baßklarinette murmelt böse (7’04). Derart realisierte Details von Mahlers fragiler, psychologisch anmutender Instrumentation machen die Aufnahme unglaublich spannend, Ancerls Musizieren läßt einen bis zur letzten Minute nicht los. Toningenieur Stanislav Sykora gelang hier mit dem 24Bit-Remastering unter Mithilfe des CEDAR-Restaurations-Systems ein kleines Wunder: Die Aufnahme klingt sehr präsent und natürlich.

Dr. Benjamin G. Cohrs [11.11.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Mahler Sinfonie Nr. 9 D-Dur

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Tschechisches Philharmonisches Orchester Orchester
Karel Ančerl Dirigent
 
SU 3693-2;0099925369323

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

Impressum Kontakt AGBs Datenschutz Haftungsausschluss Mediadaten Sitemap

© Klassik Heute GbR

jpc