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CD-Besprechung

Aeon AECD0421

1 CD • 61min • 2003

05.11.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Andreas Staier wagt und plaziert hier ein Projekt, dessen schöpferischer Hintergrund und dessen darstellerische Impulse dem Hörer einerseits Einhalt gebieten im schnellen Konsum des Althergebrachten, andererseits wird er gezwungen, sich mit den beiden Autoren – Schubert und Pauset – und mit dem Interpreten auf eine interessante, ja abenteuerliche Reise zu begeben. Der literarische Sachverhalt sei knapp geschildert! Dem französischen Komponisten Brice Pauset (Jg. 1965) wurde aufgetragen, ein neues Stück für einen Hammerflügel Wiener Bauart zu verfassen – und dies im Spannungsfeld, gleichsam im akustischen Widerschein, in erschauernder Verehrung einer Schubert-Klaviersonate (und nicht zu einer Violinsonate, wie im Begleitheft einmal fälschlich behauptet!). Entstanden ist ein Wechsel-, ein Schattenspiel von hoher assoziativer Empfindsamkeit und materieller Bezüglichkeit. Schuberts kapitale, trotz all ihrer klanglichen und motivischen Grenzwertigkeiten „klassisch“ geformte a-Moll-Sonate (D 845) wird von den beiden „Movements“ der Pausetschen Kontra-Sonate eingerahmt. Man könnte an einen Diamanten aus der fernen und zugleich nahen Vergangenheit des 19. Jahrhunderts denken, der im Sinne des Heutigen eine neue Heimstätte gefunden hat: ein Schmuckstück nicht zum Repräsentieren, sondern dienlich der Auseinandersetzung mit den Grundfragen der musikalischen Rezeption und der kreativen Selbstbehauptung im Ringen um das je Wahrhafte im Reizklima des Zeitgemäßen und des Zeitgenössischen.

Staier spielt die Musik Schuberts und Pausets auf einem Instrument von Christopher Clarke in Anlehnung an einen Conrad Graf-Flügel aus dem Jahr 1827. Unter seinen denkenden und fühlenden Händen entfaltet sich eine Welt der bald grüblerischen, bald peinigenden Sinnlichkeit – und es gelingt ihm, von den ersten, langwierigeren Mutmaßungen der Kontra-Sonate über die zerklüftete Welt der a-Moll-Sonate bis hin zum knapperen Quasi-Epilog Pausets eine enorme Spannung aufzubauen. In Nachbarschaft etwa zu den Schubert-Betrachtungen Hans Zenders (Winterreise – eine komponierte Interpretation), den orchestralen Schubert-Spekulationen Luciano Berios (Rendering) oder Lachenmanns Schubert-Variationen scheint mir diese Arbeit eine der wichtigsten zu sein, sofern es einem lebenden, leibhaftigen Komponisten auferlegt ist, in die Welt Schuberts einzutauchen oder auch nur ein Stück des Weges auf Schuberts Spuren zu wandeln.

Peter Cossé † [05.11.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Brice Pauset
1Kontra-Sonate (1999/2000)
Franz Schubert
2Klaviersonate a-Moll op. 42 D 845

Interpreten der Einspielung

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