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CD-Besprechung

J. Brahms

harmonia mundi 1 CD HMU907339

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 03.11.04

harmonia mundi HMU907339

1 CD • 72min • 2003

Den früheren Gewinnern des texanischen „Van Cliburn“-Wettbewerbs ist zumeist eine prompte, steile, medial gefeierte Karriere beschieden gewesen, aber auch das Schicksal der begrenzten Nachhaltigkeit. Besonders bedauernswert unter diesen Umständen der künstlerische Lebensweg des russischen Pianisten Sultanov. Deshalb ist es umso erfreulicher, wenn von der Entwicklung des Goldmedaillen-Gewinners von 1997, dem Kalifornier Jon Nakamatsu, Bemerkenswertes, vor allem aber auch Beständiges zu berichten ist. Produktionen für Harmonia mundi mit populären Stücken von Rachmaninoff und Chopin, aber auch mit selten zu hörenden Werken von Wölfl und Lukas Foss bestätigten weitreichende Interessen des gelernten Deutschlehrers(!), ungeachtet eines fulminanten pianistischen Kapitals an der Obergrenze dessen, was man in den letzten Jahrzehnten von belastbaren, ungemein sauber spielenden und über die Tasten fegenden Interpreten erwarten darf und auch gewohnt ist.

Wenn sich Nakamatsu nun der frühen, fünfsätzigen f-Moll-Sonate von Brahms zuwendet – und diesem fünfsätzigen Monster an Wucht, Sentiment, Akkordfülle und motorischer Triebkraft im Scherzo und in der Schlussentfaltung Richtung, Farbe und Aroma zu verleihen sucht –, dann gilt es seine Übersicht schon in der Behandlung des allzu oft bis zur Unkenntlichkeit gepresst herausgebeutelten Hauptthemas zu würdigen. Alles, was Nakamatsu hier samt den Oktavserien anpackt und vorlegt, hat Sinn, Richtung, Verve, wirkt kontrolliert im Sinne einer Verfügbarkeit des gerade Gewesenen, des Augenblicklichen und des zu Erwartenden. Vielleicht hätte sich dieser kluge Klaviermusik-Regisseur für die letzte dynamische und expressive Steigerung gegen Ende des zweiten Satzes noch mehr Stauraum, noch mehr an klangpsychologischer Reizbarkeit vornehmen sollen (ich denke hier an die unvergleichliche Katchen-Einspielung, aber auch an die visionären, keinesfalls muskulösen Überkräfte eines Kempffs!), doch ändert dies nichts an einer anerkennenswerten Darlegung des frühen Brahms’.

Im Bereich des späten Brahms löst Nakamatsu alle Aufgaben im Bereich der charakterlichen, rhapsodischen Eindeutigkeit mit Bravour und sicherem Blick für das Nächstliegende. Gleitende, schwebende, grazile, entmaterialisierte, eher fragend denn antwortend ausgelegte Stücke wie das Intermezzo op. 119,4 werden von ihm (vorerst?) rein klavieristisch, ohne Hintergründigkeit, also sehr real wiedergegeben. Hier wird sich Nakamatsu erst einleben, wird er diese Geheimsprache erst erlernen müssen.

Vergleichsaufnahmen: Katchen (Decca), Kempff (DG)

Peter Cossé † [03.11.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Brahms Klaviersonate Nr. 3 f-Moll op. 5
2 Fantasien op. 116 (1892)
3 Vier Klavierstücke op. 119

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Jon Nakamatsu Klavier
 
HMU907339;0093046733926

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