Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Karol Szymanowski – Complete Songs for Voice and Piano

Karol Szymanowski – Complete Songs for Voice and Piano

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 22.11.04

Channel Classics CCS19398

4 CD • 4h 24min • P 2004

Begrüßenswert ist an dieser Produktion zunächst einmal ihre pure Existenz. Die Veröffentlichung sämtlicher Lieder von Karol Szymanowski einschließlich der alternativen Vertonung des Titels Der einsame Mond aus den Liedern der Märchenprinzessin op. 31 und der Werke ohne Opuszahl, das ist schon eine beachtliche Unternehmung, die eigentlich rundum zu loben wäre: Immerhin finden wir in dieser Gattung das Konzentrat aller stilistischen Wandlungen und Pendelschläge, die den Komponisten vom schier beängstigenden Dickicht der frühen Hyperkontrapunktik bis zu den schlichten Zwanzig Kinderliedern op. 49, von den exotischen Traumwelten der Lieder des verliebten Muezzin oder der Hafis-Gesänge bis zu den spröden, ausgedünnten James Joyce-Vertonungen op. 54 und den Volksliedbearbeitungen der Lieder aus Kurpie op. 58 geführt haben.

Und die Edition ist nicht nur vollständig, sondern auch klug angelegt, da man auf die chronologische Belehrung verzichtet und sich mit den Interpreten auf unabhängige Programme verständigt hat, die den spezifischen Fähigkeiten der Stimmen recht gut zugeordnet sind. Ich kann allerdings nicht verhehlen, daß sich mir diese Kapazitäten einigermaßen ungleichgewichtig darstellen: Szymanowski hat nun einmal nicht nur polnische, sondern auch deutsche, englische, französische und russische Texte vertont und damit jedem potentiellen Interpreten gehörige Probleme aufgegeben, wie unschwer zu hören ist. Sogar der bemerkenswert gut verständliche Piotr Beczala verfällt mit seinen Spitzentönen bei Dehmel, Bierbaum und anderer Poesie deutscher Zunge in eine gewisse Rauheit, während er dasselbe Register in seiner Muttersprache spielend beherrscht. Was hier noch kaum nennenswert zu Buche schlägt, erweist sich aus der Gesamtschau als der musikalische Schwachpunkt der Produktion – ein qualitatives Ungleichgewicht, das weniger zwischen den vier Vokalisten als vielmehr innerhalb der einzelnen Programme zu beobachten ist. Es gibt hinreißend schöne Momente in den Fünf Gesängen op. 13 (Beczala), in den Liedern des Muezzin (Gondek), den Liebesliedern des Hafis op. 24 (Kryger) und der Naivität der Kinderlieder op. 49 (Sobotka); doch geschieht es immer wieder, daß neben den genannten und vielen andern Schönheiten ganz unvermittelt nebulöse, leicht heisere Töne erklingen und nach Augenblicken subtiler Intensität jählings die ausgefeilten Vortragsbezeichnungen völlig ignoriert werden: Das muß zwar nicht überall so weit gehen wie am Ende des James-Joyce-Liedes Lean out of the window op. 54 Nr. 7, wo die Sängerin auf einmal das diminuendo vom pp zum ppp und die Anweisung très lontain außeracht läßt; die angesichts des ambitionierten Vorsatzes auffallende Nachlässigkeit im Umgang mit den notierten Vorgaben ist aber nicht hinwegzureden.

Diesen Vorwurf wird sich ganz besonders die Pianistin gefallen lassen müssen. Zugegeben, Szymanowskis Klaviersatz ist, wenn wir von den Kinderliedern und dem bewußt ausgedünnten Schaffen der späteren Jahre absehen, eine Aneinanderreihung von Teufeleien rhythmischer, kontrapunktischer und artikulatorischer Art (womit er natürlich in seiner Zeit nicht allein stand). Gleichwohl rechtfertigt die Idee einer Gesamteinspielung nicht die Zahl der pauschalisierenden Kompromisse, die offensichtlich selbst dort eingegangen wurden, wo die stimmlichen Leistungen – wie etwa im Falle des verliebten Muezzin oder den Drei Liedern nach Dawydow op. 32 – kaum Anlaß zu Zweifeln geben. Daß es auch am Klavier anders hätte gehen können, beweisen ganz besonders die Sechs Lieder op. 20 und die posthum erschienene Bethge-Vertonung Das Grab des Hafis, bei deren Aufnahme sich die Begleiterin anscheinend von Urszula Krygers voller, großer und ruhiger Stimme hat motivieren lassen.

Ungeachtet der genannten Einschränkungen und einiger texteditorischer Ungenauigkeiten im (englisch-polnischen) Booklet sei die Veröffentlichung all jenen Musikfreunden empfohlen, die im Liedschaffen des Karol Szymanowski nicht nur den Hauptstrang seines musikalischen Lebensweges sehen, sondern darin auch einen schwergewichtigen Beitrag zum Lied des 20. Jahrhunderts hören und den unbedingt vorhandenen Repertoirewert über die Details der Realisation zu stellen bereit sind.

Rasmus van Rijn [22.11.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 K. Szymanowski Sechs Lieder op. 2 (1900/1902)
2 Three Fragments from Poems by Jan Kasprowicz op. 5
3 Labedz op. 7
4 Four Songs op. 11
5 Soldier's Songs (1920)
6 Young Highlanders desend, singing (1924)
7 Fünf Gesänge op. 13
8 Three Songs op. 32 (1915)
9 Bunte Lieder op. 22 (1910)
10 Lieder des verliebten Muezzins op. 42
11 Sieben Lieder op. 54 (1926)
12 Kurpian Songs op. 58 (1930/1932)
13 Sechs Lieder op. 20 (1909)
14 Des Hafis Liebeslieder op. 24 (1911)
15 Das Grab des Hafis
16 Vier Lieder op. 41 (1918)
17 Zwölf Lieder op. 17 (1907)
18 Songs of the Fairy Princess op. 31 (1915)
19 Slopiewnie op. 46b (1921)
20 Three Lullabies op. 48 (1922)
21 Children's Rhymes op. 49 (1922/1923)
22 Vocalise-Étude (1928)
23 Lonely Moon op. 31 Nr. 1a

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Piotr Beczala Tenor
Juliana Gondek Sopran
Ursula Kryger Mezzosopran
Iwona Sobotka Sopran
Reinild Mees Klavier
 
CCS19398;0723385193982

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc