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CD-Besprechung

Carl Schuricht

dirigiert Bruckner

Carl Schuricht

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 10.02.05

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SWRmusic 93.147

1 CD • 78min • 1950, 1953

Der hier veröffentlichte live-Mitschnitt von Bruckners populärer siebter Sinfonie (Stuttgart, 6. 3. 1953, mono) folgt im wesentlichen dem Text der Bruckner-Gesamtausgabe, herausgegeben von Robert Haas – eine für Bruckner-Liebhaber wichtige Information, die im Booklet leider fehlt. (Mit der Angabe „Bruckner Verlag GmbH Leipzig“ können nur Forscher etwas anfangen, und so würde man sich in solchen Detailfragen gründlichere Recherche als nur den Blick in die Produktions-Akten wünschen).

Carl Schuricht war zweifellos einer der großen Bruckner-Pioniere, wie diese Veröffentlichungen der Sinfonien 4, 5 und 7 bis 9 aus den SWR-Archiven belegen. Ähnlich souverän wie Eugen Jochum handhabte Schuricht die monumentalen Partituren mit großer Flexibilität der Tempi und enorm starken Ausdruckskontrasten. Ein interessanter, versachlichender Gegenpol zu diesem Ansatz sind übrigens die ebenfalls im SWR-Archiv befindlichen Studioproduktionen, die zur gleichen Zeit in Baden-Baden Hans Rosbaud aufgenommen hat – es wäre schön, wenn Hänssler Classics auch diese bedeutenden Dokumente veröffentlichen könnte (erhalten sind die Sinfonien 2 bis 9, die man mit einem hinreißenden Mitschnitt der Ersten unter Ernest Bour schön ergänzen könnte). Auch das Stuttgarter Rundfunkorchester kann sich auf eine lange Bruckner-Tradition berufen, die später von Sergiu Celibidache kongenial fortgeführt werden sollte. Bruckner-Fans sind für diese Veröffentlichungen dankbar, die zwar in unterschiedlichen Tonqualitäten seit Jahren auf Raritätenlabels kursieren, nun aber im SWR von Irmgard Bauer und Dietmar Wolf noch einmal remastered worden sind. Leider war der Zustand der Bänder offenbar sehr unterschiedlich und teilweise sehr schlecht; darauf deuten manche kleinen Heuler und Phasenverschiebungen, die sich wohl nicht mehr korrigieren ließen. Umso dankbarer muß man für die Erhaltung dieser Dokumente sein.

Die siebte Sinfonie beginnt gewohnt weihevoll, mit dem als Adagio interpretierten Hauptthema (Viertel = 84 mit zusätzlichen Dehnungen; vergl. dazu Bruckner: ‘allegro moderato’) und für mein Empfinden zu sentimental und den Entwicklungsprozessen des Satzes abträglich: Wenn man dieses Thema nicht „in statu nascendi“, sondern bereits in höchster Erfüllung inszeniert, wo kann es dann eigentlich noch hingeführt werden? So fällt der erste Satz hier auseinander, auch wenn Schuricht bemüht war, durch flüssige Tempi im zweiten und dritten Thema der Epik des Hauptthemas einen Kontrast entgegenzusetzen. Hätte doch der gesamte Satz die herrlich vorwärtsdrängende Glut des Seitenthemas z. B. ab Tr. 1, 3’18! Solche Passagen sind es, die den Hörer bei Schurichts Interpretationen immer wieder begeistert aufhorchen lassen. Im Adagio zieht Schuricht die Pauken hinzu, läßt aber das von Dirigenten kontrovers aufgefaßte, von Bruckner nachträglich hinzugesetzte Schlagwerk (Triangel und Pauken) weg. Hier gefällt das vergleichsweise flüssige Anfangstempo – für sich genommen eine wunderbare, geschlossene Interpretation dieses Satzes. Fantastisch ist das feurig züngelnde Scherzo, das mit 8’22 Spieldauer gut zwei Minuten unter dem üblichen Durchschnitt liegt, aber den dramatischen Charakter des Satzes unterstreicht, der meiner Meinung nach Bruckners Schreckenserlebnis beim Brand des Ringtheaters in Töne malt (man könnte das Rufthema der Trompete ohne weiteres als den „roten Hahn“ interpretieren; außerdem begann Bruckner die Sinfonie unüblicherweise mit dem Scherzo). Auch das Trio hält das flüssige Tempo, ist nicht so larmoyant wie sonst und bekommt dadurch eine traumartig-visionäre Leichtigkeit. Das Finale hält das sehr hohe Niveau dieser Aufführung, die – abgesehen vom 1. Satz – meines Erachtens einer der bedeutendsten live-Mitschnitte der Siebten überhaupt ist. Die Wagner-Beigaben sind ebenfalls äußerst intensiv und spannend musiziert; schön auch, daß man endlich einmal wieder der rein orchestralen Bearbeitung des Liebestod begegnen darf, der heute unter Dirigenten geradezu verpönt zu sein scheint.

Dr. Benjamin G. Cohrs [10.02.2005]

Bechsteinkonzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Bruckner Sinfonie Nr. 7 E-Dur WAB 107 01:00:04
5 R. Wagner Vorspiel 1. Akt (aus: Tristan und Isolde) 00:11:26
6 Isoldes Liebestod (aus: Tristan und Isolde) 00:06:51

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR Orchester
Carl Schuricht Dirigent
 
93.147;4010276016953

Bezug über Direktlink

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