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CD-Besprechung

G. Tveitt

BIS 1 CD 1397

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 19.07.04

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BIS 1397

1 CD • 81min • 2001, 2002, 2003

Im Grundsatz lässt sich über die hier vorliegende Einspielung der Klavierkonzerte Nr. 1 und Nr. 4 von Geirr Tveitt dasselbe sagen wie zu der kürzlich rezensierten Aufnahme des fünften Konzerts und der Variationen für zwei Klaviere und Orchester: Die lyrischen Elemente der oftmals betörend schönen Musik sind auch bei dem Team um Ole Kristian Ruud in guten Händen, doch wenn sich unter der nuancenreich gleißenden Oberfläche die Abgründe nicht näher genannter Urgewalten auftun, bleibt man in Stavanger ein wenig zu distanziert, was kaum zu glauben ist, wenn man bedenkt, welch kesse, moderne Truppe da eigentlich am Werke ist.

Die Produktion hat dennoch große Meriten, und das vor allem wegen der Aufnahme eines ganz eigentümlichen, zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftigen Werkes: The Turtle (Die Schildkröte) heißt das dritte Kapitel aus John Steinbecks Roman Früchte des Zorns, und genau dieses Kapitel hat Geirr Tveitt komplett für Mezzosopran und Orchester gesetzt – ein heikles Unterfangen, denn zwei eng bedruckte Buchseiten Prosa können sich ganz schön in die Länge ziehen, und das desto mehr, wenn es darin keinerlei Dialoge oder Rollenspiele gibt. In der knapp dreißigminütigen Erzählung werden wir Zeuge eines unglaublichen Abenteuers: Eine Schildkröte mit „alten lustigen Augen“ kriecht irgendwo aus dem Gras „am Rande der großen Asphaltstraße“, klettert mit vieler Mühe empor, rutscht ab, kugelt zurück, krallt sich ein, erreicht schließlich die Straße, wird von einem mordlüsternen LKW-Fahrer nicht mittig, sondern nur am Rande des Panzers getroffen, fliegt „wie ein Plättchen beim Schnippspiel“ zur Seite, rafft sich auf, kommt wieder auf die Füße und verläßt die Straße, indessen die alten lustigen Augen geradeaus blicken ...

Lebens- und Überlebenswille, Zielstrebigkeit, Hartnäckigkeit und ein dicker Panzer, das sind die Merkmale des klugen Tieres mit dem lustigen Augen. Eben dieses zähe, unnachgiebige Voranstreben aber ist es, das Geirr Tveitt in sein sogenanntes Schildkrötenlied hineinpraktiziert hat. Es wirkt da eine Kraft, die anfangs noch unorganisiert, formlos, lediglich in groben rhythmischen Impulsen (und beim ersten Hören verwirrend) erscheint; doch schon bald zeigt sich, wohin diese Kraft strebt: Vorwärts! Die mannigfachen Hindernisse, die Gefahren und dramatischen Bedrohungen werden zu klingenden Etappen, die erzählende Melodielinie der bewundernswerten Solistin bildet mehr und mehr jene „wellige Spur“, die der gepanzerte Protagonist auf seinem Weg über alle Fährnisse hinweg zieht. Ein eigenartiges, abenteuerliches Stück Musik, dessen Schönheiten sich – welch Wunder! – langsam, aber desto beharrlicher offenbart.

Rasmus van Rijn [19.07.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Tveitt Klavierkonzert Nr. 1 F-Dur op. 5 (1928)
2 The Turtle für Mezzosopran und Orchester (Die Schildkröte)
3 Klavierkonzert Nr. 4 op. 130 (Aurora Borealis, 1947)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sveinung Bjelland Klavier
Ingebjørg Kosmo Mezzosopran
Hakon Austbø Klavier
Stavangar Symphony Orchestra Orchester
Ole Kristian Ruud Dirigent
 
1397;7318590013977

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