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CD-Besprechung

G. Crumb

Bridge 1 CD 9139

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 21.04.04

Klassik Heute
Empfehlung

Bridge 9139

1 CD • 58min • 2003, 2002

Das kleine amerikanische Label Bridge Records hat es sich zu seiner großen Aufgabe gemacht, sämtliche Werke des Komponisten George Crumb auf CD an die Öffentlichkeit zu bringen. Und es gibt kaum einen Zeitgenossen, der dies mehr verdient hätte als der stille Mann aus West-Virginia.

Bei der siebten CD ist Bridge jetzt angelangt; sie vereint zwei Werke, die 30 Jahre auseinander liegen: Black Angels (1970) für elektrisch verstärktes Streichquartett und Unto The Hills, ein Zyklus von Volksliedern aus Virginia, der in den Jahren 2001/02 entstand. Das ist bemerkenswert, denn mit Ausnahme weniger Stücke hat George Crumb in den letzten zehn Jahren kaum komponiert. Unto the Hills ist nach langer Zeit wieder ein längeres, fast 40 Minuten dauerndes Stück.

Crumb verwendet darin existierende Melodien, eben jene der Volkslieder, und er tastet sie kaum an. Schon in das 1994 entstandene Werk Quest hatte er mit Amazing Grace eine vollständige Volksliedmelodie eingearbeitet – ein Hinweis auf Kommendes, denn Unto The Hills wird als American Songbook III bezeichnet. Es ist jedoch der als erstes komponierte Zyklus von insgesamt vier »Songbooks«, von denen zwei weitere bereits abgeschlossen sind.

Eines der Wunder bei Unto the Hills ist, dass die Melodien in ihrer bewegenden Schlichtheit vollkommen erhalten bleiben, Crumb aber seinem Stil ganz treu bleibt. Das teilt sich schon in den eröffnenden Klängen von Poor Wayfaring Stranger mit, die eine dunkle Atmosphäre heraufbeschwören, in die hinein die Singstimme einsetzt. Ihre zauberhafte Melodie wird von zahlreichen Perkussionsinstrumenten eingefasst, kommentiert, veranschaulicht, intensiviert, sehr zurückhaltend, aber umso effektiver. Die Melodie ist die Hauptsache. Und obwohl auch hier die typisch Crumb’sche Melancholie überall zu spüren ist, in den arachisch-einfachen Texten viele seiner Themen wie Einsamkeit, Tod, Erlösung anklingen, handelt es sich geradezu um heitere, humorvolle Stücke. In ihnen wird eine hochbewußte Einfachheit kultiviert, in der Brüche und Probleme aufgehoben sind, verschwinden, sich gleichsam die Übereinstimmung mit der Natur wieder herstellt. Das bedeutet konkret einen sparsamen Einsatz der vielen verschiedenen Perkussionsinstrumente, klare Proportionen, vollkommene Nachvollziehbarkeit für den Hörer bei äußerster Ausdrucksintensität. Wie Ann Crumb die ersten Worte von Black is the Colour intoniert, das dreimalige »black« subtil steigert und mit Verzweiflung auflädt, ist sensationell und ausserordentlich bewegend.

Ann Crumb, die Tochter des Komponisten, Schauspielerin und Sängerin, ist die perfekte Interpretin für diese zauberhaften – in der doppelten Bedeutung – Stücke. Ihrer geschulten, am Broadway eingesetzten Stimme fehlt jene Manieriertheit, wie sie häufig die Wiedergabe einfacher Melodien durch hoch ausgebildete Stimmen zur Qual macht. Ann Crumb gibt den Melodien gerade jene »Erdhaftigkeit«, derer sie bedürfen.

George Crumb war immer ein äußerst bewusster Komponist, schon seine makellos geschriebenen Partituren machen seine Absichten ganz klar. Diese Stücke nun sind von minutiös kalkulierte Natürlichkeit, gewissermaßen das Ergebnis seiner Erfahrungen, verbunden mit etwas, was man altersweise Gelassenheit nennen könnte.

Dass er auch anders konnte, zeigt Black Angels, ein wildes, virtuoses, dabei streng durchstrukturiertes Stück, das präexistente Musik – Schubert, Dowland, Tartini etwa – ebenso einbezieht wie experimentell-surrealistische Elemente. Die Aufführung durch das Miró Quartet ist die beste mir bekannte und die Klangqualität superb.

Dr. Sören Meyer-Eller [21.04.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Crumb American Songbook III für Sopran, Percussion Quartet und verstärktes Klavier (Songs of Sadness, Yearning and Innocence, 2002)
2 Black Angels - Thirteen Images from the Dark Land

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ann Crumb Sopran
Orchestra 2001 Ensemble
James Freeman Dirigent
The Miró Quartet Streichquartett
 
9139;0090404913921

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