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CD-Besprechung

Monodia

Monodia

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 14.09.04

ECM 472 784-2

2 CD • 81min • 2001/2002

Tigran Mansurian zählt heute zu den international bekanntesten zeitgenössischen Komponisten Armenies. Die kleine Kaukasus-Republik kann auf eine jahrtausendealte christliche Tradition und Kultur zurückblicken und brachte große Künstlerpersönlichkeiten hervor, wie etwa die Komponisten Komitas, Aram Chatschaturjan (Säbeltanz) oder den Filmemacher Sergej Paradzhanov.

1939 als Sohn armenischer Eltern im Libanon geboren, lebt Mansurian seit 1947 wieder in Armenien. Als Komponist ist er handwerklich mit den Errungenschaften der westlichen Avantgarde zwar bestens vertraut, geht aber in seiner Musik eigene Wege, die ihre Inspiration oft aus der traditionellen Architektur und der Volksmusik seiner Heimat bezieht.

Unter dem Titel „Monodia“ liegt nun auf dem ECM-Label eine Doppel-CD vor, die einen Querschnitt aus Mansurians konzertantem und kammermusikalischem Schaffen der letzten zwanzig Jahre präsentiert. Drei der vier eingespielten Werke sind der Bratschistin Kim Kashkashian gewidmet, die armenischer Abstammung ist.

Zu Beginn steht das 1995 komponierte Bratschenkonzert …and then I was in time again, ein Werk von ernstem, elegischem Ton, starke, eindringliche Musik im Spannungsfeld von fahler, diffuser Farbgebung, glutvollen Orchesterpassagen und der kraftvollen Expressivität des Soloinstruments. Mansurians Violinkonzert von 1981 ist das älteste Werk der Einspielung und entstand für Oleg Kagan. Es ist ein eher melancholisches, stilles Stück mit umfangreichen Solokadenzen, kammermusikalischen Episoden, ebenso aber auch kontrastierenden dramatischen Steigerungen. Das konzise, 1999 entstandene Duett für Sopran-Saxophon und Viola Lachrymae bezieht seine Kraft unter anderem aus der verwendeten Mikrotonalität. Das vielleicht originellste Stück der Sammlung ist Confessing with faith für Bratsche und Vokalquartett aus dem Jahr 1998. Hier greift der Komponist mit Texten des Hl. Nerses Schnorhali aus dem 12. Jahrhundert auf die uralte Kultur seiner Heimat zurück. Mansurian stellte sieben Gebete des armenischen Kirchenpatriarchen, Dichters und Musikers zusammen – ein großes Miserere mit der Bitte um Vergebung der Sünden. In diesem anrührenden Werk sind für den Hörer wohl am deutlichsten direkte Bezüge zur armenischen Vokaltradition wahrnehmbar. Die Besetzung ist klug gewählt: der warme Klang der Bratsche verschmilzt in der tiefen und mittleren Lage ideal mit den Männerstimmen (Countertenor, 2 Tenöre, Bariton), vermag sich aber im hohen Register ebenso deutlich davon abzusetzen.

Die Interpretation bewegt sich durchweg auf höchstem Niveau, zumal in den meisten Stücken die Widmungsträger selbst den Solopart übernommen haben und die Aufnahmen in Anwesenheit des Komponisten entstanden sind.

Das Booklet bringt zahlreiche Fotos und ein Interview mit dem Komponisten sowie ausführliche Hintergrundinformationen zu den eingespielten Stücken. Zwar ist es originell, die Gebetstexte Schnorhalis in armenischer Schrift zu sehen, doch hat man unverständlicherweise an der deutschen Übersetzung derselben gespart… Davon abgesehen ist „Monodia“ aber eine Aufnahme von höchstem künstlerischem Rang.

Heinz Braun [14.09.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 T. Mansurian "...and then I was in time again" – Konzert (1995)
2 Konzert für Violine und 18 Solostreicher
3 Lachrymae für Sopransaxophon und Viola (1999)
4 Confessing with Faith für Viola und 4 Stimmen (Seven Prayers from St. Nerses Shnorhali's Prayer-book, 1998)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Kim Kashkashian Viola
Leonidas Kavakos Violine
Jan Garbarek Saxophon
The Hilliard Ensemble Saxophon
Münchener Kammerorchester Saxophon
Christoph Poppen Dirigent
 
472 784-2;0028947278429

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