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CD-Besprechung

harmonia mundi HMC 901823

1 CD • 66min • 2003

02.03.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Mit der hier vorliegenden Aufnahme wagt sich das 1993 in der israelischen Stadt gegründete Jerusalem Quartett an drei der gewichtigsten Quartette Joseph Haydns: an das lyrisch gesangliche Lerchenquartett in D-Dur, das trotzig strenge Quintenquartett in d-Moll und an das G-Dur-Werk aus op. 77, Haydns vorletztes vollendetes Streichquartett.

Das Ensemble nähert sich den Stücken mit unterschiedlichen Interpretationsansätzen. Das diese CD eröffnende D-Dur-Quartett überzeugt dabei am nachhaltigsten. Der Tonfall ist entspannt, die Musik hat – vor allem im Adagio cantabile – einen langen, aussingenden Atem. Pointiert und ohne Hast entwickelt sich das Menuett, gefolgt von einem wunderbar spritzig und perlend leicht musizierten Finale.

Mit wesentlich strengerer, ernsterer, aber auch bewusst gewollt wirkender Geste nähern sich die Musiker dem d-Moll-Quartett. Der Kopfsatz drängt stark nach vorne, die Musik scheint sich selbst zu hetzen und findet auch im Seitensatz keinen Halt. Schreitend, ruhig und entspannt dagegen erklingt dann das Andante, gefolgt von einem etwas schweren, fast zähen Menuett. Das Finale spannt den Bogen zum Kopfsatz, auch hier ist der Eindruck beherrschend, die Musik flüchte vor ihrer eigenen Ernsthaftigkeit. Mit dieser Interpretation des Quintenquartetts stellt das Jerusalem-Quartett eine sehr radikale Deutung zur Diskussion, die vor allem bei Live-Konzerten für Furore sorgen dürfte, beim wiederholten Hören auf CD jedoch Fragen bezüglich der Verankerung dieser drängenden Spielweise im Notentext offen lässt.

Wie nähern sich die vier Herren nun dem G-Dur-Quartett? Der Beginn überrascht. Als wäre zuvor nichts erklungen, ja geradezu lakonisch, beginnt der Marsch des Kopfsatzes. Diese mit lässigem Charme zur Schau getragene Gemächlichkeit setzt sich im Laufe des Satzes jedoch fort, um den Preis einer gewissen Distanz zum Hörer. Man beobachtet diese Musik, kann jedoch nur schwer in sie eindringen. Der Höhepunkt jeder Aufnahme von op. 77 ist sicher das folgende Adagio. Das Jerusalem-Quartett spannt hier sehr schöne Bögen, entwickelt eine feine piano-Kultur und schafft eine klare Balance zwischen Außen- und Mittelstimmen. Zupackend gibt sich das Menuett (eigentlich ein Scherzo), gefolgt von einem vielleicht eine Spur zu schnell musizierten Finale.

Insgesamt beeindruckt diese Aufnahme durch ein Zusammenspiel wie aus einem Guss, vor allem aber durch den sehr subjektiven, die Werke Haydns auf ihre heutige Gültigkeit hin prüfenden Interpretationsansatz. Das macht diese Darstellungen sicherlich angreifbar, zeigt aber zugleich das Selbstbewusstsein dieses jungen Streichquartettes. Dass im Booklet eine Vorstellung dieses interessanten Ensembles völlig vergessen wurde, ist dabei verwunderlich.

Die Klangqualität dieser Aufnehme ist in sich stimmig, mit einer fein austarierten Balance zwischen den vier Instrumenten und einem räumlichen und offenen Klangbild.

Robert Spoula [02.03.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Streichquartett D-Dur op. 64 Nr. 5 Hob. III:63 (Lerchenquartett)
2Streichquartett d-Moll op. 76 Nr. 2 Hob. III:76
3Streichquartett G-Dur op. 77 Nr. 1 Hob. III:81

Interpreten der Einspielung

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