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CD-Besprechung

J.S. Bach

Cantatas 23

BIS BIS CD 1331

1 CD • 76min • 2002

08.04.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Bachs Kantaten waren eng verbunden mit dem gottesdienstlichen Geschehen des jeweiligen Sonntages, für den sie bestimmt waren. Mit seinem Amtsantritt als Thomaskantor in Leipzig wurde Bach bald gewahr, daß die Stadt darauf wartete, von ihm überzeugt zu werden, war er doch für den Posten nicht die erste Wahl gewesen – Telemann, mittlerweile Director Musices in Hamburg, war in der Pleißestadt bereits seit seinen Leipziger Studententagen ein geschätzter Name und genoß dort deutlich mehr Prestige als der etwas provinziell anmutende thüringische Kollege Bach. Allerdings benutzte Telemann das Leipziger Interesse an seiner Person in erster Linie dazu, seinen Hamburger Lohn aufzubessern – zweimal hat das auch funktioniert. Schließlich entschloß man sich für die billigere Lösung: Johann Sebastian Bach erhielt den Posten. Wenn auch überregionale Berühmtheit noch nicht für ihn sprach, konnte Bach doch für sich den Ruf eines hervorragenden Musikers geltend machen.

Bach war ein kluger Mann. Er wußte, dass er sich bemerkbar machen mußte, um in der neuen Umgebung seine Fähigkeiten überzeugend vorzuführen; die Kantaten für die allsonntäglichen Gottesdienste boten hierfür eine hervorragende Möglichkeit. Bach verwendete übrigens für diese Stücke die Bezeichnung „Kantate“ nicht, er nannte die Kantaten „Kirchenkonzert“ und stellte sich so in die Tradition der „geistlichen Konzerte“ des 17. Jahrhunderts. Den zweiten Jahrgang dieser „Kirchenkonzerte“ widmete Bach nicht den Bibelworten, die als Predigttext im Mittelpunkt des jeweiligen Sonntagsgottesdienstes standen; er stellte vielmehr das wichtigste Kirchenlied des entsprechenden Sonntags ins Zentrum seiner Komposition. Er distanzierte sich so diskret von den theologischen Streitfragen des Alltags und führte mit der Konzentration auf die Überlieferung des evangelischen Kirchenliedes die gläubige Gemeinde zu den Wurzeln der Reformation zurück. Die bewußte Kampfansage gegen philosophisch-theologische „Klugscheißer“ wird sicher im akademischen Milieu Leipzigs verstanden worden sein, Bach selbst war die Konzentration auf reformatorische Uraussagen gewiß auch ein Anliegen, denn in der Familie wurde das Andenken an den Stammvater der deutschen Dynastie heilig gehalten: Veit Bach hatte Ungarn einst wegen seines protestantischen Glaubens verlassen und in Thüringen eine neue Heimstatt für seine Familie gefunden.

Masaaki Suzukis Interpretation dieser drei Kantaten erfüllt alle Wünsche, die man heute an eine Aufführung von Bach-Kantaten richtet: Sie ist authentisch im besten Sinne des Wortes, indem sie die Ästhetik vergangener Zeiten für heutige Zuhörer unmittelbar nachvollziehbar macht, und sie ist auch im handwerklichen Sinne perfekt: Man könnte die Diktion der Solisten zum Gegenstand eines Diktats machen – und das verdeutlicht, wie gut die Künstler die Intentionen eines Bachschen „Kirchenkonzerts“ verstanden haben: Gottes Wort steht im Vordergrund, und es ist bekleidet mit prächtiger Musik!

Detmar Huchting [08.04.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Meine Seel erhebt den Herren BWV 10 (Kantate)
2Wer nur den lieben Gott läßt walten BWV 93 (Kantate)
3Wo Gott der Herr nicht bei uns hält BWV 178 (Kantate)
4Was willst du dich betrüben BWV 107 (Kantate)

Interpreten der Einspielung

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