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CD-Besprechung

Bach & Schostakowitsch

Preludes & Fugues (Vol. 2)

Ondine ODE 1033-2

2 CD • 1h 35min • 2002

22.03.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Auch Olli Mustonens zweite Folge der Präludien und Fugen in deutsch/russischer Konfrontation bzw. im brisanten Nacheinander einer über die Jahrhunderte hinweg florierenden Rekapitulation des Unvergänglichen wird den Hörer in eine fruchtbare Situation der Zwiespältigkeit versetzen. Von Anbeginn dieser Rundreise durch die präludierenden und fugierenden Kosmologien zweier dem Geburtsdatum nach weltenferner, in ihren musikalischen Anliegen jedoch durchaus verwandter Autoren herrscht eine Atmosphäre der gereizten Intelligenz, des punktierenden, wenn man will: des akkupunktierenden Klavierspiels. Mustonen feiert kleine und größere Feste der gestaltenden Kurzatmigkeit, entfaltet vor allem die etwas schnelleren, kurzlebigeren, tänzerischen Passagen geradezu fanatisch aus dem pianistischen Geist der Mikroperspektive. Er zwingt uns Hörer auf eine Reise in die akustischen Welten des kleinsten gemeinsamen Vielfachen, als ob es ihm nun endgültig gelungen sei, in den Falten und Untiefen der ihm anvertrauten Partituren die an sich unsichtbaren Klang- und Bedeutungspartikel herauszuspüren und dem hörenden Auge sichtbar zu machen.

Vergleicht man die hier dokumentierten 12 Präludien und Fugen aus dem Bachschen „Wohltemperierten Klavier“ (Band I) mit der gerade erschienenen Einspielung der kompletten Sammlung mit Till Fellner (ECM), so mag man kaum glauben, dass zwei immer noch recht junge Interpreten dieselben Notensymbole zum Ausgangspunkt ihrer pianistischen Schlussfolgerungen gewählt haben. Der eine – nämlich der Österreicher – artikuliert, fabuliert und „betet“ in Richtung der ehrfürchtig geglätteten, demütig kantablen Richter-Version (Eurodisc), der andere nimmt die entsprechenden Stücke zum Anlaß, aus ihnen Funken zu schlagen, sie in ihrem experimentellen Gehalt auszureizen – und wenn sie in aller Kontemplation des Komponierten keine Anhaltspunkte für solche Erregtheit bieten, dann gelingt es Mustonen dennoch, eine ganz eigentümliche Art der heiligen, stets fragenden Nervosität ins Spiel zu bringen.

Noch extremer wirkt sich Mustonens Ton- und Mitteilungsart in den Schostakowitsch-Nummern aus. Alles Graziöse tendiert zum Grimassenhaften, alles Meditative pulsiert gleichsam unter dem imaginären Deckel eines Präludien- und Fugen-Topfes auf gerade noch kontrollierter Flamme. Der Hörer und CD-Investor also wird sich entscheiden müssen – oder sich im Sinne einer interessierten Freizügigkeit mit beiden Varianten arrangieren.

Peter Cossé † [22.03.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
112 Präludien und Fugen (aus: Das Wohltemperierte Klavier (Bd. I))
Dimitri Schostakowitsch
2Präludien und Fugen op. 87 (Auswahl)

Interpreten der Einspielung

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