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CD-Besprechung

1001 NIghts

EMI 5 57672 2

1 CD • 76min • 2003

11.12.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Ich muß gestehen, selten war ich unter dem Höreindruck einer CD-Produktion so hin- und hergerissen wie hier im Fall dieser 1001-Nacht-Zusammenstellung mit den türkischen Geschwistern Ferhan und Ferzan Önder. Sie bieten ein eigenwilliges Programm mit Rimsky-Korssakoffs Duo-Version der kapitalen Sheherazade-Dichtung im Zentrum allen orientalischen Beginnens. Die beiden Önders bieten aber nicht nur altrussische Schleier-, Seefahrer- und haremsstramme Gute-Nachtgeschichten-Exotik, sondern auch Zeitgemäßes aus leibhaftigen Komponistenfedern – und mit gutem Osmin-Humor auch eine kauzige Alla turca-Variante aus türkischer Sicht der alten, eroberungswütigen Dinge, wie sie weiland Mitteleuropa in Sorge gebracht, in vielen musikalischen, lebenspraktischen Dingen (man denke an den Mokka!) aber auch zur Erhöhung des Lebensgefüls geführt haben.

Mein Einwand in Bezug auf die Darbietungen der manuell ungemein geschmeidigen, selbstsicheren Önder-Damen richtet sich gegen ihre (aufnahmetechnisch bedingte?) Begradigung, gegen die Entfettung aller melodischen und klangorchestralen Wirkungen. Schon die einleitende Islamey-Fantasie von Balakirew in der Yoffe-Verdoppelung überrascht, nein enttäuscht ob ihrer skelettartigen Objektiv-Zeichung in den ersten Repetitionspassagen. Gut: das kann man im Hinblick auf sportliche Virtuosität so schematisch abwickeln, aber im Folgenden sollte der gesanglichen Überredungsgestik des Mittelteils doch etwas mehr an Innigkeit, auch an dynamischer Gegenwärtigkeit eigen sein. Man nehme und höre nur György Cziffras EMI-Einspielungen!

Die Önders – so gewinnt man den Eindruck – möchten alles klar und deutlich über die Rampe bringen (und zuweilen auch katapultieren), aber sie vergessen dabei, die kantablen Qualitäen zweier Klaviere in Erinnerung zu rufen – und dabei nicht nur nebenbei auch die akustisch-erotischen Verführungskünste jener Prinzessin, unter deren Schrimherrschaft ihre östliche Klavier-Diwan-CD ja ausdrücklich propagiert wird. Mein Resummée: eine klug und originell, auch umsichtig erdachte, geplante und durchgeführte Aufnahme, deren atmosphärische Problematik von den beiden Ausführenden sicher schon bald erkannt wird – und sie zu einer Neudefinition herausfordern sollte.

Peter Cossé † [11.12.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Mily Alexejewitsch Balakirew
1Islamey (Bearb. für 2 Klaviere)
Alexander Borodin
2Eine Steppenskizze aus Mittelasien (Bearb. für 2 Klaviere)
Nikolai Rimsky-Korssakoff
3Scheherazade (Bearb. für Klavier zu vier Händen)
Kamran Ince
4Sheherazade Alive für 2 Klaviere
Fazil Say
5Sevenlere Dair (Bearb. für 2 Klaviere)
Wolfgang Amadeus Mozart
6Fantasia alla turca (Bearb. für 2 Klaviere)

Interpreten der Einspielung

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