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CD-Besprechung

Virgin Veritas 5455502

3 CD • 3h 01min • 2002

13.08.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Händels letzter Oper, Deidamia, war zunächst kein Erfolg beschieden: Nach nur drei Aufführungen brach der Komponist im Februar 1741 das Projekt ab und konzentrierte sich ganz auf das nichtszenische Oratorium, welches sich spätestens seit Saul (1739) als zukunftsträchtig erwiesen hatte. Lange Zeit hat man deshalb Deidamia mit ihrem auffällig heiteren Ton – fast alle Arien stehen in Dur – als vergeblichen Versuch Händels interpretiert, mit Zugeständnissen an den Publikumsgeschmack an einem auslaufenden Modell festzuhalten. Doch bei genauerer Betrachtung sieht man, daß sich hinter der komischen Fassade eine Tragödie abspielt: Weil das Orakel dem Achill einen Tod im Kampf vorausgesagt hat, lebt dieser, als Mädchen verkleidet, inkognito auf der Insel Skyros. Dort suchen ihn nun die Griechen unter Führung des listenreichen Odysseus, weil das Orakel ebenfalls gesagt hat, dass sie ohne Achill den Trojanischen Krieg nicht werden gewinnen können. Inzwischen hatte aber Deidamia, die Tochter des Königs von Skyros, das wahre Geschlecht des „Mädchens“ erkannt und sich in Achill verliebt (was natürlich zu einigen Verwirrungen hinsichtlich vermeintlicher Homoerotik führt). Indem Odysseus Achill mit einem Trick zwingt, sich zu erkennen zu geben, bewirkt er Gegenläufiges: Er rettet die Sache der Griechen und zerstört das sich anbahnende Glück des Liebespaares, da Achill, seinem heldischen Naturell folgend, sogleich mit Odysseus in den Krieg zieht.

Diese Gegenläufigkeit macht den eigentlichen Reiz dieser Oper aus und wird von Alan Curtis sauber herausgearbeitet. Simone Kermes ist eine Deidamia, die von anfänglicher Heiterkeit immer mehr in ihr Unglück stürzt. Dominique Labelle könnte als Deidamias Vertraute Nerea vielleicht etwas kesser sein, denn vor allem diese umtriebige Rolle verleiht dem Stück seine Komik. Wie schon Händel besetzt auch Curtis die Rolle des Achill mit einer Frau, und Anna Maria Panzarella zeigt exemplarisch, was dadurch an heroischer Kraft und Beweglichkeit gewonnen wird (CD 3, Tr. 7). Den Odysseus (= Ulisse) hat Händel ungemein facettenreich portraitiert: In jeder Arien scheint ein anderer Charakter durchzuschimmern. Diese Variabilität bringt Anna Bonitatibus gut zur Geltung, auch wenn ihr Timbre nicht jedermanns Sache sein mag. Exzellent sind die beiden Bässe der Oper: Antonio Abete gibt einen alternden König Lykomedes, der sich immer mehr dem Geschehen entzieht und mit der Arie Nel riposo e nel contento (CD 2, Tr. 11) einer Sehnsucht nach innerer Ruhe Ausdruck verleiht, die man oft auch auf Händels persönliche Situation bezogen hat. Bleibt noch Furio Zanasi, der den Wandel des Phönix (Fenice) vom Großmaul zum aufrichtigen Liebhaber sehr gut nachzeichnet.

Was die Gesamtinterpretation betrifft, profitiert Alan Curtis von seiner immensen Erfahrung, gehört er doch (mit Jean-Claude Malgoire) zu den ersten, die vor 26 Jahren Händel-Opern auf historischen Instrumenten eingespielt haben. Auch wenn sein Complesso Barocco hier und da nicht ganz lupenreich intoniert, bestechen doch die Genauigkeit der Artikulation, die Reaktionsschnelligkeit des Spiels und die Ausgewogenheit in der Wahl der Gestaltungsmittel. Nachdem die Ersteinspielung der Deidamia durch Rudolph Palmer (Albany Records) sehr enttäuschend ausgefallen war, beweist Alan Curtis nun, daß dies trotz mangelnder Wertschätzung der Zeitgenossen gewiß nicht Händels schlechteste Oper ist.

Dr. Matthias Hengelbrock [13.08.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Friedrich Händel
1Deidamia HWV 42 (1740)

Interpreten der Einspielung

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