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CD-Besprechung

cpo 999940-2

2 CD • 60min • 2001, 2002

24.11.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Ludger Rémy hat bekanntlich eine starke Affinität zur Musik des Aufklärungszeitalters, insbesondere zu Carl Philipp Emanuel Bach. Dessen Kunstverständnis und Kunstwollen steht Händels Konzept nahezu diametral gegenüber – wildert Rémy nun in ihm sehr fremden Gefilden? Von den Problemen, die sich bei seiner Annährung an Händel ergaben, schreibt der Cembalist im Beiheft der vorliegenden Produktion selbst, und es wird deutlich, mit welcher philologischen Gewissenhaftigkeit der Künstler an sein Objekt herangegangen ist. Mehr noch: Mit der Wahl eines Cembalos im Mietke-Stil scheint Rémy auf die deutschen Wurzeln hinweisen zu wollen, die Händel in seiner Wahlheimat England nie geleugnet hat. Doch hier ergibt sich der erste Einwand: Wir wissen, daß Händels Stimmton ungefähr bei 422 Hz lag – deutlich höher als der heute übliche Barock-Kammerton (415 Hz) und erst recht höher als der von Rémy gewählte französische (390 Hz). Gewiß gab es zu jeder Zeit und an jedem Ort deutlich Schwankungen, doch bezüglich der Sonorität bzw. Brillanz ist diese Frage alles andere als pedantisch.

Doch nun zur eigentlichen Interpretation. Rémy spielt Händel nicht locker-flockig herunter, sondern formuliert sehr nachdrücklich und nachdenklich, staut das Tempo häufig, um dann wieder nach vorne zu stürzen, betont die einen Übergänge und verschleiert die nächsten völlig – kurzum: sein Spiel ist sehr kopflastig. Was er sich dabei überlegt, verdient durchaus Beifall, etwa wenn er das Thema der sogenannten Grobschmiedvariationen (die übrigens in E-Dur und nicht in A-Dur stehen, wie die Rückseite der CD-Hülle weismachen will) als richtige Gavotte spielt. Indes gerät er kurz darauf ins Trudeln, und man vermißt bei allem Elan durchweg jene souveräne Größe, die Händels Musik besonders zu eigen ist. Dieser Zug kommt in Paul Nicholsons Konkurrenzeinspielung (Hyperion) ungleich besser zur Geltung und verbindet sich in Sophie Yates’ Aufnahme (bei Chandos leider auf drei einzelne CDs verteilt) mit einer nicht übertriebenen Sinnlichkeit, die daran gemahnt, daß Händel ganz in der Nähe seines Cembalos sehr oft eine Flasche Rotwein stehen hatte.

Dr. Matthias Hengelbrock [24.11.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Friedrich Händel
1Suites de Pièces pour le Clavecin HWV 426-441

Interpreten der Einspielung

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