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CD-Besprechung

Naxos 8.110221-24

4 CD • 4h 32min • 1951

30.05.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Dieser „Klassiker“ unter den Parsifal-Aufnahmen ist das erste Livedokument der imponierenden Serie des Bühnenweihfestspiels, die Hans Knappertsbusch auf dem Bayreuther Grünen Hügel von 1951 bis 1964 dirigiert hat und die nur 1953 ein einzigesmal durch Clemens Krauss unterbrochen wurde. Um die ganz besondere Beziehung des großen „Kna“ zu gerade diesem Bühnenwerk Wagners zu charakterisieren, mag eine winzige, aber überaus erhellende Anekdote helfen: Zu einem Gast-Dirigat des Parsifal eingeladen, wurde Knappertsbusch gefragt, ob er eine Probe benötige; darauf er: „Glauben Sie, dass der Erzbischof das Hochamt probiert?“

In der Tat sieht man förmlich den Weihrauch aufsteigen und meint man, in die himmelstürmenden, endlosen Höhen einer gotischen Kathedrale aufzublicken, wenn Knappertsbusch mit inbrünstig-überdimensionalem Pathos und schier zum Stillstand kommenden Tempi Wagners Partitur zelebriert. Man mag heute solch hagiographisch anmutendem Musizieren skeptisch gegenüberstehen, was aber nach wie vor beeindruckt, ist die innere Schlüssigkeit und bedingungslose Konsequenz des Interpretationsansatzes. Bewundernswert wird diese Sicht von den Sängernmitgetragen , wenn auch bisweilen physische Grenzwerte erreicht werden,. Das damals von den frischgebackenen Neu-Bayreuther Chefs zusammengestellte Solistenteam zeichnete sich zumal durch seine Jugendlichkeit aus. Bis auf den Veteranen Ludwig Weber, damals 52, waren alle Protagonisten noch keine 40 Jahre alt und entwickelten sich für die folgenden Jahrzehnte zu tragenden Säulen der Bayreuther Festspiele. Die Karriere von Wolfgang Windgassen wäre ohne das Markenzeichen „Bayreuth“ völlig undenkbar. Dort erwarb er sich seinen Namen als einer der führenden Heldentenöre der Nachkriegszeit. Während man ihm in den kräftezehrenden Rollen des Tristan, Siegfried oder Tannhäuser nicht selten vorwarf, er stehe diese Herausforderungen nur mit einer allzu „ökonomischen“ Singweise durch, ist er in der relativ kurzen Partie des Parsifal optimal besetzt, vermag er hier mit der Jugendlichkeit und Frische seines Timbres zu überzeugen. Martha Mödl hatte erst kurz zuvor den Wechsel vom Mezzo- ins hochdramatische Fach vollzogen und blieb in Bayreuth fast ein Jahrzehnt lang die unangefochten „erste“ Kundry, während sie sich als Isolde und Brünnhilde einen freundschaftlichen Wettstreit mit der sechs Jahre jüngeren Astrid Varnay lieferte. Obwohl Martha Mödl in erster Linie eine Bühnenkünstlerin war, die man nicht nur hören, sondern auch sehen musste, vermittelt sie auch auf der reinen Klangbühne der CD eine betroffen machende Glaubwürdigkeit ihrer Identifikation mit der Rolle. Ähnliches gilt für den bis dato noch relativ unbekannten kanadischen Bassbariton George London, der faszinierende Bühnenpräsenz und schauspielerische Intensität mit einem unverwechselbaren, charakteristischen Timbre und einer Stimmkraft und –pracht von einzigartiger Wirkung vereinte. Keineswegs zufällig waren die Leidensmänner Amfortas und auch Holländer Londons eindringlichste Wagner-Figuren überhaupt. Eine wahre Luxusbesetzung in der ungeliebten Partie des Klingsor verkörpert Hermann Uhde, der – nicht nur in Bayreuth, auch an der New Yorker Met – zu Londons großen Rivalen zählte und an der Met gar einmal das Husarenstück riskierte, an ein- und demselben Abend Klingsor und Amfortas zu singen. Auch er war auf Grund seiner stimmlichen Potenz und darstellerischen Präsenz einer der herausragenden Künstler der Neu-Bayrreuther Ära. Last but not least: der Bass Ludwig Weber hatte zur Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele schon eine respektable internationale Karriere vorzuweisen. Als Gurnemanz vereinte er natürliche Autorität mit balsamischem Bass-Wohllaut.

Kurt Malisch † [30.05.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Wagner
1Parsifal

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