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CD-Besprechung

Ondine ODE 990-2T

3 CD • 2h 42min • 2000

01.12.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Als Arnold Schönberg seine Orchestration des Klavierquartetts g-Moll von Johannes Brahms schrieb, notierte er dazu: "Ich wollte einmal alles hören, und das habe ich erreicht." Ein ähnliches Bestreben, alle kontrapunktischen Verästelungen, alle instrumentalen Feinheiten der Nebenstimmen hörbar zu machen, scheint auch Paavo Berglund bewegt zu haben, denn seine Deutung der vier Brahms-Sinfonien zeichnet sich ganz besonders durch die Transparenz der Stimmführungen und die Hörbarmachung jener Brahms'schen Struktureigentümlichkeit aus, die wiederum Schönberg die "entwickelnde Variation" des thematischen Materials nannte.

Dieses Vorgehen ist jedoch nicht unproblematisch: Brahms erfand ein dichtes Geflecht motivischer Entwicklungen, in welchem es aber durchaus Vordergrund und Hintergrund gibt - nicht alles soll gleichmäßig gehört werden, sonst entsteht ein nivelliertes Klangbild ohne Spannungskurven, eine letztlich flache "Landschaft". Nimmt man dazu die insgesamt kleinere Besetzung des Chamber Orchestra of Europe (verglichen mit einem "vollen" Sinfonieorchester), dann fehlt hier doch immer wieder ein wenig jenes substanzvolle Baßfundament, ohne das Brahms' sinfonischer Stil nur unvollkommen zu verwirklichen ist. Auch neigt Berglund dazu, die Tempi recht zügig zu nehmen - an sich nicht schlecht, aber gerade die Durchführungs- und Coda-Partien bekommen dadurch etwas allzu Leichtgewichtiges. Eine flexible, durchaus "allargando" einbeziehende Tempogestaltung hätte zum Beispiel der Hornmelodie in der Einleitung des Finales der ersten Sinfonie gutgetan; sie - die gleichsam den "Durchbruch" bringt - erklingt hier allzu beiläufig. Sehr schön wiederum, ebenfalls in der Ersten, die Solo-Oboe. So banal es erscheinen mag: ein fortissimo in der Pauke ist nun mal ein fortissimo und muß nicht - damit Brahms nicht etwa zu akademisch klinge - gleichsam entschuldigend zurückgenommen werden, schon gar nicht an den Satz-Enden. Auch das Triangel, wenn es schon überhaupt bei Brahms vorkommt (Scherzo der Vierten), möchte man dann wenigstens auch da hören, wo es in der Partitur steht.

Für Liebhaber des Chamber Orchestra of Europe mag dies eine willkomme-ne Repertoire-Erweiterung sein (nach den vorzüglichen Mendelssohn-Einspielungen mit Claudio Abbado), für die Brahms-Diskografie aber bringt diese Produktion nicht allzu wesentlich Neues.

Dr. Hartmut Lück [01.12.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68
2Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73
3Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90
4Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98

Interpreten der Einspielung

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