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CD-Besprechung

Olympia OCD 691

1 CD • 64min • 2000

01.12.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Das Loch, das die Nazibarbarei ins kulturelle Leben Europas gerissen hat, ist hinlänglich bekannt. Vieles ist zwar unwiederbringlich verloren, aber vieles Andere erscheint nach und nach wieder auf den Spielplänen, in den Plattenkatalogen und dringt schließlich ins Bewußtsein der Öffentlichkeit. Es ist auch für Kenner der Materie immer wieder aufregend, wie viel Qualität von Komponisten auf Notenpapier gebannt wurde, die manchem oft nicht einmal dem Namen nach bekannt sind.

Dieses tragische Kapitel der Kulturgeschichte ist noch längst nicht abgeschlossen, da taucht ein anderes, nicht minder weites Feld vor den Augen und Ohren der Musikwelt auf: Was in Deutschland geschah und im von den Nazis besetzten Teil Europas, das geschah auch in der Sowjetunion und den von ihr abhängigen Staaten. Und es war mit dem Ende des Krieges noch längst nicht vorbei. Schostakowitsch entkam nur knapp der Selbstverleumdung, dem Gulag oder Schlimmerem, Prokofieffs Persönlichkeit zerbrach, und Mikhail Nosyrev landete als 19-jähriger 1943 für zehn Jahre im Gulag. Das eigentliche Urteil wegen klassenfeindlicher Hetzerei lautete auf Erschießen - wie und warum er davonkam, ist bis heute nicht geklärt. Jedenfalls verschlug es ihn nach dem Ende der Verbannung in die Provinz. Dort war er als Dirigent hoch geachtet und kam als Komponist immerhin in den Genuß dieser oder jener Aufführungsgelegenheit. Aber im sowjetischen Kulturleben hat er niemals auch nur annähernd die Stellung innegehabt, die seiner außerordentlichen Begabung entsprochen hätte.

So ist diese Olympia-CD ein kleines Stück musikalischer Rehabilitation für einen Komponisten, dessen politische erst 1988, sieben Jahre nach seinem Tode 1981 erfolgte. Sie vereinigt zwei konzertante Hauptwerke aus den frühen Siebzigern. Die beiden Konzerte atmen noch den Geist der Romantik, sie tragen die Dramatik, Zerrissenheit, das existentielle Pathos der russischen Sinfonik vom Ende des 19. Jahrhunderts bis weit ins 20. hinein. Aber nicht eklektisch, sondern höchst eigenständig. Natürlich findet hier keine Materialerkundung im Darmstädter Sinne statt, aber Nosyrev verfügt vor im Kern tonaler Folie über erstaunlich avancierte Vokabeln, die er im Sinne höchster musikalischer Emphase einzusetzen versteht. Das Ergebnis ist in beiden Fällen brillant, aufwühlend, aber auch wärmend, erhellend. Zwei überaus ernst zu nehmende späte Vertreter des Streicherkonzerts.

Beide fanden in dieser Einspielung wunderbare Interpreten. Mikhail Gantvarg betreute schon die Uraufführung des Violinkonzertes und war eng mit dem Komponisten befreundet, und der 1966 in St. Petersburg geborene Sergej Slowatschewski ist eine ganz außergewöhnliche Cello-Begabung. Da auch das Orchester unter Andrej Anichanow keine Wünsche offenläßt und die Toningenieure ganze Arbeit leisteten, sollte man diese CD unbedingt im Regal stehen haben.

Peter Korfmacher [01.12.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Mikhail Nosyrev
1Violinkonzert
2Violoncellokonzert

Interpreten der Einspielung

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