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CD-Besprechung

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1 CD • 75min • 1999

01.10.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Karl Amadeus Hartmann war erst 24 Jahre alt, als er im Auftrag des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper fünf Kurzopern zu schreiben begann, die unter dem programmatischen Sammeltitel Wachsfigurenkabinett zusammengefaßt sind. Allerdings wurde nur das erste Stück in München auch aufgeführt, eine Wiedergabe des gesamten Zyklus kam aus wirtschaftlichen Gründen nicht zustande. Hartmann hat selbst nur das erste und letzte Stück vollendet, die anderen wurden erst 1988 für die Münchner Musikbiennale auf Initiative von Hans Werner Henze von diesem selbst sowie von Günter Bialas und Wilfried Hiller instrumentiert.

Gattungsmäßig steht Wachsfigurenkabinett in der Nachbarschaft von Hindemiths Triptychon und Milhauds Opéra-minutes und ist ein aufschlußreiches Zeitdokument der ausgehenden 20er Jahre. Die Texte Erich Bormanns wie Harmanns Musik verfolgen humoristisch-satirische, aber auch sozial- und zeitkritische Tendenzen.

Leben und Sterben des heiligen Teufels glossiert den damals noch sehr lebendigen Rasputin-Mythos, der hier zu einer Karikatur der Geilheit schrumpft. Der Mann, der vom Tode auferstand ist eine Satire auf den Medienwahn: Ein reicher Mann ist vor dem Radio eingeschnarcht und hält beim Erwachen die Sendung einer Revolutionsoper für Realität. Chaplin-Ford-Trott verspottet den American Way of Life und spielt zugleich mit den darüber umlaufenden Klischees. In der kurzen Farce Fürwahr...?! begegnen sich Vater und Sohn volltrunken vor der Haustür, ohne sich zu erkennen. Die Witwe von Ephesus, obwohl im Rom Neros spielend, beschreibt die desolate wirtschaftliche Situation der Entstehungszeit.

Wer Hartmann als bekennenden Sinfoniker schätzen gelernt hat, wird über die Leichtfüßigkeit und Frivolität dieser frühen Werke nicht wenig erstaunt sein. Foxtrott, Tango und Jazzelemente bestimmen den musikalischen Stil, das Orchester ist minimal, Klavier und Harmonium werden durch Schlagzeug und einzelne Blasinstrumente ergänzt. Daß der Komponist von Kurt Weills Dreigroschenoper sehr angetan war, wird ebenso hörbar wie seine Liebe zu den alten Stummfilmen und ihren Begleitmusiken.

Die vorliegende Erstaufnahme unter Roger Epple, in der alle Sänger mehrere, zum Teil auch kleinste Rollen übernehmen, ist exemplarisch geraten, gleichermaßen plastisch in den musikalischen wie dramatischen Belangen. Michael Kraus, Thomas Harper, Michelle Breedt und Claudia Barainsky können sich dabei besonders profilieren.

Ekkehard Pluta [01.10.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Karl Amadeus Hartmann
1Wachsfigurenkabinett (fünf kleine Opern)

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