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CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

Besprechungen der letzten 30 Tage

Ferdinand Ries

Symphonies Nos. 1 & 2

Ondine ODE 1443-2

1 CD • 53min • 2024

30.05.202410 10 10

Es gibt zahlreiche Versuche, für vernachlässigte Komponisten neues Interesse zu wecken – dieser Versuch, die Symphonien von Ferdinand Ries (1784-1838) ins rechte Licht zu rücken, ist einer der vergnüglichsten. Das zweisprachige Booklet charakterisiert Ries‘ symphonische Musik durchaus treffend als „energisch, dynamisch, selbstbewusst und ambitioniert“. Ergänzen müsste man: zielbewusst, orchestral reizvoll, eigenwillig. Ferdinand Ries, in Bonn geboren, war in Wien Beethovens Schüler (musste sich von Beethoven ganz schön emanzipieren) und reiste durch ganz Europa, oft durch Napoleons Truppen dazu getrieben. München, Paris, Sankt Petersburg, Stockholm und London sind seine Lebens-Stationen.

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John Thomas

Complete Duos for Harp and Piano, Volume Four
Duo Praxedis

Toccata Classics TOCC 0582

1 CD • 62min • 2023

29.05.20249 8 9

Das Schweizer Duo Praxedis besteht aus der Harfenistin Praxedis Hug-Rütti und der Pianistin Praxedis Geneviève Hug. Die beiden, Mutter und Tochter, haben es sich zum Herzensanliegen gemacht, das Repertoire für Harfe und Klavier wiederzuentdecken – eine Besetzung, die sich im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert größter Beliebtheit erfreute. Inzwischen hat das Duo Praxedis mehr als ein Dutzend Tonträger eingespielt. Einen Schwerpunkt bildet dabei der 1826 geborene John Thomas, der mit 46 Jahren Kammerharfenist der musikvernarrten Queen Victoria wurde.

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Lekeu | Messiaen | Bacri

Carlotta Malquori Violin • Andrea D'Amato Piano

Ars Produktion ARS 38 370

1 CD/SACD stereo/surround • 65min • 2023

28.05.20248 9 8

Die Geigerin Carlotta Malquori und der Pianist Andrea D’Amato arbeiten bereits seit einigen Jahren zusammen, unter anderem als Mitglieder des Ares-Trios. Mit dem vorliegenden Album legen sie nun auch ihre erste CD als Duo vor, gewidmet französischem Repertoire von der Spätromantik bis in unsere Zeit.

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Anton Reicha

Chamber Works

cpo 555 397-2

2 CD • 2h 10min • 2022

27.05.20249 9 9

Das mit Solobläsern renommierter Orchester und Professoren ebenso renommierter Hochschulen besetzte Albert-Schweitzer-Ensemble widmet sich in dieser Einspielung Kammermusikwerken des Beethoven-Altersgenossen Anton Reicha (1770-1836), deren Instrumentenkombinationen vom Üblichen abweichen. Da Reicha neben Klavier und Violine auch die Flöte virtuos beherrschte, galt seine Vorliebe den Blasinstrumenten. So wurde er zu dem Komponisten, bei dessen Namen man zunächst „Bläserquintett“ assoziieren pflegt. Dass er interessante Klangfarben auch aus der Kombination von Bläsern, Streichern und Klavier hervorzaubern konnte beweist die vorliegende Aufnahme.

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armenian miniatures

Tsovinar Suflyan Piano

Prospero Classical PROSP0096

1 CD • 65min • 2023

26.05.20249 9 9

Seit etwa zehn Jahren lebt die armenische Pianistin Tsovinar Suflyan (Jg. 1989) in der Schweiz, und wie sie selbst schreibt, hat sich in dieser Zeit ihre Beschäftigung mit der Musik ihres Heimatlands eher noch verstärkt. Und so besteht ihr soeben erschienenes Debütalbum aus einer bunten Palette von insgesamt 42 armenischen Klavierminiaturen zu fünf Zyklen, die von Lieder und Tänzen bis hin zu Kinderstücken reichen.

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Antonio Vivaldi

Concerti per fagotto e arie per basso, Vol. 3

Ars Produktion ARS 38 374

1 CD/SACD stereo/surround • 64min • 2022

25.05.20249 9 9

„Die Fagottbläser sind im Grunde gutmüthig, äußerlich scheinbar lichtscheu und eingezogen, aber originell und wunderlich, humoristisch unter Bekannten. Bei herannahendem Alter auffallend gräulich... Mäßig in der Lebensweise, sind sie gute Gatten und Väter.“ So charakterisiert die „Neue Musik-Zeitung“ von 1882 die Fagott-Spieler. Und Ferdinand Hirsch beschreibt (in „Das große Wörterbuch der Musik“) die Wirkung des Fagottspiels so: „vielseitig nutzbare Ausdrucksskala von feierlichem Ernst bis zu grotesker Komik“. Wunderlich, humoristisch, grotesk: das meint man über das Fagottspiel zu wissen. Nur ein ganz klein wenig davon scheint auf, wenn Miho Fukui die Fagott-Konzerte von Antonio Vivaldi spielt, der die weitaus meisten Fagottkonzerte komponiert hat, 39 an der Zahl. Zusammen mit ihrem Ensemble F, das wohl sowohl nach dem Anfangsbuchstaben dieses Instruments als auch nach dessen Grundton benannt ist, wird sie alle Fagottkonzerte von Vivaldi aufnehmen.

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Johann Christian Schickhardt

Sonate a quattro op. 22
Epoca Barocca

cpo 555 450-2

1 CD • 73min • 2021

24.05.202410 10 10

Wenn Johann Christian Schickhardt (1682 – 1762) es im Barock auf über 30 im Druck veröffentlichte, teils umfängliche Sonaten-Sammlungen brachte, muss seine Musik wohl zu Recht beliebt gewesen sein. Das Ensemble Epoca Barocca, dessen Einspielung von Loeillet-Triosonaten von mir bereits empfohlen wurde, hat sich jetzt dessen klanglich äußerst reizvollen 6 Sonaten für 2 Blockflöten, Oboe und Basso continuo op. 22 angenommen und präsentiert sich mit diesen Werken wiederum als stilistisch feines Ensemble der Extraklasse.

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Invitation à la Danse

Vardan Mamikonian Piano

TYXart TXA23183

1 CD • 60min • [P] 2024

23.05.20249 9 9

Der armenische Pianist Vardan Mamikonian studierte am Moskauer Konservatorium und lebt seit mehr als drei Jahrzehnten in Paris. Auf seinen bislang zwölf CDs zeigt der Musiker eine große Bandbreite: von Bach und Chopin über französische Impressionisten bis zu den russischen und armenischen Romantikern. Sein nunmehr 13. Album bietet unter dem Titel „Invitation à la Danse“ einen Querschnitt dieses vielseitigen Repertoires. „Die Kompositionen sind mit Tänzen aus verschiedenen Epochen und Nationen verbunden“, schreibt Mamikonian im Booklet. „Tanz ist meist etwas, das Spaß macht und Freude bereitet, aber er kann sehr unterschiedliche Charaktere annehmen.“

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United We Play

Pacific Quintet

Fuga Libera FUG 827

1 CD • 63min • 2023

22.05.202410 10 10

Das wahrlich international zusammengesetzte Pacific Quintet mit Aliya Vodovozova, Flöte, Fernando José Martinez Zavala, Oboe, Liana Leßmann, Klarinette, Kenichi Furuya, Fagott, und Haeree Yoo, Horn, wählte für sein CD-Debüt bewusst keine klassische Harmoniemusik, sondern Werke aus den Jahren 1923-2023, die teilweise extra für diese Projekt beauftragt wurden. Das ist mutig und verdient Respekt, zumal eine Stunde anregender Musik dabei herauskam.

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Johann Sebastian Bach

Die Kunst der Fuge BWV 1080

Ondine ODE 1437-2

1 CD • 81min • 2023

21.05.20249 10 9

Bachs Kunst der Fuge ist und bleibt ein schwer zu entschlüsselndes Werk und gilt schon dadurch, dass Bach hier die Besetzung völlig offen lässt und keinerlei Hinweise auf eine Interpretation macht (Dynamik), als Inbegriff absoluter Musik, vielleicht gar als abstraktes Kunstwerk. Wenn sich ein Musiker auf dem Cembalo dieser Enzyklopädie des Kontrapunkts annimmt, ist dies besonders respekteinflößend. Gerade dieses Instrument scheint wenig klangliche Möglichkeiten zu bieten, hier adäquate Transparenz zu erreichen oder gestalterisch groß einzugreifen – ein Vorurteil, wie die neue Aufnahme mit Aapo Häkkinen beweist.

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Joachim Raff

Welt-Ende • Gericht • Neue Welt

cpo 555 562-2

2 CD • 1h 47min • 2022

20.05.20249 10 10

Angesichts des Ansehens, das Joachim Raff als Symphoniker und Kammermusikkomponist heutzutage verdientermaßen wieder genießt, ist es nur natürlich, dass auch Raffs Schaffen abseits dieser Gattungen zunehmend beachtet und zur Diskussion gestellt wird. So gelangte 2022, im Jahr seines 200. Geburtstags die Oper Samson, das Hauptwerk seiner frühen Jahre, in Weimar erstmals auf die Bühne, und im Leipziger Gewandhaus gedachte man seines Oratoriums Welt-Ende. Gericht. Neue Welt, das er 1882 kurz vor seinem Tode vollendet hatte.

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1927-1929 • Brücken aus dem Gestern

Orchesterwerke jüdischer Komponisten

Rondeau ROP6233

1 CD • 69min • 2021

19.05.20249 9 10

Wenn das vorliegende Album sich auf Orchesterwerke jüdischer Komponisten aus den drei Jahren 1927-1929 konzentriert, liegt dies natürlich nicht nur im Vorabend zum Nationalsozialismus begründet, der drei der vier hier vorgestellten Komponisten ins Exil treiben sollte. Ebenso erstaunt die stilistische Vielfalt dieser Musik, die nur teilweise jüdisch geprägt ist.

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Impressions

for pan flute, harp and piano
Beau Soir Trio

MDG 903 2319-6

1 CD/SACD stereo/surround • 67min • 2023

18.05.20249 9 9

„Beau Soir“ – ein hübscher Name für das Trio mit dem Panflötisten Sebastian Pachel, der Harfenistin Nora Koch sowie Johann Blanchard am Klavier. Auf ihrem Debüt-Album „Impressions“ widmet sich das Ensemble dem französischen Dreigestirn Fauré, Debussy und Ravel. Sebastian Pachel, der sich die Etablierung der Panflöte in der klassischen Musik zum Herzensanliegen macht, hat die Werke selbst für seine einzigartige Trio-Besetzung arrangiert. Recht bekannte Stücke erstrahlen hier in unkonventioneller Instrumentierung. Dabei unterläuft Pachel auf reizvolle Weise die Erwartungen der Hörer. So wird in Faurés Sicilienne die Panflöte vom Klavier begleitet – nicht von der in der Orchesterfassung dominanten Harfe

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Brahms

The Piano Trios
Trio Sōra

la dolce volta LDV 132.3

2 CD • 1h 54min • 2023

17.05.20249 9 9

„Entweder ganz oder gar nicht“ scheint die Devise von Pauline Chenay, Violine, Fanny Fheodoroff, Violoncello und der Pianistin Angèle Legasa zu lauten, die sich zum Trio Sōra zusammengeschlossen haben. Nachdem bereits sämtliche Beethoven-Trios eingespielt wurden, ist jetzt die Brahms-Gesamtschau angesagt. Geigerin und Pianistin kennen sich bereits vom Studium am Pariser Conservatoire, 2022 kam aus Wien die Cellistin hinzu. Somit ist es höchst beachtlich, wieviel intuitives Verständnis die drei Damen binnen eines Jahres (die Aufnahmen entstanden 2023) füreinander entwickelt haben.

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Trifolium

Al mio caro Amico...

Lindoro NL-3070

1 CD • 57min • 2023

16.05.20249 9 9

Dass Mozart und Haydn sich bei ihren Streichquartett-Kompositionen gegenseitig inspirierten und beflügelten, dass hier Meister von Meister lernten, weiß man. Trotzdem will das spanische Streichquartett mit dem hübschen Titel „Trifolium“, also: Kleeblatt, dies nachdrücklich mit dieser CD demonstrieren und stellt Mozarts KV 387 (aus der Haydn gewidmeten Quartett-Reihe) gegen Haydns op. 74/2: geistvolles Zusammenwirken von Fuge und Sonatensatzform, „Musik aus Musik, filtrierte Kunst (Alfred Einstein), gegen schon sinfonisch-gedachtes Quartettspiel. Dabei gelingt es dem spanischen „Kleeblatt“, den Spruch des Mozart-Biografen Einstein hörbar zu machen: „Mozarts Themen haben in sich, aus denen Haydns wird sich etwas entwickeln.“

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Bittersweet

Musik im Schatten des Dritten Reiches
Regina Reiter • Danlin Felix Sheng

Kaleidos KAL 6367-2

1 CD • 65min • 2023

15.05.20248 8 9

Alle zwei Jahre findet in Schwerin der Internationale Wettbewerb Verfemte Musik statt, und aus diesem Anlass schlossen sich im Jahre 2018 die junge Saxophonistin Regina Reiter und der Pianist Danlin Felix Sheng zu einem Duo zusammen, das auch über den Wettbewerb hinaus bestehen blieb. Ihre jüngst erschienene erste CD greift die Wettbewerbsthematik erneut auf und präsentiert ganz im Sinne des Untertitels Musik „im Schatten des Dritten Reiches“.

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Mystic Encounters

Ektoras Tartanis
Chamber Music Works

TYXart TXA24190

1 CD • 52min • 2023

14.05.20248 9 8

Schon mit sechs Jahren saß er das erste Mal am Klavier, mit zwölf fing er an zu komponieren. Lange arbeitete er als Assistent von Teodor Currentzis. Heute ist der 1987 als Sohn griechischer Eltern in Stuttgart geborene Ektoras Tartanis 1. Kapellmeister am Theater Freiburg und Chefdirigent der Niederbayerischen Philharmonie. Auf dieser CD präsentiert er sich ausschließlich als Komponist, wobei ihm hochtalentierte Sänger und Musiker als Mitstreiter zur Verfügung stehen, die er aus der Arbeit in Freiburg kennt. Ihrem temperamentvollen und kompetenten Vortrag ist es zu danken, dass die noch kaum bekannten Kompositionen den Hörer förmlich überrumpeln.

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Georg Philipp Telemann

Inauguration Cantatas 1721

cpo 555 542-2

1 CD • 74min • 2023

13.05.20248 10 9

Schier unüberschaubar ist die Anzahl der Kantaten, die Georg Philipp Telemann komponiert hat, ca. 1750 sind es. Die Gambistin Simone Eckert und ihre Hamburger Ratsmusik haben hier die Inaugurationskantaten vorgelegt, mit denen Telemann sich 1721 in Hamburg eingeführt hat. Es sind jetzt nicht die fantasievollsten seiner Kantaten, gerade was die Arien anbelangt, außerdem waren es nicht für Hamburg neu komponierte, sondern Kantaten, die er schon in Eisenach und Frankfurt komponiert hatte. Insofern haben diese hier vorgelegten Kantaten mehr einen Repertoirewert.

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UNITY

Reinhold Friedrich Brass Quintett

Solo Musica SM 438

1 CD • 70min • 2023

12.05.202410 10 10

Schaut man sich die fünf Herren auf dem CD-Cover an, so wundert man sich, dass das Ensemble wirklich erst seit 2022 bestehen soll. Doch tatsächlich handelt es sich bei der Gründung des Reinhold Friedrich Brass Quintetts um einen langgehegten Lebenstraum des Namensgebers. Dem Trompeter Reinhold Friedrich ist es gelungen, mit Jeroen Berwaerts (Trompete), Lasse Mauritzen (Horn), Ian Bousfield (Posaune) und Thomas Roisland (Tuba) die internationale Spitzenklasse ihrer Instrumente zusammenzubringen. Und mit diesen Vertretern spielen zugleich auch ein Deutscher, ein Belgier, ein Däne, ein Brite und ein Norweger zusammen – da passt der Titel UNITY für die Platte doch perfekt. Bei dieser handelt es sich zwar um die Debüt-CD, die bei Solo Musica erschienen ist, die aber gar nicht so klingt. [...]

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Mozart • Reger • Leitner

Klarinettenquintette
Simon Reitmaier • Auner Quartett

Gramola 99123

1 CD • 1h 28min • 2016, 2017

11.05.202410 10 10

Drei Klarinettenquintette stellt die vorliegende CD (mit einer Spieldauer von beinahe 88 Minuten geradezu sensationell prall gefüllt) einander gegenüber: Mozarts Quintett, das die Gattung faktisch etablierte, bildet sinnigerweise den Anfang, Max Regers Quintett, das in mancher Hinsicht auf Mozarts Werk Bezug nimmt und selbst ein Markstein des Repertoires ist, den Abschluss, und dazwischen findet man mit dem Quintett von Ernst Ludwig Leitner ein jüngeres Werk, das sich ebenfalls und noch wesentlich direkter auf Mozarts Quintett bezieht. Der junge österreichische Klarinettist Simon Reitmaier spielt diese Werke gemeinsam mit dem 2013 in Wien gegründeten Auner-Quartett.

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Alexander Asteriades

String 'Quartet • Vertonte Gedichte

MDG 707 2314-2

1 CD • 51min • 2023, 2009

10.05.20248 9 8

Alexander Asteriades (Jg. 1941) hat in Erlangen in Philosophie promoviert und in München an der Musikhochschule ein Examen für das Lehramt abgelegt. Als Komponist ist er jedoch Autodidakt, hat das Handwerk nach eigener Aussage durch das intensive Studium von Komponisten des 15. bis 20. Jahrhunderts erlernt, mit deren Werken er sich als Geiger, Chor- und Orchesterleiter auch praktisch auseinandergesetzt hat. Er ist also ein Eklektiker im besten Sinne des Wortes. Dennoch haben seine hier präsentierten Arbeiten keinen „second-hand“-Charakter, sind in gewisser Weise eigenständig und zeigen eine persönliche Sicht auf die behandelten Sujets. Sehr originell in dem String Quartet, das wie eine dreisätzige Sonate aufgebaut, aber von literarischen Texten inspiriert ist.

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Florian Noack

I Wanna Be Like You
The Piano Transcriptions

la dolce volta LDV 121

1 CD • 73min • 2023

09.05.202410 10 10

Transkriptionen sind gleichermaßen anspruchsvolles Handwerk wie hohe Kunst. Durch sie werden originale Werke für ein neues Instrument erschlossen, wird neues Repertoire geschaffen. Die Frage nach dem Warum ist damit schon zum Teil beantwortet: von jeher versuchten Musiker ihr Repertoire zu erweitern, von jeher wollten sie jene Werke spielen, die eigentlich gar nicht für ihr Instrument geschrieben wurden, auch wenn es manchmal wie ein Ding der Unmöglichkeit anmutet – etwa im Falle des Konzertes für vier Cembali (BWV 1065) von Johann Sebastian Bach. Genau das hat der Pianist Florian Noack aber versucht. Natürlich geht es dabei nicht darum, jede einzelne Note zu retten, sondern darum, die musikalische Substanz so gut es geht an das neue Instrument anzupassen.

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Stairway to Bach

Rock Classics with a Hint of Bach

OUR Recordings 8.226920

1 CD • 75min • 2024

08.05.20248 10 8

Im Laufe der letzten drei Dekaden hat der dänische Organist Sven-Ingvart Mikkelsen eine recht eindrucksvolle Diskographie eingespielt, die eine ganze Reihe von Schwerpunkten aufweist von Barockmusik (Böhm, Scheibe, Vivaldi, Guilain) über Raritäten des Repertoires (neben dem Norweger Hans Matthison-Hansen auch die nach wie vor einzige Einspielung von Max Bruchs Orchestersuite Nr. 3) bis hin zu Transkriptionen (oft für Violine und Orgel), speziell in jüngerer Zeit sind auch Arrangements von Rockmusik hinzugekommen. Sein neues Album bei OUR Recordings greift einige dieser Aspekte auf, indem es Klassiker der Rockmusik (in Mikkelsens eigenen Transkriptionen) mit Werken von Johann Sebastian Bach kombiniert.

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Joseph Haydn

String Quartets Vol. 17
Leipziger Streichquartett

MDG 307 2312-2

2 CD • 1h 39min • 2023

07.05.20249 10 10

Das Leipziger Streichquartett möchte in diesem Jahr die Gesamtaufnahme der Haydn’schen Streichquartette zum Abschluss bringen. Zuvor aber widmeten sich Stefan Arzberger, Tilman Büning, Ivo Bauer und Peter Bruns den Anfängen der Quartettproduktion überhaupt. Denn die Werke op. 1, Nr. 1 – 6, wobei die Nummer op. 1, 0 anstelle der früheren op. 1,5 steht, markieren gleichsam die Wende von den Kinderschuhen der Divertimenti zu den ausgewachsenen, zunächst noch fünfsätzigen Quartetten. Entstanden sind sie gegen Ende der 1750er Jahre für die „musikalischen Unterhaltungen“ im Schloss Weinzierl des Barons von Fürnberg, wobei der Komponist selbst mitwirkte.

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Domenico Cimarosa

Le astuzie femminili

cpo 555 595-2

2 CD • 2h 39min • 2022

06.05.202410 10 10

Nach dem sensationellen Erfolg seiner Opera buffa Il matrimonio segreto, die 1792 in Wien ihre Uraufführung erlebte, wählte Domenico Cimarosa, nach Neapel zurückgekehrt, für seinen dortigen Einstand ein Sujet, mit dem er an diesen Erfolg anzuknüpfen hoffte, und griff dabei auf Teile des zuvor geschriebenen Einakters Amor rende sagace zurück: Le astuzie femminili (auf deutschen Bühnen später unter dem Titel Weiberlist gespielt). Das Libretto, das ihm Giuseppe Palomba auf der Basis der älteren Vorlage konstruierte, ist streckenweise etwas abstrus und weitschweifig, spielt aber geschickt mit den bewährten Elementen der neapolitanischen Buffa, zu denen auch der Gebrauch des dortigen Dialekts, komische Duelle sowie der Einsatz von pittoresken Verkleidungen gehörten.

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Parallel 40

Belinfante Quartet

7 Mountain Records 7MNTN-049

1 CD • 77min • 2023

05.05.20249 9 9

Pau Marquès i Oleo, der Cellist des jungen niederländischen Belinfante Quartets, stammt von der Insel Menorca, deren Lage auf dem 40. Breitengrad Nord Inspiration, Ausgangs- und auch Zielpunkt des vorliegenden neuen Albums des Quartetts ist. In 21 Tracks und 17 verschiedenen Stationen geht es – eben gerade auf diesem Breitengrad – einmal rund um den Globus mit musikalischen Visitenkarten aus aller Welt, teils Originalwerke für Streichquartett, teils Arrangements von Volks- oder Kunstmusik der jeweiligen Länder.

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Marsyas Baroque

»Dieupart & Bach – A Suite Connection«

GWK Records GWK 162

1 CD • 69min • 2023

04.05.20248 9 9

Charles François Dieupart (1667/76–1740) und J. S. Bach (1685-1750) sind Zeitgenossen – wobei Dieupart allem Anschein nach ungefähr so alt gewesen ist wie Bachs älterer Bruder Johann Christoph Bach (1671-1721), in dessen Obhut der zehnjährige Sebastian nach dem Tod beider Eltern kam. J. S. Bach hat seinen französischen Kollegen offenbar bewundert; in der Frankfurter Universitätsbilbliothek befindet sich seine sorgfältige Abschrift von Dieuparts sechs Cembalosuiten (von denen zwei hier erklingen), bei der Bach auch eine Verzierungstabelle anlegte: Sie zeigt sein Interesse, sich die Kunst seines älteren französischen Kollegen tiefgründig anzueignen.

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Eastbound

Schumann • Dvořák • Schreker

Sony Classical 19658863312

1 CD • 67min • 2020

03.05.202410 10 10

„Ostwärts“ lautet der Titel der neuen CD der Festival Strings Lucerne, und er ist hier in gleich zweifacher Weise Programm: Zum einen ist mit Robert Schumanns für Streicher bearbeitetem Zyklus Bilder aus dem Osten op. 66 ein Werk zu hören, das auf einer literarischen Vorlage von Friedrich Rückert beruht. Dabei handelt es sich um die deutsche Übertragung der „Makamen“ aus dem 12. Jahrhundert, einer Form der orientalischen Dichtung, die den Geschichten um Till Eulenspiegel ähnelt. Aber nicht nur der Nahe Osten ist hier vertreten, auf der CD sind auch Werke von den unsererseits östlich verorteten Komponisten Franz Schreker und Antonín Dvořák zu hören, von Letzterem etwa die Serenade für Streichorchester op. 22 und dessen Andante aus dem Streichquartett op. 9 in einer Weltersteinspielung.

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Franz Schmidt

Orgelwerke • Organ Works Vol. 1

Ambiente-Audio ACD-2047

1 CD • 65min • 2023

02.05.20249 9 9

Franz Schmidt (1874 – 1939) ist den Hörern von heute vor allem durch sein Oratorium Das Buch mit sieben Siegeln bekannt. Und öfters aufgeführt wird auch das Zwischenspiel aus seiner Oper Notre Dame von 1914. Der in Preßburg, dem heutigen Bratislava, geborene Komponist wirkte in Wien zunächst als Cellist und Pianist, bevor er sich als Schüler von Bruckner, Ferdinand Hellmesberger und Robert Fuchs als Komponist einen Namen machte. Der schweizerische Organist Andreas Jetter setzt sich nun für das Orgelschaffen Schmidts ein, das eine zentrale Rolle im Schaffen des Multitalents bildet.

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Anton Bruckner

Cut or Uncut? Symphony no. 7 in E major

Tacet 255

2 CD • 2h 07min • 2019

01.05.202410 10 10

Als ich am 3. August 1995 die große Ehre und Gelegenheit hatte, Sándor Végh in seinem Haus in Salzburg zu interviewen (es sollte sein letztes Interview sein), äußerte er sich sehr glücklich, dass das Spiel seines legendären Végh-Quartetts eine Nachfolge-Formation gefunden habe im Keller-Quartett: „Es wird weiterhin große Musik gemacht und Bartók verstanden.“ Primarius András Keller war ein musikalischer Ziehsohn seines großen Landsmanns, und er hat damals mit seinem Quartett wunderbare Aufnahmen u. a. von Bartók und Schubert für Erato gemacht. Nun hat sich András Keller schon lange dem Dirigieren zugewandt und für Tacet einen Bruckner-Zyklus begonnen, bei dem er sich mit seinem hervorragenden Concerto Budapest erfreulich viel Zeit lässt und mit klar strukturierten, fein empfundenen und das Drama der großen Form brillant entfaltenden und balancierenden Darbietungen heute als einer der besten Bruckner-Dirigenten dasteht, dessen Beispiel für den wachen Hörer so manchen Schnellproduzierer bloßstellt.

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