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CD-Besprechung

Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg WWW 96

Arthaus Musik 1 DVD-Video 100 152

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 01.06.01

Arthaus Musik 100 152

1 DVD-Video • 4h 26min • [P] 1995

Im Verlauf des Vorspiels drehen sich die von Peter Sykora malerisch angeordneten Hintergrundhäuschen und Türme: die Illusion kleinformatiger Großstädtigkeit scheint gelungen, man weiß, wo in deutschen Landen und in welcher soziologischen Gegend man sich in den kommenden Stunden aufhalten wird. Dadurch kommt - wie überhaupt in den Video-, bzw. DVD-Opernproduktionen - der Dirigent und sein Orchester zu kurz. Auch ihn möchte man ja ein wenig in seiner Arbeit und dadurch in seinen für das jeweilige Stück entscheidenden Stimmungslagen kennenlernen. Gleichwohl: diese Berliner Inszenierung des erfahrenen Wagner-Regisseurs Götz Friedrich ist in ihrer Mischung aus scharfsinniger Milieu- bzw. Einzelcharakterzeichnung und einer gelassenen Grundhaltung von sinngebender Wagner-Kenntnis eine Wohltat etwa im Vergleich zur biederen Bayreuth-Theater- und Kantinenkumpanei eines Wolfgang Wagner. Friedrich war längst über jene Zeiten hinaus, da er noch schockieren wollte. Er zieht sozusagen im kollegialen Schulterschluß mit seinen Darstellern ein Resumée seiner Meistersinger-Erfahrungen, läßt die großen und kleinen Helden, die Sympathischen und die weniger Sympathischen, nicht über Gebühr deutschtümeln - und doch wird klar, wo Friedrich Distanz hält und wo er selbst in diesem Stück eine Portion Weltbürgerlichkeit heraushört. Frühbeck de Burgos musiziert das Werk weder in die Breite noch schärfend in die Tiefe. Er ist im besten Sinne des Wortes Handlanger der Sänger, die in Mimik und Gestik auch bei direktester Kameraannäherung schauspielerische Glaubwürdigkeit ins Spiel bringen. Besonders Wolfgang Brendel in der Titelpartie und der - stimmlich fast schon wieder zu geschmeidige, zu wohllautend "stolzingende" - Beckmesser des Eike Wilm Schulte sind Menschenporträts von hoher Daseinslegitimation.

Die Bildführung zeigt das Ganze und das Einzelne in fast immer überzeugender Abwechslung. Vielleicht hätte Brian Large im Quintett des dritten Aktes ein wenig mehr den Stimmen auf der Spur bleiben sollen, aber insgesamt bürgt dieser spannende Mitschnitt für eine Wagner-Annäherung von großer Erlebensdichte.

Am Rande sei vermerkt, daß die DVD Nr. 1 unangenehm abrupt endet, daß die Fotoqualität im Booklet zum Teil miserabel ist und der editorische Ehrgeiz nur für ganze drei Künstlerbiographien reichte.

Peter Cossé † [01.06.2001]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Wagner Die Meistersinger von Nürnberg WWW 96

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Wolfgang Brendel Bariton
Barry McDaniel Bariton
Eike Schulte Bariton
Lenus Carlson Bariton
Victor von Halem Baß
David Griffith Tenor
Gösta Winbergh Tenor
Eva E. Johansson Sopran
Ute Walther Mezzosopran
Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
Rafael Frühbeck de Burgos Dirigent
 
100 152;4006680101521

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